Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden kann man fast immer durch einen gesunden Lebensstil vermeiden. Foto: Adobe Stock, (c) absolutimages

Hämorrhoiden sind eigentlich nichts anderes als Blutgefäße am Darmausgang. Doch der Begriff wird meist für deren krankhafte Erweiterung verwendet, die allerlei Beschwerden verursachen kann. Das muss nicht sein. Denn Hämorrhoiden sind auch eine Wohlstandserkrankung und lassen sich also durch einen gesunden Lebensstil weitgehend vermeiden. Wie, das verraten wir hier.

Hämorrhoiden – jeder kennt und hat sie

Hämorrhoiden (griech.: haíma = Blut, rhéin = fließen; Hämorriden) nennt man ein ringförmig angeordnetes Geflecht aus Blutgefäßen unter der Schleimhaut am Mastdarmende, oberhalb der Schließmuskeln des Afters. Diese bilden einen blutgefüllten Schwellkörper, medizinisch Plexus hämorrhoidalis genannt. Er dichtet als Corpus cavernosum recti zusammen mit den Schließmuskeln den Darmausgang ab, sodass es möglichst zu keinem unwillkürlichen Stuhlabgang kommt. Auch während Belastungen wie z.B. beim Niesen oder Lachen. Das Gefäßpolster entleert sich beim Stuhlgang, wenn die Spannung des inneren Schließmuskels nachlässt. Bei Hämorrhoiden handelt es sich also eigentlich um eine normale anatomische Struktur und keine Krankheit.

Was versteht man unter Hämmorrhoiden?

Wer umgangssprachlich den Ausdruck Hämorrhoiden benutzt, meint in der Regel jedoch denjenigen Zustand, wenn sich diese Gefäße infolge eines Blutrückstaus knotenförmig erweitern, absinken und vorwölben. Sie können Beschwerden wie Blutungen, Juckreiz, Brennen und Schmerzen auslösen. Der medizinisch korrekte Begriff dafür lautet Hämorrhoidalleiden, eine umgangssprachliche Bezeichnung “Krampfadern des Darms“.

Wie häufig das Hämorrhoidalleiden auftritt, lässt sich nicht genau sagen, gehört es doch zu den Erkrankungen, die mit Scham behaftet sind, sodass viele davon Betroffene keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Obwohl in den westlichen Industrienationen schätzungsweise mindestens die Hälfte aller über 50-Jährigen damit Erfahrung hat. Wobei die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Hämorrhoiden mit zunehmendem Alter steigt, weil dann die Elastizität der Blutgefäße und des Bindegewebes schwindet.

Wie bekommt man Hämorrhoiden?

Weshalb genau sich die Hämorrhoidalgefäße erweitern, nach unten sinken und vorwölben, konnte die Wissenschaft noch nicht vollständig klären. Doch geschieht das vor allem dann, wenn der Analbereich hohem Druck ausgesetzt ist. Als Ursachen für diese Veränderungen kommen daher infrage:

  • v.a. langes, starkes Pressen bei der Stuhlentleerung
  • häufige Verstopfungen, etwa durch ballaststoffarme Nahrung und/oder mangelhafte Flüssigkeitsaufnahme
  • Bewegungsarmut eine überwiegend sitzende Lebensweise
  • Übergewicht
  • schlechte Stuhlgewohnheiten wie z.B. “Dauersitzungen“ auf dem WC
  • Schwangerschaften infolge des erhöhten Drucks im Bauchraum, der den Blutabfluss aus dem analen Schwellkörper einschränkt, auch durch hormonelle Einflüsse, die die Gefäße dehnbarer machen sowie in dieser Zeit gerne auftretende Verstopfungen

Zudem kann eine angeborene Venenwand- bzw. Bindegewebsschwäche, die zur Erschlaffung der Schließmuskeln führt, die Entwicklung von Hämorrhoiden begünstigen.

Symptome: wie erkennt man Hämorrhoiden?

