Sanierungsscheck 2018: Sanierungsmaßnahmen & Förderungen im Überblick - HEROLD.at

Sanierungsscheck 2018: Sanierungsmaßnahmen & Förderungen im Überblick

Sanierungsmaßnahmen, Sanierungscheck 2018

Sanierungsscheck 2018? Die meisten Hausbesitzer wissen nicht, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind. Foto: Adobe Stock, (c) ArTo

Alte Böden, knarrende Fenster und schiefe Wände: Liebhaber von alten Wohnungen und Häusern sind an die charmante Unperfektheit ihres Zuhauses gewöhnt. Doch es gibt einen Punkt, an dem selbst sein Charme ein altes Haus nicht mehr verjüngen kann. Hier erfährst du, welche Sanierungsmaßnahmen normalerweise erforderlich sind und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

First things first: Gutachten erstellen lassen!

Es ist zwar verständlich, dass die meisten Hausbesitzer die Sanierung auf die lange Bank schieben, nur klug ist es leider nicht. Denn je länger du dich vor dieser Aufgabe drückst, desto höher krabbeln die Kosten und desto mehr verliert deine Immobilie an Wert. Und apropos Immobilienwert: Es gibt leider auch Häuser und Wohnungen, bei denen sich die Sanierung nicht mehr lohnt. Aus diesem Grund ist der erste Schritt grundsätzlich der Gang zum Gutachter. Dieser kann dir nicht nur sagen, welche Sanierungsmaßnahmen durchzuführen sind – er kann auch Angaben über die zu erwartende Wertsteigerung machen.

Was sind Sanierungsmaßnahmen? Überblick

Welche Sanierungsmaßnahmen durchzuführen sind, hängt natürlich in erster Linie vom Alter und Gesamtzustand deines Altbaus ab. Neben dem Energieausweis, der in Österreich seit dem 01. Dezember 2012 per Gesetz vom Eigentümer vorzulegen ist, können im Zuge einer professionellen Sanierung folgende Maßnahmen notwendig sein:

1. Thermische Sanierung (Wärmedämmung)

Zur thermischen Sanierung zählt die Dämmung von Außenwänden, der obersten Geschoßdecke und des Dachs, sowie die Dämmung der untersten Geschossdecke (plus Kellerboden) und die Sanierung bzw. der Austausch von Fenstern und Außentüren. Förderungen für thermische Sanierungen kannst du beantragen, wenn dein Haus älter als 20 Jahre ist (es gilt das Datum der Baubewilligung).

Achtung: Durch die Sanierungsmaßnahmen muss der Heizwärmebedarfs um mindestens 40 % zurückgehen!

2. Dachsanierung

Eine Dachsanierung wird spätestens nach 50 Jahren fällig. Um entsprechende Fördergelder beantragen zu können, müssen sämtliche Anforderungen an die Energiedämmung erfüllt sein. Diese ist verpflichtend und wird vom Institut für Bautechnik für ganz Österreich vereinheitlicht. Fördergelder für die Dachsanierung können ebenfalls im Rahmen einer Thermischen Sanierung beantragt werden.

Tipp: Detaillierte Informationen über Vorgehensweise und voraussichtliche Kosten findest du im Blogartikel „Dachsanierung„.

3. Fenster und Türen sanieren

Der Austausch von Fenstern und Außentüren fällt ebenfalls unter die förderbaren Sanierungsmaßnahmen. Eine detaillierte Kostenübersicht findest du im Blogartikel „Haussanierung: Wie viel kostet die Altbausanierung?

Achtung: Den Fenstertausch solltest du auf jeden Fall dem Fachmann überlassen: Doppelverglaste Wärmedämmfenster sparen zwar enorm viel Energie, doch sie funktionieren nur dann, wenn sie fachgerecht montiert werden.

4. Badsanierung (Installationsmaßnahmen)

In Sachen Badezimmersanierung ist in den meisten Fällen sowohl eine Sanierung/ein Austausch der Sanitäranlagen, Fliesen, Kacheln usw. als auch eine Sanierung der Sanitärinstallationen notwendig. Während der Austausch der Sanitäranlagen normalerweise nicht gefördert wird, ist eine Förderung der Installationsmaßnahmen durchaus möglich (z.B. wenn neue Leitungen verlegt und die Wassernutzung im Haushalt auf den Zisternen-Betrieb umgestellt wird).

