Dachstuhl anheben: Voraussetzungen, Kosten und Aufwand

Dachzimmer nach dem Dachstuhl anheben lassen

Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, können Hausbesitzer den Dachstuhl anheben lassen. Photo: Adobe Stock, (c) by-studio

Wohnraum ist begrenzt. Vor allem in den Städten steigen die Mietpreise pro m2  jedes Jahr. Um den eigenen Besitz optimal zu nutzen und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, den Dachstuhl anheben zu lassen. Bevor du jedoch die Zimmerei deines Vertrauens beauftragst und das neue Zimmer in Gedanken schon einrichtest, sind zunächst die Kosten zu kalkulieren und baurechtliche Fragen zu klären. Der HEROLD unterstützt dich dabei.

Möglichkeiten der Wohnraumerweiterung

Bauherren wissen: Die Anforderungen an den eigenen Wohnraum ändern sich mit der Zeit. Was vor fünf Jahren noch perfekt war, ist plötzlich ein wenig eng. Neuer Wohnraum muss her – aber das ist gar nicht so einfach. Die Preise für Immobilien sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Um mehr Wohnraum zu schaffen, ohne eine weitere Immobilie erwerben zu müssen, gibt es drei Möglichkeiten:

  • Kellerausbau
  • Anbaumaßnahmen
  • Dachstuhl anheben

Kellerausbau und Gebäudeanbau vs. Dachausbau

Ein Kellerausbau kann, je nachdem, in welchem Umfang du ihn planst, sowohl zeitaufwändig als auch kostenintensiv sein. Dadurch entstehende Souterrain-Wohnungen schaffen zwar zusätzliche Wohnfläche, sind aufgrund des Lichtmangels jedoch eher nicht als dauerhafter Wohnraum geeignet. Beim Anbau an ein bestehendes Gebäude spielt die Baubehörde häufig nicht mit, da hierdurch wertvolle Grünflächen versiegelt und im Zweifel die Nachbarn gestört werden.

Tipp: Im HEROLD-Beitrag  zum Thema „Keller ausbauen“ erfährst du alles über notwendige Maßnahmen und Möglichkeiten, um aus deinem Keller eine zusätzliche Nutzfläche zu machen.

Im Gegensatz zum teuren Gebäudeanbau und dem dunklen Keller hast du mit dem Dachgeschoss einen bereits vorhandenen Raum, der nur nicht genutzt wird. Falls der Raum unter dem Dach bereits hoch genug ist, reicht eine nachträgliche Dämmung und der Innenausbau mittels Rigipsplatten in der Regel aus. Häufig ist die Nutzung des Dachraums beim Hausbau jedoch nicht vorgesehen, weshalb der Dachstuhl zu niedrig gebaut wird. Eine entsprechende Anhebung ist dank modernster Techniken finanziell überschaubar.

Voraussetzungen: die Dachstuhlkonstruktion

Bevor du deinen Dachstuhl anheben lassen kannst, musst du wissen, um was für eine Dachstuhlkonstruktion es sich handelt. Hier werden vor allem die folgenden Dachstühle unterschieden:

  • Pfettendach (stehender Dachstuhl)
  • Sparrendach (liegender Dachstuhl)
  • Kehlbalkendach (eine Weiterentwicklung des Sparrendachs)

Sparren- und Kehlbalkendach besser geeignet zur Dachstuhlanhebung

Das Pfettendach leitet das Gewicht über im Lot stehende Ständer, die Stuhlsäulen, ab. Diese dürfen nicht entfernt werden, wodurch der Grundriss des späteren Dachausbaus eingeschränkt bleibt. Trotzdem können hier selbst große Dachgauben und flächige Dachfenster montiert werden, was lichtdurchfluteten Wohnraum mit echtem Mehrwert bedeutet. Sparren- und Kehlbalkendächer leiten das Gewicht nach außen in die Außenwände des Gebäudes ab. Umlaufend auf dem Dachboden wird der sogenannte Ringbalken gemauert, auch als Kniestock bezeichnet.