Bemerkbar macht sich die Erkrankung am häufigsten durch Blutungen, die aus dem dünnwandigen, leicht verletzlichen Plexus hämorrhoidalis stammen. Dichtet er den Darm nicht mehr vollständig ab, kann das zum Abgang von Schleim oder flüssigem Stuhl führen. Das wiederum irritiert gern die empfindliche Haut im Afterbereich, was als Jucken (Pruritus ani) und Brennen oder auch entzündlich gerötete Haut und Nässen in Erscheinung tritt. Später gesellen sich Schmerzen bzw. ein Druck- oder Fremdkörpergefühl hinzu.

Doch variieren Art und Stärke der Beschwerden individuell sehr stark und hängen nicht direkt von der Größe der Hämorrhoiden ab. Das bedeutet, dass die für ein bestimmtes Krankheitsstadium als typisch geltenden Beschwerden auch in anderen Stadien vorkommen oder auch komplett fehlen können.

Apropos Stadien: Das Hämorrhoidalleiden umfasst 4 Schweregrade:

  • I: von außen nicht sichtbare, nur per Proktoskopie erkennbare, symptomlose oder -arme (hellrote Blutspuren auf dem Stuhl, Toilettenpapier oder in der WC-Muschel) Knoten (“innere Hämorrhoiden“).
  • II: nur während des Pressens beim Stuhlgang zum Vorschein kommende und sich danach von selbst wieder zurückziehende (Retraktion) Knoten, die immer wieder Blutungen sowie ein Brennen, Jucken und Nässen im Afterbereich verursachen.
  • III: von außen sichtbare, nach dem Stuhlgang aber mit dem Finger in den Darm zurückschiebbare (Reposition) Knoten, die Blutungen, ein Brennen, Jucken, Nässen und Schmerzen im Afterbereich sowie ein Stuhlschmieren (ungewollter Abgang kleiner Kotmengen), oft auch ein Fremdkörpergefühl und den Eindruck, beim Stuhlgang keine vollständige Entleerung erreicht zu haben, bewirken.
  • IV: sichtbare, nicht zurückschiebbare (irreponible) Knoten, wobei sich in der Regel auch die Schleimhaut des Afters aus dem Anus hinauswölbt (Analprolaps)  – verbunden mit den bereits beim Stadium III angeführten Symptomen inklusive gröberen Problemen beim Stuhlgang und durch mangelnde Blutversorgung und Thromben bedingten Schmerzen.

Die Art und Stärke der Beschwerden hängt vom Schweregrad der Hämorrhoiden ab. Foto: Adobe Stock, (c) bilderzwerg

Was tun bei Hämorrhoiden?

Treten Beschwerden in der Analregion auf, ist man gut beraten, diese ärztlich (am besten bei einem Proktologen) abklären zu lassen. Auch wenn es Überwindung kostet, über die vermeintlich peinlichen Beschwerden zu sprechen und ein manuelles Austasten des Analkanals und Enddarms (inklusive leichtem Pressen, damit etwaige Knoten hervortreten) oder auch eine Spiegelung dieser Strukturen (Proktoskopie, Rektoskopie), die eine Bestimmung des Krankheitsstadiums erlaubt, über sich ergehen zu lassen.

Denn längst nicht alles, was in dieser Region einen Juckreiz, ein Brennen oder Schmerzen bzw. Blutauflagerungen am Stuhl verursacht, sind Hämorrhoiden. Hinter solchen Beschwerden können durchaus auch andere (z.B. Marisken, Fissuren, Fisteln, Abszesse, Polypen, Feigwarzen), teilweise sogar schwerwiegende Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Darmkrebs) stecken, die einer speziellen Behandlung bedürfen. Im Gegensatz dazu stellen Hämorrhoiden im Allgemeinen kein bedrohliches Leiden dar und machen nicht in jedem Fall eine therapeutische Behandlung zwingend notwendig.

Und selbst wenn sich herausstellt, dass es sich doch “nur“ um Hämorrhoiden handelt, war der Weg zum Arzt nicht vergebens. Denn auch für das Hämorrhoidalleiden gilt: Je früher es erkannt und behandelt wird, desto einfacher gestaltet sich die Therapie, desto weniger riskiert man Komplikationen und desto größer ist die Heilungschance.

