Bandscheibenvorfall behandeln: Bewegung oder Operation? - HEROLD.at

Bandscheibenvorfall erkennen: Schmerzen, Behandlung, Operation

Junger Mann mit Bandscheibenvorfall lws und starken Schmerzen.

Ein Bandscheibenvorfall lws ist ein Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule. Wir verraten, wie die Behandlung aussieht. Adobe Stock, (c) markoaliaksandr

Diagnose Bandscheibenvorfall: Für viele eine Horrorvorstellung. Aber in den meisten Fällen reichen als Behandlung etwas Schonung, eine Schmerzbekämpfung, Physiotherapie und adäquate Bewegung aus, um den Bandscheibenvorfall beziehungsweise seine Folgen in Schach zu halten. Zur Therapie der Rückenschmerzen kann man aber auch selbst einiges beitragen. Wir verraten, was bei Bandscheibenvorfällen wirklich hilft.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Wirbelsäule (Columna vertebralis) setzt sich aus dem Kreuz- und Steißbein sowie 24 freien Wirbeln zusammen, die den Wirbelkanal, durch den das Rückenmark verläuft, bilden. In Höhe eines jeden Wirbels treten seitlich aus dem Rückenmark Nerven aus, die bestimmte Körperteile (z.B. Halswirbelsäule: Arme, Lendenwirbelsäule: Beine) versorgen. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern sitzen – als Abstandshalter und abfedernder Puffer für durch Bewegungen ausgelöste Erschütterungen – die Bandscheiben, insgesamt 23 an der Zahl. Sie gewährleisten, dass sich die einzelnen Wirbelkörper problemlos gegeneinander bewegen können und nicht zu engen Kontakt zueinander haben.

Wie sind die Bandscheiben aufgebaut?

Jede Bandscheibe (Discus intervertebralis) besteht aus einem weichen und elastischen, wie eine Art Gelkissen sich verhaltenden Gallertkern (Nucleus pulposus), der – da er im Liegen aus der umgebenden Gewebsflüssigkeit Wasser und Nährstoffe abzapft und sich – einem Schwamm ähnlich – damit vollsaugt – wie ein Stoßdämpfer wirkt. Ihn umgibt ein harter Faserknorpelring (Anulus fibrosus), der verhindert, dass Gallertkernmasse austritt. Entlang der Wirbelsäule verlaufende Längsbänder – je ein vorderes und ein hinteres – sind mit dem Anulus fibrosus verbunden, wodurch sie die Bandscheibe im Zwischenwirbelraum halten, sie fixieren und stabilisieren. Im Stehen und Sitzen lastet Druck auf der Bandscheibe, wodurch das im Liegen aufgesogene Wasser wieder aus dem Nucleus pulposus der Bandscheibe herausgepresst wird.

bandscheibenvorfall behandlung

Bandscheibenvorfälle treten meistens im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Man spricht dann auch von einem Bandscheibenvorfall lws. Adobe Stock (c) Henrie

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Sinkt der Wassergehalt einer Bandscheibe, wie es schon ab dem dritten Lebensjahrzehnt geschieht, verliert als Verschleißerscheinung der Gallertkern seine Elastizität. Er wird spröde, kleiner und härter. Der Faserring wird porös. In ihm entstehen kleine Risse. Durch die kann, vor allem bei falscher Belastung oder Überlastung (z.B. durch Übergewicht) der Bandscheibe, der Gallertkern nach außen verrutschen. Und auf den Faserring sowie auf Nerven drücken. Das nennt man Vorwölbung oder Protrusion.

Durchbricht der Gallertkern den Faserring, bedeutet das einen Bandscheibenvorfall alias Prolaps oder Discusprolaps. Zudem kann sich der Abstand zwischen den Wirbeln sukzessive verringern. Somit kommen sie unnatürlich eng in Kontakt miteinander und bedingen eine Lockerung des Bandapparates. Abhängig vom Grad der Schädigung der Bandscheibe unterscheidet man zwischen:

  • einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Die Bandscheibe krümmt sich zwischen den Wirbelkörpern hervor, wobei ihre Hülle intakt bleibt.
  • einem Bandscheibenvorfall (Extrusion): Die Hülle der Bandscheibe reißt. Ihr Kern wölbt sich nach außen.
  • einem sequestierten Bandscheibenvorfall (Sequester): Bandscheibengewebe tritt durch die gerissene Hülle in den Wirbelkanal aus.

Ein Discusprolaps ist normalerweise die Folge eines schleichenden Prozesses, der in einer Abnutzung der Bandscheibe und einer nachfolgenden Beeinträchtigung der normalen Beweglichkeit der Wirbelsäule gipfelt.