Dachstuhl anheben mit modernen Verfahren

Die auf dem Kniestock ruhenden Ringbalken oder Sparren werden von Mauerwerk freigelegt. Entlang der beiden Traufen und der Mittelpfette (entlang des Firsts) werden hydraulische Pumpen eingesetzt, die miteinander verbunden sind. Sobald die Pumpen betätigt werden, heben sie den Dachstuhl gleichmäßig an. Die Dachstuhlanhebung erfolgt meist zwischen 0,50 und 1,50 m. Nach dem Anheben des Dachs wird der Stuhl zusätzlich mit Stahlträgern gestützt. Unterdessen wird der Kniestock den Vorgaben entsprechend aufgemauert. Jetzt wird der angehobene Dachstuhl wieder abgesenkt und mit dem Kniestock verbunden. Abschließend erhält das Mauerwerk eine neue Verputzung. Ausgeführt werden Arbeiten dieser Art von professionellen Zimmereien bzw. Trockenausbauern.

Dachstuhlkonstruktion

Vor dem Anheben muss festgestellt werden, um welche Dachstuhlkonstruktion es sich handelt. Foto: Adobe Stock, (c) photo 5000

Kosten und rechtliche Grundlagen beim Dachstuhl anheben

Da jedes Haus individuelle Voraussetzungen mitbringt, können die Kosten für den Ausbau des Dachs bzw. die Anhebung des Dachstuhls stark variieren. Abhängig von Dachgröße und Aufstockungshöhe sind Kosten zwischen 10.000 und 15.000 Euro realistisch. Bevor du mit der Auftragsvergabe beginnst, solltest du einen Experten zurate ziehen. Unabhängige Energieberater können dir beispielsweise Auskunft darüber geben, welche Maßnahmen für den energieeffizienten Dachausbau erforderlich und sinnvoll sind. In der Regel führen sie auch eine erste Kostenkalkulation durch.

Du solltest auch die rechtlichen Voraussetzungen überprüfen. In jeder Gemeinde müssen Wohngebäude neben den baurechtlichen Bestimmungen auch Auflagen der zuständigen Kommune oder Stadtverwaltung erfüllen. Diese sind dem jeweiligen Bebauungsplan zu entnehmen.

Baurechtliche Anforderungen

Innerhalb der bestehenden Vorgaben sind normalerweise gewisse Kompromisse möglich. Trotzdem musst du dich, wenn du den Dachstuhl anheben möchtest, nicht nur mit der zuständigen Bauverwaltung auseinandersetzen, sondern auch selbst ausführlich Baupläne vorlegen. Diese müssen durch einen zertifizierten Architekten erstellt und zur Baugenehmigung eingereicht werden. Um unnötig hohe Kosten zu vermeiden, solltest du zuvor eine Bauanfrage durchführen. Die Gemeinde teilt dir dann mit, was du umsetzen darfst und was nicht.

Haus aufstocken – Kosten einer Dachstuhlanhebung

Sind die rechtlichen Hürden genommen, musst du neben der Anhebung auch andere möglicherweise anfallende Arbeiten und Gewerke berücksichtigen. Dazu gehören die Dachdämmung, der Innenausbau des neuen Wohnraums, etwaige Dachgauben und Dachterrassen, eine Erweiterung der Heizungsanlage  und die notwendigen Sanitärinstallationen. Die Kosten für den kompletten Austausch von Dachstuhl und Bedachung im Zuge einer vollständigen Dachsanierung können zwischen 50.000 und 150.000 Euro variieren. Ohne weitere Baumaßnahmen übersteigen die Kosten für die Anhebung des Dachstuhls 15.000 Euro in der Regel nicht.

Hier findest du die Profis für Innenausbau in deinem Bundesland:



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