Was der Arzt wissen will

Vor der Durchführung diagnostischer Untersuchungen erhebt der Arzt in einem Gespräch die Beschwerden. Vor allem interessieren ihn,

  • ob man Blut im Stuhl, auf dem Toilettenpapier oder in der Unterwäsche bemerkt. Wenn ja, ob es hell- oder dunkelrot bis schwarz ist, wie oft das vorkommt und wann das zum ersten Mal der Fall war.
  • wie häufig Stuhlgang erfolgt, wie der Stuhl beschaffen ist (weich, geschmeidig, hart, knötchenartig, breiig etc) und ob er sich in letzter Zeit verändert hat.
  • ob am After eine knotenartige Verdickung nach dem Stuhlgang fühlbar ist und wenn ja, ob sie sich danach wieder zurückzieht.
  • welche Ernährungsgewohnheiten man pflegt, d.h. was und wie (ballaststoffarm oder ballaststoffreich, frische Kost oder Fertiggerichte, zu Hause oder in der Kantine) man isst.
  • ob man viel sitzt (z.B. im Büro) und ob man Sport treibt und wenn ja, welchen, wie oft und in welcher Intensität.
  • wie es mit den Stuhlgewohnheiten aussieht. Ob es ein ständiges Pressen oder langes Sitzen auf der Toilette gibt und welches (trockenes oder feuchtes) Toilettenpapier man benutzt.
  • ob Schmerzen beim Stuhlgang auftreten, wie lange sie anhalten, welcher Art sie sind und ob sie auch unabhängig von Stuhlgang vorkommen.
  • ob man unter Juckreiz leidet und wann er auftritt (nach dem Stuhlgang, nachts, bei Wärme, im Sitzen etc.)

Ein Tagebuch, in dem Ernährungs- und Stuhlgewohnheiten sowie Beschwerden vermerkt werden, erleichtert dem Arzt die Diagnostik und verhilft dem Patienten zu einer adäquaten Behandlung.

Komplikationen: warum man Hämorrhoiden nicht aussitzen soll

Vor allem höhergradige Hämorrhoidalknoten, also solche, die permanent vor der Afteröffnung (“äußere Hämorrhoiden“) liegen, können zu unangenehmen Folgen führen. Denn sie werden durch das Wischen mit Toilettenpapier häufig wund. Nässende, ekzematöse Hautveränderungen und Analfissuren (Schleimhauteinrisse im Afterkanal) können entstehen. Außerdem Infektionen an den wundgeriebenen Knoten, weil der Stuhl viele Bakterien enthält. Aus ihnen können sich Abszesse oder auch Analfisteln (entzündete Gänge, die zur Haut, zum Mastdarm oder ins Becken führen) entwickeln, die chirurgisch entfernt werden müssen.

Werden Hämorrhoiden verletzt, beispielsweise durch starkes Pressen beim Stuhlgang oder unsanftes Wischen mit Toilettenpapier, sind behandlungsbedürftige, stärkere arterielle Blutungen möglich. Diese Komplikation tritt gern bei Personen mit Bluthochdruck auf.

Werden Hämorrhoiden eingeklemmt, sind oft starke Schmerzen die Folge. Und ein Blutstau, der das Blut in den Hämorrhoiden langsamer fließen lässt, sodass sich leichter Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden, die schlimmstenfalls zu einem Verschluss der Gefäße oder einem Absterben eingezwängter Hämorrhoidalknoten führen.

Hömorrhoiden: was hilft sofort? Basistherapie

Welche Behandlungsmethoden sich im Einzelfall eignen, hängt ab von

  • der Größe der Hämorrhoidalknoten
  • der Art, Häufigkeit und Dauer der Beschwerden
  • eventuell bereits durchgeführten Therapien
  • etwaigen anderen Erkrankungen

Jedenfalls richtet sich die Behandlung von Hämorrhoiden grundsätzlich nach dem Erkrankungsstadium und den auftretenden Symptomen. Doch sind bei jedem Hämorrhoidalleiden drei Dinge ganz wichtig:

  • den Stuhl weich und geformt zu halten. Das gelingt oft mit ballaststoffreicher Ernährung (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst), ausreichender Flüssigkeitszufuhr (Wasser, verdünnte Fruchtsäfte, Tees) und Bewegung. Eventuell unterstützt durch abführend wirkende Substanzen wie indische Flohsamenschalen oder Weizenkleie usw.
  • langes und starkes Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden. Deswegen sollte man gleich die Toilette aufsuchen, sobald man Stuhldrang verspürt, weil sich bei Verzögerung der Stuhlentleerung der Kot weiter eindickt, was das Hämorrhoidalleiden ungünstig beeinflusst.
  • eine gründliche, aber nicht übertriebene Analhygiene, also schonende Säuberung des Afters. Das bedeutet, nach dem Toilettengang nicht zu stark mit dem Toilettenpapier zu reiben, sondern es mit Wasser zu benetzen und den Hautbereich danach trocken zu tupfen. Noch besser zur Reinigung taugen Einmalwaschlappen und Wasser. Feuchtpapier aus dem Supermarkt eignet sich höchstens für unterwegs, denn seine Inhaltsstoffe können zu aggressiv für die empfindliche Haut sein. Beim Baden empfiehlt sich die Verwendung seifenfreier Waschlotionen, die den After nicht reizen.

Diese Basistherapie ist gleichzeitig das beste Mittel, einem Hämorrhoidalleiden vorzubeugen bzw. dessen erneutes Auftreten (Rezidiv) zu vermeiden.

Behandlung: was noch nützt

Um ein nur gering ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden zum Verschwinden zu bringen, soll zusätzlich zur Basistherapie der Abbau von Übergewicht sowie das Vermeiden sitzender Tätigkeiten hilfreich wirken. Doch sind meist noch weitere Behandlungsschritte notwendig.

Wie etwa bei kurzfristigen Beschwerdephasen Salben, Cremes oder Gels anzuwenden, die – meist eine Kombination aus – Substanzen enthalten, die

  • einer Entzündung und Schwellung der Hämorrhoidalknoten entgegenwirken wie etwa Kortikosteroide.
  • den Juckreiz, das Brennen und die Schmerzen lindern wie z.B. Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel).
  • kühlen bzw. eine unangenehme Geruchsbildung unterbinden.
  • antientzündlich, juckreizstillend, desinfizierend oder blutstillend wirken bzw. die Schleimhaut oder die Venen zusammenziehen, schützen oder regenerieren sollen. Wie etwa Zink, Panthenol, Hamamelis oder Aloe vera.

Um sie möglichst nahe an die Hämorrhoiden zu bringen, kann man Mulleinlagen (sogenannte Analtampons) mit der jeweiligen Salbe etc. versehen und in den Analkanal einführen. Oder die Wirkstoffe in Form von Zäpfchen verabreichen.

Tabletten mit bestimmten Flavonoid-Derivaten setzen die Dehnbarkeit der Hämorrhoidalvenen herab, fördern den Lymphabfluss, wirken abschwellend und entzündungshemmend.

Jedenfalls empfiehlt sich ein längerfristiger Einsatz der Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache, denn die Mittel beseitigen nicht die Ursachen des Hämorrhoidalleidens und können auch Nebenwirkungen haben. Das gilt ebenso für Abführmittel, die bei dauerhaftem Gebrauch Stuhlprobleme eher noch verschlimmern als bessern.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, Baumwollunterwäsche zu tragen statt Kunstfasern, weil Baumwolle Schweiß besser aufnimmt und verträglicher für gereizte Haut ist.

Bei sehr verspannter Schließmuskulatur kann deren Dehnung und damit Lockerung Linderung verschaffen, weil dann das Blut besser abfließt. Mit einem Analdehner, einem rund 10 Zentimeter langen Kunststoffkegel mit abgerundeter Spitze, auf die man eine Salbe mit entzündungshemmenden und/oder schmerzstillenden Substanzen auftragen kann. Er wird in entspannter Rückenlage mit hochgelegten Beinen oder auf der Seite liegend vorsichtig und langsam in den Analkanal eingeführt (nur so weit, dass es nicht schmerzt!) und verbleibt dort ein paar Minuten.