Bandscheibenvorfall hws und lws

Die Hauptlast unseres Körpers trägt die Lendenwirbelsäule (LWS). Deshalb kommt es dort am häufigsten (je nach Literatur: 70 bis 90 Prozent) zu einer Schädigung (lumbaler Bandscheibenvorfall), meist zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel oder lumbosakral (zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Kreuzbein). In diesen Fällen sprechen Mediziner auch von einem Bandscheibenvorfall lws.

Viel seltener (je nach Literatur: 10 bis 25 Prozent) ist die Halswirbelsäule (HWS) betroffen (zervikaler Bandscheibenvorfall), etwa bei jahrelangem Tragen schwerer Lasten auf den Schultern. Gelegentlich findet man auch thorakal (in der Brustwirbelsäule) oder thorakolumbal (am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule) einen Discusprolaps. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule spricht man auch von einem Bandscheibenvorfall hws.

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Ursachen haben. Hauptsächlich sind daran altersbedingte Veränderungen der Bandscheibe schuld. Daher liegt der Altersgipfel der Erkrankung im höheren Lebensalter. Bandscheibenprobleme werden außerdem begünstigt durch

  • Übergewicht oder Schwangerschaften mit starker Gewichtszunahme,
  • Bewegungsarmut oder Fehlhaltungen,
  • Fehlbewegungen bzw. unvorteilhafte Bewegungsabläufe oder einseitige Bewegungsmuster,
  • nicht rückengerechtes und/oder sehr langes Sitzen (z.B. LKW-Fahrer),
  • schweres Heben und Tragen (z.B. sich nach vorne beugen und mit krummem Rücken eine Last hochheben = enorme Belastung der LWS mit vermehrtem Druck auf die Bandscheiben),
  • eine mangelhaft ausgebildete Rumpfmuskulatur bzw. schlecht ausgeprägte Rückenmuskulatur, weil dann Bänder und Gelenke die Wirbelkörper tragen anstatt dass Muskeln sie stabilisieren,
  • zu schwere (Makromastie) oder stark unterschiedlich entwickelte Brüste (Brustasymmetrie), was häufig eine Brustverkleinerung erforderlich macht.

Zusätzlich kann eine erbliche Veranlagung das Risiko für Bandscheibenschäden erhöhen. Gelegentlich führen auch Unfälle dazu, dass sich aus einer Protrusion ein Prolaps entwickelt.

Wie erkenne ich einen Bandscheibenvorfall? Symptome

Was viele nicht wissen: Nicht jeder Bandscheibenvorfall ruft entsprechende Symptome hervor, weil häufig keine Nervenreizung erfolgt. Oft bestehen jahrelang Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben, ohne dass ernsthafte Probleme auftreten. Dann genügt oft eine ungeschickte Bewegung, ein wenig Zugluft oder Unterkühlung, um plötzlich doch Beschwerden zum Vorschein zu bringen.

Junger Mann mit Bandscheibenvorfall und Schmerzen in der Halswirbelsäule.

Ein Bandscheibenvorfall hws geht oft mit plötzlich einschießendem Schmerz einher, der in den Kopf und die Arme abstrahlen kann. Adobe Stock, (c) decade3d

Wo treten die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall auf?

Symptome treten vor allem dann auf, wenn ausgetretenes Bandscheibengewebe nach hinten in den Rückenmarkskanal oder nach hinten-seitlich auf einen Nerv bzw. eine Nervenwurzel drückt. In diesem Fall können folgende Symptome auf den Bandscheibenvorfall hindeuten:

  • Schmerzen je nach betroffener Region (zum Beispiel eine Ischialgie oder Nackenschmerzen), die typischerweise plötzlich einschießen.
  • Ausstrahlung z.B. ins Gesäß, die Beine, den Hinterkopf, die Schultern oder Arme.
  • Verhärtung der Muskulatur im betroffenen Bereich der Wirbelsäule, was zu Verspannungen der Rückenmuskulatur führt und den Betroffenen letztlich dazu verleitet, eine Schonhaltung einzunehmen.
  • Lähmungen, die zum Beispiel bei einem lumbalen Bandscheibenvorfall dazu führen können, dass der Betroffene nicht mehr auf der Fußspitze oder Ferse stehen kann.
  • Gefühlsstörungen wie Ameisenlaufen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Versorgungsgebiet des lädierten Nervs.

Wer diagnostiziert einen Bandscheibenvorfall?

