Nur Facebook für Unternehmen statt Website? Pro & Contra

Macht es für Unternehmen Sinn, nur mehr auf Facebook statt auf eine Firmenwebsite zu setzen? Foto: Adobe Stock, (c) everythingpossible

Wenn Sie noch gar keine oder eine mäßig erfolgreiche eigene Firmenwebsite betreiben, haben Sie sich vielleicht schon diese Frage gestellt: Reicht es nicht, einfach eine Facebook-Seite für meinen Betrieb anzulegen und die ganze Online-Kommunikation darüber laufen zu lassen?

Warum dieser Ansatz zwar nachvollziehbar ist, aber dennoch gehörige Einschränkungen mit sich bringt, sehen wir uns in diesem Artikel im Detail an. Wir wollen nicht lange um den heißen Brei herumreden, hier die wesentlichen Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vermeintliche Vorteile einer „Facebook-only“-Strategie für Unternehmen

  • proKeine Zusatzkosten für Hosting & Domain

  • proGenerell reduzierter technischer Aufwand

  • proPotenziell sofort hohe Reichweite

  • proErfüllt für viele Anforderungen durchaus den Zweck

  • proFacebook bietet stetig innovative Funktionen für KMU (z.B. Support-Chat, FB-Gruppen, Targeting, Shopping, …)

Nachteile einer fehlenden Firmenwebsite

  • contraDie Facebook-Page gehört nicht wirklich Ihnen, Sie sind de facto nur Gast

  • contraNicht für jede (Business-)Zielgruppe geeignet

  • contraZukünftige Relevanz des Social Networks steht in Frage

  • contraKaum Wachstum in Österreich, geringes Interesse der Generation Z an Facebook

  • contraWirklich hohe Reichweite nur mit Werbeinvestitionen

  • contraMan ist gegenüber den Möglichkeiten einer eigenen Website stark limitiert

  • contraKeine Synergie-Effekte, da Facebook die User im eigenen Netzwerk halten will

  • contraNur via Facebook präsent zu sein wirkt rasch unprofessionell

Facebook für Unternehmen: Ist dabei sein wirklich alles?

Ja, es stimmt. Wer eine größere Unternehmensseite betreibt – auch als Profi in diesem Bereich – wird früher oder später vor technischen Herausforderungen stehen und den einen oder anderen Error bekämpfen müssen. Diesen Ärger hat man auf der Facebook-Page nur in Ausnahmefällen, denn der Part mit technischer Wartung, Hosting und Software-Updates fällt komplett weg.

Zumindest in bestimmten Altersgruppen ist nach wie vor (gefühlt) fast jeder auf Facebook zugegen, eine beachtliche Anzahl an Menschen kann man dort gewiss erreichen. In der österreichischen Gesamtbevölkerung sind es mit 5 Millionen Nutzer knappe 57 Prozent, die einen Facebook-Account haben. In der auf Facebook aktivsten (und für viele Unternehmen wichtigen) Altersgruppe der 25- bis 34-jährigen liegt der Marktanteil in Österreich  (Verteilung der Facebook-Nutzer/innen nach Altersgruppe) immerhin bei 28 Prozent. Generell bieten Social Media Aktivitäten einige Vorteile für Unternehmen.

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Und auch was man auf der Firmenwebsite klassischerweise so macht (Berichte zu Neuigkeiten bringen, Produkte und Angebote präsentieren, Fotos und Videos hochladen, Kontaktmöglichkeiten auflisten …) lässt sich via Facebook durchaus zur Gänze umsetzen. Dies alles in Kombination mit durchaus mächtigen Features á la Chatbot, Social Shopping oder Statistik-Insights.

Für den Laien mag das bereits klingen, als wäre das reine Dabeisein beim blaue Social-Media-Riesen mehr als nur die halbe Miete. Doch ist es wirklich so? Bei näherer Betrachtung lassen sich alle oben genannten Facebook-Vorteile für Unternehmen recht leicht entkräften.

Facebook Layout
In Sachen Optik ist man bei Social Media Kanälen immer stark an das vorgegebene Layout gebunden. Grafik: Adobe Stock, (c) la vector

Nur Facebook statt Website: Die Nachteile im Detail betrachtet

Kommen wir nun zur Kehrseite der Strategie „Facebook only“ – besser gesagt zu den Kehrseiten, denn die Nachteile auf eine ordentliche Unternehmens-Website zu verzichten, sind vielfältig ausgeprägt.

Facebook ist nur bedingt „Owned Media“

Wenngleich man eine Facebook-Page kostenlos betreiben kann und grundsätzlich auch eigenständig verwalten kann, ist man als Unternehmen de facto nur Gast und muss sich an die Vorgaben, Einschränkungen und Algorithmen von Facebook halten. Volle Kontrolle über das Erscheinungsbild Ihrer Inhalte haben Sie dort – im Gegensatz zu Ihrer Website – nicht. Auch deshalb unterscheidet man in modernen Marketing-Definitionen in Sachen Content-Distribution mittlerweile zwischen „Owned Media“ (Website, Blog, Mailings etc.) und „Owned Profiles“ (Social Networks, Foren).

Facebook ist für gewisse Alters- und Zielgruppen ungeeignet

Können Sie Ihre Zielgruppe überhaupt via Facebook erreichen? In vielen Fällen ist das nicht der Fall. Beispielsweise ist das Interesse der „Generation Z“ (Post-Millenials) an Facebook, gelinde gesagt, überschaubar. Bei den 13- bis 17-jährigen liegt der Anteil in Österreich nur bei 3,9 Prozent. Der Grund ist ganz banal: andere soziale Medien haben Facebook in dieser Altersgruppe längst den Rang abgelaufen.