Hämorrhoiden Hausmittel

Obwohl in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt gelten Sitzbäder mit klarem Wasser und entzündungshemmenden Badezusätzen wie Kamille, Hamamelis (enthält Gerbstoffe, die die Oberfläche von Schleimhäuten zusammenziehen) oder Eichenrinde als wohltuend bei Hämorrhoiden.

Naturheilkundler empfehlen zudem den Gebrauch von

  • Bananen, weil die Innenseite ihrer Schale entzündungshemmend wirken soll.
  • Tees Teemischungen aus Kräutern wie Kamille, Scharfgarbe, Johanniskraut, Steinklee, Eichenrinde und Zinnkraut, deren Inhaltsstoffe entzündungshemmend und schmerzlindernd sind. Getrunken und/oder als Sitzbad.
  • Honig statt Zucker, weil dieser besser für die Verdauung, zudem entschlackend und entzündungshemmend sei. Er soll auch äußerlich angewendet Beschwerden bei Hämorrhoiden lindern. Am besten eignet sich Manuka Honig in Kombination mit einer Ringelblumensalbe.
  • Obstessig, der – aufgetragen auf ein Wattepad – gegen starken Juckreiz hilft und Irritationen und Schwellungen der Hämorrhoiden lindert.
  • Topfen und Joghurt, die positiv die Verdauung beeinflussen. Topfen kann man auch direkt auf die betroffene Stelle auftragen.
  • Knoblauch und Zwiebeln, weil sie die Elastizität der Venen erhöhen. Aufgeschnitten und direkt auf die entsprechende Stelle gelegt lindern sie den Juckreiz und desinfizieren.
  • Teebaumöl, das entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt und in Form von Salben, Zäpfchen oder Sitzbädern verwendet wird.
Hämorrhoiden

Hämorrhoiden: Teemischungen als Sitzbad oder zum Trinken wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Foto: Adobe Stock, (c) karepa

Was der Arzt tun kann: semioperative Therapien

Bis inklusive zum Stadium 2 genügen häufig kleine semioperative Eingriffe, um eine Verkleinerung der erweiterten Gefäßpölster und damit eine langfristige Beschwerdefreiheit zu erreichen wie die

  • Abbindung (Ligatur), bei der der Arzt mithilfe eines Proktoskops und Applikators an der Basis der Hämorrhoidalknoten ein Gummiband anbringt (Gummiband-Ligatur, Gummiring-Ligatur, Gummi-Ligatur). Dieses schnürt die Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden ab, sodass sie inklusive Band abfallen und mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Doch können nicht alle Gefäßknoten gleichzeitig ligiert werden. Daher sind meist mehrere Behandlungsschritte im Abstand von einigen Wochen erforderlich.
  • ultraschallgestützte Ligatur (Hämorrhoidalarterien-Ligatur), bei der diejenigen Arterien, die das Hämorrhoidalgeflecht mit Blut versorgen, mithilfe einer Ultraschall-Sonde aufgefunden und dann mit einer Schlinge abgebunden werden. Dadurch verringert sich der Blutzufluss zu den Gefäßknoten und sie schwellen ab. Zusätzlich können per Operation die vorgewölbten Gefäße durch Nähte nach innen gerafft werden (Recto Anal Repair, transanale Hämorrhoiden-Dearterialisation).
  • Verödung (Sklerosierung), bei der die Hämorrhoidalknoten durch Einspritzen einer Chinin-Hydrochlorid oder Zink-Alkohol-Lösung (z.B. Zinkchlorid, Polidocanol; Wirkungsverstärkung durch vorheriges Aufschäumen) mittels Auslösung einer Entzündungsreaktion oder Thrombosierung der Gefäße mit anschließender Vernarbung des Gewebes zum Schrumpfen gebracht werden.
  • Verschorfung (Koagulation) per Infrarotlichtquelle, die eine genau definierte Menge an Strahlungsenergie an das betroffene Gewebe abgibt. Durch dessen lokale Erhitzung auf über 100 Grad Celsius findet eine Koagulation des Blutes und somit eine Drosselung der Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden statt. Somit stirbt das Hämorrhoidalgewebe ab.
  • lokale Vereisung (Kryohämorrhoidektomie), bei der flüssiger Stickstoff oder Lachgas das Gewebe durch einige Minuten dauernde Einfrierung auf minus 90 Grad Celsius zum Absterben bringt, sodass es nach ungefähr zwei Wochen abgestoßen wird. Wobei der Vereisungsprozess örtlich schwer zu begrenzen ist, sodass die Kältechirurgie kaum noch eingesetzt wird.