Für die Abklärung erster Symptome ist dein Hausarzt/deine Hausärztin die richtige Anlaufstelle. Er oder sie wird eine ausführliche Anamnese durchführen (Erhebung der Krankengeschichte) und dich bei begründetem Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall anschließend an einen Facharzt verweisen. Bandscheibenvorfälle werden in der Regel von OrthopädenNeurologen oder Neurochirurgen behandelt. Für die Diagnose führt der Experte zunächst verschiedene Tests auf Beweglichkeit (zum Beispiel Fersenstand, Anhebung der Fußspitzen, Gangbild), Reflexe, Kraft und Sensibilität durch.

Weitere Untersuchungen geben Aufschluss darüber, welche Nervenwurzel womöglich irritiert ist und ob entsprechende neurologische Ausfallserscheinungen vorhanden sind. Bei Verdacht auf einen lumbalen Bandscheibenprolaps würde der Facharzt den Patienten zum Beispiel auf das sogenannte Lasègue-Zeichen testen. Hierbei handelt es sich um einen starken Dehnungsschmerzes im Bereich von Gesäß und Oberschenkel, wenn bei flacher und entspannter Rückenlage das gestreckte Bein im Hüftgelenk langsam passiv um 90° gebeugt wird.

Mit Hilfe einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann der Arzt außerdem die Schwere des Bandscheibenvorfalls erkennen. Röntgenaufnahmen genügen hierzu nicht, denn auf ihnen sind die Bandscheiben nicht sichtbar. Durch einen Bandscheibenprolaps ausgelöste Nervenschädigungen lassen sich durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie) oder Muskelspannung (Elektromyographie) feststellen.

Therapie: Bandscheibenvorfall behandeln

Rückenbeschwerden sind zwar ein Volksleiden, werden aber nur zu einem geringen Prozentsatz durch einen diagnostizierten Discusprolaps verursacht. Doch auch wenn ein Discusprolaps Beschwerden auslöst, heißt das noch lange nicht, dass gleich eine Operation notwendig ist. Denn in den meisten Fällen reicht eine nicht invasive Therapie zur Behandlung von Bandscheibenvorfällen aus. Die Bandscheibenvorfall Behandlung fußt in erster Linie auf Schonung, schmerz- und entzündungshemmenden Arzneien und einer umfassenden Bewegungstherapie.

Junge Frau mit Rückenschmerzen, die durch einen Bandscheibenvorfall verursacht sind.

Was viele nicht wissen: Ein chronischer leichter Schmerz im Rücken kann einen Bandscheibenvorfall ankündigen. Foto: Adobe Stock, (c) Andrey Popov

Schonung bei Bandscheibenvorfall: Was darf ich nicht?

Mit Schonung ist keineswegs Bettruhe gemeint. Im Gegenteil: Wer wegen eines Bandscheibenvorfalls sämtliche Aktivitäten einstellt, kann den Heilungsverlauf sogar massiv verzögern. Zielführender ist es hingegen, die betroffenen Bereiche möglichst gut zu entlasten. Bei einem lumbalen Discusprolaps (Bandscheibenvorfall lws) zum Beispiel entlastet eine sogenannte Stufenbettlagerung die Wirbelsäule. Bei der Stufenbettlagerung befindest du dich in Rückenlage und die Beine sind in den Hüft- und Kniegelenken im rechten Winkel aufgestellt beziehungsweise auf einem würfelförmigen Kissen abgelegt. Im Sitzen solltest du die Beine auf der Sitzfläche eines Stuhls hochlagern, das heißt die kompletten Unterschenkel darauf ablegen.

Schmerztherapie: Medikamente bei Bandscheibenvorfall

Die medikamentöse Therapie ist vor allem in der akuten Phase wichtig, damit der Betroffene sich möglichst schmerzfrei bewegen kann. Ist dies nicht möglich, besteht die Gefahr, dass eine Schonhaltung eingenommen wird und die Beschwerden sich dadurch auf lange Sicht noch verschlimmern. Der Facharzt setzt hier in erster Linie auf auf schmerz- und entzündungshemmende Arzneien wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Opioide oder auch, bei länger andauernden Beschwerden, bestimmte Antikonvulsiva (Antiepileptika) oder Antidepressiva. Diese Arzneien werden häufig mit Medikamenten zur Muskelentspannung (Muskelrelaxantien) kombiniert, damit sich die Muskeln durch die chronischen Beschwerden nicht verhärten.