Generation Z Social Media Nutzung
Die junge Generation „Always Online“ hat das Internet zwar stets in der Tasche, die Nutzung von Facebook spielt dabei aber nur mehr eine untergeordnete Rolle. Foto: Adobe Stock, (c) kegfire

Zudem ist es schwierig Personen mit bestimmten Interessensgebieten auf Facebook zu treffen. Während klassische B2C-Themen durchaus gut funktionieren können, ist B2B-Marketing ungleich schwieriger. Selbst wenn Sie auf Facebook auch Werbung schalten und die – durchaus umfangreichen – Targeting Tools von Facebook nutzen. Promotion für Business- oder komplexere Technologie-Themen ist auf Facebook jedenfalls viel schwieriger, als ein Restaurant oder ein Ferienhaus zu bewerben.

Wenn Sie weitere Online-Marketing-Kanäle (und eine Firmenwebsite) haben, können Sie hier viel besser selektieren und Ihre Promotions pro Kanal auf die Zielgruppe zuschneiden. Unternehmen, die lediglich eine Facebook-Präsenz betreiben, stehen hier rasch an und verschwenden Zeit und Geld.

Facebooks zukünftige Relevanz ist fraglich

Es ist nicht nur das geringe Interesse der Jugend, es sind auch die Wachstumszahlen, die Facebook sorgen bereiten. Nach den rasanten Anfangsjahren hat Facebook schon in den letzten Jahren kaum mehr nennenswerte Zuwächse verzeichnet. 2021 ist die Tendenz sogar rückläufig. Der Fokus der Nutzer von sozialen Medien verlagert sich zunehmend auf wachstumsstarke Kanäle wie Instagram (ebenfalls im Besitz der Facebook Inc.), Snapchat oder TikTok. Andererseits nutzt heute fast jeder in irgendeiner Form Suchmaschinen (Marktanteil der Google Suche in Österreich dabei: 95%) und kann auf diesem Wege auf Ihre Firmenwebsite gelangen – ganz egal in welcher Branche ihr Unternehmen tätig ist.

Facebook schränkt die tatsächliche Reichweite stark ein

Facebook unterliegt einem speziellen Algorithmus, der Beiträge nach Qualität und Relevanz beurteilt und die Sichtkontakte Ihrer Postings ggf. stark einschränkt. So sieht unter Umständen nur ein Bruchteil Ihrer „Gefolgschaft“ aktuelle Statusmeldungen – selbst wenn Sie Tausende Fans und Followers aufgebaut haben.

Facebook Reichweite
Unternehmer wundern sich oft über die bescheidene Reichweite Ihrer Postings. Das liegt am Facebook-Algorithmus sowie am Geschäftsmodell des Social Networks. Foto: Adobe Stock, (c) PixieMe

Das hat zwei Hauptgründe: Einerseits ist die Informationsflut in großen Social Networks heute so enorm, dass es gar nicht möglich wäre, alle Posts allen interessierten Personen anzuzeigen. Und andererseits ist Facebook stark von Werbeeinnahmen abhängig, dementsprechend wird in erster Linie zahlenden Werbekunden eine wirklich hohe Reichweite ermöglicht. Nicht-gesponserte Postings bleiben auf der Strecke und die Reichweite wird aktiv beschnitten.

Keine Frage, wenn Sie ein virales Facebook-Posting nach dem anderen abfeuern und Ihre Einträge tausendfach geklickt und geteilt werden, dann wird Ihnen Facebook auch ohne Werbebudget eine ordentliche Reichweite bescheren. Doch für die meisten KMU-Betriebe ist dies eher unrealistisch, alleine schon mangels an zeitlichen Ressourcen bzw. mangels einer eigenen Redaktion als „Content-Schmiede“.

Facebook bietet nicht alle Möglichkeiten einer Website

Auch wenn die Facebook-Entwickler natürlich daran interessiert sind, durch immer neue Features und Funktionen das Angebot attraktiver zu machen: Die grenzenlosen Möglichkeiten einer professionellen Firmenwebsite haben Sie mit einer Facebook-Page alleine definitiv nicht.

Sie wollen Ihre Seiten individuell stylen lassen, einen Eventkalender oder Anfahrtsplan sowie ein erweitertes Kontaktformular realisieren? Auf der Facebook-Page werden Sie mit Ihrem Latein (und den vorhandenen Optionen) schnell am Ende sein. Besser ist es daher, die Facebook-Page als zusätzliches Kommunikationstool sowie als Traffic-Bringer zu sehen. Durch gut gemachte Postings können Sie Interesse bei Kunden erzeugen und die User direkt auf Ihre Webseite leiten, sie dort dann in weiterer Folge zu zahlender Kundschaft machen.

Fazit: Unternehmen sollten Synergie-Effekte nutzen und auf mehrere Kanäle inkl. Website setzen

Die Facebook-Page kann ein starker Kanal sein, um im Internet auf sich aufmerksam zu machen, entfaltet aber nur in Kombination mit einer Homepage ihre volle Power. Unternehmen, die einen Kanal wie Facebook als alleinstehendes Tool fürs Online Marketing verstehen, vergeuden jedenfalls enormes Potenzial. Denn wirklich gut verkaufen kann man nur, wenn man die Besucher von Facebook auf die eigene Website bzw. eine optimierte Landing Page lotst. Für den optimalen Unternehmenserfolg sollten Sie also einmal mehr zweigleisig fahren und eine eigene Website erstellen lassen sowie Social Media Marketing für KMU betreiben.

Mehr Kaufabschlüsse durch eine eigene Firmenwebsite

Michael Schifflhuber

Michael Schifflhuber

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Michael Schifflhuber