Kann ein eigentlich notwendiger chirurgischer Eingriff nicht durchgeführt werden, ist auch bei Hämorrhoiden III. Grades die Ligatur eine Option.

Operative Therapie: wann der Chirurg ans Werk muss

Im Stadium 3 und 4 wird meist eine Operation erforderlich, um die Hämorrhoidalknoten zu entfernen. Sie ist immer dann angezeigt, wenn andere Methode keinen Behandlungserfolg erbringen und der Allgemeinzustand des Patienten den Eingriff erlaubt. Hierzu wurden verschiedene chirurgische Techniken entwickelt, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Welches Verfahren sich im Einzelfall am besten eignet, entscheiden Chirurg und Patient am besten gemeinsam.

Grundsätzlich können zwei Varianten zum Einsatz kommen:

  • eine Hämorrhoidektomie (Hämorrhektomie): die Hämorrhoidalknoten werden samt der sie bedeckenden Schleimhaut weggeschnitten, um normale Verhältnisse wiederherzustellen. Die dabei entstandenen – oft stark schmerzenden und erst nach einigen Wochen abheilenden – Wunden werden entweder offengelassen (ermöglicht, dass Sekret abfließt) oder vernäht. Die sich hauptsächlich in ihrer Schnittführung unterscheidenden Operationstechniken werden nach ihren Entwicklern benannt (z.B. Milligan-Morgan, Parks, Ferguson, Whitehead). Was sie gemeinsam haben ist, dass sie in Narkose durchgeführt werden und einen meist mehrtägigen Spitalsaufenthalt erfordern.
  • eine Hämorrhoidopexie (Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo), bei der die Hämorrhoidalknoten nicht weggeschnitten, sondern geliftet Hierzu entfernt der Chirurg mit einem speziellen Rundschneide- und Klammernahtgerät (Stapler) oberhalb der Schwellpölster einen Schleimhautring, um die sich vorwölbenden Gefäßknoten durch eine Doppelreihe versetzter Titanklammern wieder in ihre korrekte Lage zu bringen.

Nicht durchgeführt werden darf eine Hämorrhoidenoperation bei entzündlichen Erkrankungen in der Afterregion (z.B. Fisteln, Abszesse). Sie müssen zuvor ausgeheilt werden. Vorsicht geboten ist auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Ebenso bei einer verstärkten Blutungsneigung oder einem deutlich geschwächten Immunsystem. Hier ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung angesagt.

Jedenfalls muss sich der Chirurg vor der Operation davon überzeugen, dass der Schließmuskel auch nach einem Eingriff höchstwahrscheinlich funktionieren wird. Das ist vor allem bei Frauen wichtig, die geboren haben, denn es kann sein, dass der Schließmuskel nach einer Schwangerschaft unbemerkt defekt ist. Dann droht eine Stuhlinkontinenz nach einer Hämorrhoidenoperation, weil die Hämorrhoidalgefäße den Defekt bis zu dem Eingriff kompensiert haben.

Vor- und Nachteile der Methoden

Die semioperativen Eingriffe sind ambulant durchführbar, kostengünstig und komplikationsarm. Allerdings stellt sich nach solchen Verfahren oft nach einiger Zeit ein Rezidiv (Wiederauftreten) des Hämorrhoidalleidens ein.

Die Verödung darf nur durchgeführt werden, wenn der Darm gesund ist, also nicht bei entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn). Ebenso wenig bei akut entzündeten Hämorrhoiden, Schwangeren, schwerem Bluthochdruck oder einer Neigung zu Thrombosen.