Schmerzen lindern durch Infiltration

Bei akuten, sehr starken Beschwerden kann auch eine Infiltration Teil der Schmerztherapie sein. Hier werden die Schmerzmittel (häufig auch Kortison) direkt mit einer Injektionsnadel in die betroffenen Nerven beziehungsweise, wenn sich der Ausgangspunkt aufgrund der Ausstrahlung nicht eindeutig bestimmen lässt, wirbelsäulennahe gespritzt. Die Infiltration hat den Vorteil, dass sie den Organismus weniger belastet, weil durch die direkte Injektion geringere Mengen erforderlich sind.

Übergewichtige Frau. die von einer jungen Physiotherapeutin wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt wird.

Gezielte Bewegung ist bei einem Bandscheibenvorfall wichtig, um die Muskulatur zu stärken und Fehlhaltungen zu vermeiden.  Adobe Stock, (c) Cello Armstrong

Behandlung durch Bewegung

Bewegung ist ein wichtiger Teil der Therapie, da sie nicht nur helfen kann, die Beweglichkeit der Wirbelsäule wiederherzustellen, sondern auch zukünftigen Bandscheibenvorfällen vorbeugen kann. Aus diesem Grund ist der Physiotherapeut deine erste Anlaufstelle: Er oder sie kann dir einen Trainingsplan zusammenstellen, der auf deine individuellen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Dabei orientiert der Profi sich daran, was dein Bewegungsapparat momentan leisten kann, wie deine Ziele aussehen und sie du sie realistischerweise erreichen kannst. Grundsätzlich gilt nämlich: Der wirksamste Schutz vor Rücken- und Bandscheibenproblemen ist eine starke Muskulatur.

Denn die seitlichen Muskelstränge, aber auch die Bauch- und übrige Rumpfmuskulatur stützen die Wirbelsäule und halten sie in ihrer natürlichen Position, entlasten die Bandscheiben und bewahren sie vor vorzeitigen Verschleißerscheinungen und Fehlhaltungen. Zudem hilft eine kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur bei bereits bestehenden Bandscheibenschäden, Nervenreizungen zu vermeiden. Daher empfiehlt sich

  • ein konsequentes Krafttraining zur Stärkung des Muskelkorsetts der Wirbelsäule,
  • der Besuch einer Rückenschule,
  • regelmäßige Bewegung, möglichst in Form von rücken- und damit bandscheibenfreundlichen Sportarten wie beispielweise Walken, Nordic Walking, Rückenschwimmen, Aqua Jogging, Skilanglauf oder Gymnastik.

Massagen, Akupunktur & Co bei Bandscheibenvorfall

Wärmeanwendungen (zum Beispiel heiße Bäder, Fango- und Moorpackungen, Wärmepflaster, Infrarot-Bestrahlungen, Saunagänge, Ultraschalltherapie) sind sinnvoll, um die Durchblutung der Haut anzuregen und die versteifte Rückenmuskulatur zu lockern. Gleiches gilt für Massagen, die jedoch speziell auf die Bedürfnisse der geschädigten Bandscheiben abgestimmt sein sollten. Bei Nervenreizungen kommen als Therapie auch Kältepackungen wie kalte Umschläge oder Gelkissen zum Einsatz.

Die konservative Therapie unterstützen können auch alternative Heilmethoden wie etwa die Akupunktur, bei der sehr feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, um Schmerzen zu lindern. Eine andere alternative Therapiemethode ist die Moxibustion, bei der bestimmte Körperstellen (sogenannte Therapiepunkte) gezielt erwärmt werden, oft mit glimmenden Stangen aus getrocknetem Beifuß (Moxa).

Älterer Mann, der einem erneuten Bandscheibenvorfall durch Kraftsport vorbeugt.

Es ist niemals zu spät, den Bewegungsapparat zu stärken: Je früher du beginnst, desto eher danken deine Bandscheiben es dir. Foto: Adobe Stock, (c) Mladen

Bandscheibenvorfall: Wann eine Operation notwendig ist

Wenn die Symptome über mehrere Wochen unverändert bleiben und die konservative Therapie mittels Schmerzmitteln und Physiotherapie keine Verbesserungen zeigt, kann es notwendig sein, den Bandscheibenvorfall operativ zu behandeln. Ein sofortiger chirurgischer Eingriff, um die eingeklemmten Nervenwurzeln zu entlasten, ist außerdem notwendig bei

  • schweren oder in ihrer Intensität zunehmenden Lähmungen,
  • Funktionsstörungen von Blase und Mastdarm,
  • einem Cauda-equina-Syndrom (bezeichnet einen massiven Druck auf die Nervenfasern des Pferdeschweifs (= Nervenfasern am Ende des Rückenmarks) mit möglichen Folgen wie Lähmungserscheinungen der unteren Extremitäten, Sensibilitäts- (“Reithosenanästhesie“: Taubheitsgefühle im Genital- und Analbereich), Blasen- und Darmentleerungsstörungen).

Wie wird ein Bandscheibenvorfall operiert?

Der Neurochirurg entfernt den Diskussequester (vorgefallene Gallertkernmasse; Nucleotomie) meist standardmäßig per mikrochirurgischer Diskektomie  mit Hilfe eines Operationsmikroskops oder, abhängig von der Art des Bandscheibenvorfalls, mit minimal-invasiven Methoden wie z.B. perkutanen endoskopischen Techniken. Gelegentlich ist eine Spondylodese notwendig, das heißt zwei Wirbel werden durch Einbringen von Titanschrauben und Knochenspänen versteift, um eine (zum Beispiel durch starke Verschleißerscheinungen der Wirbel oder Wirbelgelenke bedingte) Instabilität zu beseitigen. Nur in ganz speziellen Fällen werden künstliche Bandscheiben eingesetzt.

Manchmal kann eine Auflösung des Diskussequesters mit Medikamenten versucht werden, indem mit einer Kanüle Enzyme in die hervorgequollene Gallertkernmasse gespritzt und nach einer gewissen Wartezeit die Flüssigkeit abgesaugt wird. In manchen Fällen ist es auch möglich, die Gallertmasse mittels Laser unter CT-Kontrolle zu verkleinern.

Wie sinnvoll ist die Operation? Risiken

Zu den Risiken, die bei einer Bandscheiben Op zu bedenken sind, zählen versehentliche Verletzungen von Nerven, Blutungen, Wundheilungsstörungen, Infektionen und Wucherungen von Narbengewebe. Zudem kann es zum Austritt von Liquor (Rückenmarksflüssigkeit, Nervenwasser) kommen. Überschießendes Narbengewebe, das anhaltende Probleme verursacht, kann eine Folgeoperation zur Entfernung des Narbengewebes erforderlich machen. Auch verschwinden nicht in jedem Fall die Schmerzen nach einem operativen Eingriff.

Jedenfalls sind nach einer Operation als Nachsorge eine ambulante oder stationäre Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation) und ein schrittweiser Belastungsaufbau notwendig, um zum Beispiel mittels Krankengymnastik und rückenstärkenden Übungen die Rumpfmuskulatur zu stabilisieren. Außerdem ist es wichtig, dass der Patient rückengerechtes Verhalten erlernt und sich somit Schritt für Schritt auf die Rückkehr ins Arbeitsleben vorbereitet.

Bandscheibenschäden vorbeugen: Rezept für ein schmerzfreies Leben

Da auch starke Be- oder Überlastungen der Wirbelsäule die Bandscheiben beanspruchen und sehr leicht einen erneuten Bandscheibenvorfall auslösen können, ist es ratsam, das Risiko für Bandscheibenschäden im alltäglichen Leben so gering wie möglich zu halten. Dies gelingt zum Beispiel, indem du rückenschonendes Heben erlernst. Um Bandscheibenschäden vorzubeugen sind außerdem folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • Übergewicht nach Möglichkeit auf Normalgewicht reduzieren (hier kann zum Beispiel ein Ernährungsberater helfen)
  • Zwangs- und Fehlhaltungen korrigieren (idealerweise mit Hilfe von Physiotherapie)
  • Arbeitsplatz möglichst rückenfreundlich gestalten (z.B. Optimierung der Büromöbel und des Bildschirmwinkels, regelmäßiges Wechseln der Sitzposition bzw. zwischen Stehen und Sitzen)
  • Rücken im Schlaf gerade halten, damit die Wirbelsäule nachts nicht in eine ungünstige Haltung gerät
  • mittelharte Matratze zur Schonung des Rückens und ein kleines bzw. flaches Kissen zur Schonung der Halswirbelsäule anschaffen
  • Erlernen von Entspannungstechniken wie Tai Chi, Yoga, die Jacobson´sche Progressive Muskelentspannung oder autogenes Training, um loslassen zu lernen, denn auch Anspannungen (z.B. im Job, in der Partnerschaft oder Familie) können sich am Rücken manifestieren
Tipp: Rückenschonendes Heben und rückenfreundliches Arbeiten kannst du am besten in einer sogenannten Rückenschule im Sportstudio oder beim Physiotherapeuten lernen.

Hier findest du die besten Physiotherapeuten in deinem Bundesland:



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