Eine Gummibandligatur wiederum verbietet sich bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente, weil durch das Abstoßen des abgestorbenen Gewebes eine kleine Wunde entsteht, sodass das Blutungsrisiko steigt.

Operationen haben gegenüber semioperativen Eingriffen Vorteil, dass es danach viel seltener zu einem Rezidiv kommt. Als mögliche Komplikationen drohen jedoch Blutungen und Wundinfektionen. In manchen Fällen (bei Schädigung der Schließmuskel) auch eine – zeitlich begrenzte oder bleibende – Stuhlinkontinenz oder eine – durch Narbengewebe im After bedingte – vorübergehende oder nachhaltige Analstenose (Mastdarmverengung) mit erschwertem Stuhlgang.

Eine Hämorrhoidopexie verspricht weniger postoperative Schmerzen und eine schnellere Heilung als eine Hämorrhoidektomie. Erkauft werden diese Vorteile mit einem gehäuften Auftreten von Komplikationen wie einem vermehrten Stuhldrang, einer Mastdarmverengung sowie einer erhöhten Rezidivrate im Vergleich zur Hämorrhoidenentfernung.

Hämorrhoiden vorbeugen

Das Hämorrhoidalleiden wird wesentlich durch Lebensstilfaktoren beeinflusst. Wer also keine unangenehmen Gefäßnoten am After haben will, tut gut daran,

  • sich ballaststoffreich zu ernähren, d.h. reichlich pflanzliche Lebensmitteln (z.B. Vollkornbrot, Müsli, Haferflocken, Weizenkleie, Leinsamen, Gemüse, Hülsenfrüchte, Trockenobst) zu verzehren, deren Bestandteile weitgehend unverdaut in den Dickdarm gelangen, wo sie Wasser binden und aufquellen. Sie erhöhen die Stuhlmenge, die den nötigen Druck auf die Darmwand ausübt und so die Darmbewegungen anregt. Zudem machen Ballaststoffe den Stuhl weich und formbar. Somit kommt es zu keiner Verstopfung und keinem festen Pressen beim Stuhlgang.
  • ausreichend (täglich mindestens zwei Liter) zu trinken. Am besten Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte. Insbesondere bei ballaststoffreicher Ernährung, weil Leinsamen & Co. sonst dem Stuhl Wasser entziehen und ihn hart machen, was Verstopfungen begünstigt.
  • sich regelmäßig zu bewegen, um die Darmtätigkeit anzuregen, was Verstopfungen entgegenwirkt. Dazu eignen sich besonders gut Sportarten wie Wandern, Schwimmen oder Gymnastik. Solche mit Aufprallbewegungen wie Tennis, Pádel oder Squash sowie Krafttraining hingegen belasten den Beckenboden und fördern so die Entstehung von Hämorrhoidalknoten.
  • langes Sitzen zu vermeiden, denn das erhöht das Risiko, an einem Hämorrhoidalleiden zu erkranken, weil es eine Darmträgheit und einen Blutstau im Beckenbereich verursachen kann. Daher sollte man, wenn man einer sitzenden Tätigkeit nachgeht, während der Arbeit immer wieder einmal aufstehen und ein paar Schritte gehen und die Mittagspause für einen Spaziergang nutzen.
  • das Körpergewicht zu normalisieren, denn überflüssige Kilos drücken auf den Beckenbereich bzw. Enddarm, wo sie die Blutzirkulation behindern. Ähnlich wie bei einer Schwangerschaft.
  • die Stuhlgewohnheiten zu optimieren. Das bedeutet, keine Darmentleerung – etwa durch Pressen – zu forcieren, nur weil man meint, man müsse jeden Tag Stuhlgang haben. Aber wenn sich Stuhldrang einstellt, diesem möglichst gleich, aber ohne Hast zu folgen, weil zu langes Verhalten Verstopfung fördert, denn der Stuhl verbleibt länger im Dickdarm, wo ihm Wasser entzogen wird, sodass er härter wird.

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