Tipp: Der Austausch der Sanitäranlagen ist bis zu einem gewissen Grad als haushaltsnahe Dienstleistung von der jährlichen Lohnsteuer absetzbar.

5. Energetische Sanierung

Unter die „Energetische Sanierung“ fallen sämtliche Sanierungsmaßnahmen, die dazu dienen, den Energieverbrauch zu minimieren. Dies sind neben den oben genannten Maßnahmen zur Thermischen Sanierung vor allem die Heizungssanierung und der Einbau einer Solarthermie– bzw. Photovoltaik-Anlage.

Tipp: Detaillierte Informationen über die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen findest du im entsprechenden Blog-Artikel.

6. Dämmung von unten

Grundsätzlich besteht die Pflicht zur nachträglichen Wärmedämmung zwar erst, wenn mehr als 10 % der Gesamtfläche neu verputzt werden, aber die Fassadendämmung ist im Zuge der Sanierung eine durchaus sinnvolle Investition. Dies gilt insbesondere für Dachböden und Kellerdecken: Hier geht in den kalten Monaten extrem viel Wärme und Energie verloren.

Tipp: Detaillierte Informationen zur Wärmedämmung von unten findest du in den Blog-Artikeln „Bodenplatte isolieren“ und „Keller ausbauen„. Häufig fällt im Zuge der Kellersanierung auch eine Mauertrockenlegung an.

7. Neue Böden/ Böden sanieren

Je nach Gesamtzustand deines Hauses reicht ein Austausch des Bodenbelags im Zuge der Sanierung vollkommen aus. Manchmal ist es jedoch notwendig, den kompletten Fußbodenaufbau zu erneuern. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn du Schäden an der Unterkonstruktion (z.B. durch holzfressende Schädlinge oder Korrosion) vermutest.

8. Optimierung bzw. Tausch der Heizungsanlage

Heizsysteme, die älter als 20 Jahre sind, belasten die Umwelt durch einen hohen Schadstoffausstoß. Außerdem arbeiten sie nicht energieeffizient und verschlingen dadurch finanzielle Unsummen.

Tipp: Detaillierte Informationen zu energieeffizienten Heizsystemen und entsprechenden Förderungen findest du im HEROLD-Blogbeitrag „Moderne Heizungen“ und im Artikel „Heizung Förderung 2017„.

Was können Sanierungsmaßnahmen kosten?

Welche Kosten konkret auf dich zukommen, hängt natürlich von den jeweiligen Maßnahmen und vom Gesamtzustand deiner Immobilie ab. Grundsätzlich musst du aber damit rechnen, dass dich die Sanierung deines Altbaus zwischen € 800 und € 1.200 pro mkostet. Das ist auch eine wichtige Information für alle, die über den Kauf eines älteren Objekts nachdenken: Bevor nicht ein unabhängiges Gutachten erstellt worden ist, kann niemand mit Sicherheit sagen, wie viel Geld noch zu investieren ist.

Tipp: Im Blogartikel „Haussanierung: Wie viel kostet die Altbausanierung?“ findest du eine detaillierte Kostenübersicht für alle möglichen Sanierungsmaßnahmen.

Lohnt sich die Sanierung?

Werden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten endlos hinausgeschoben, kann es passieren, dass Hausbesitzer durch gesetzliche Sanierungspflichten zu raschem Handeln gezwungen werden. Das ist nicht nur der Fall, wenn ein älteres Haus erworben wird, sondern auch, wenn Nachrüst- oder Austauschpflichten erfüllt werden müssen. Unter diesen Vorgaben sind es vor allem die ökologischen Auflagen, die die Sanierung unumgänglich machen:

  • (nachträgliche) Wärmedämmung
  • Verwendung gesundheitlich unbedenklicher Baustoffe (Entfernung von Asbest, Teerölkleber oder giftigen Holzschutzmitteln)
  • Umstieg auf erneuerbare Energieträger

ACHTUNG: Selbst ein Altbau, der bis zu den Grundmauern saniert werden muss, verbraucht weniger Ressourcen als die Errichtung eines Neubaus. Wer seinen Altbau durch fachgerechte Sanierung also an die aktuellen Standards anpassen lässt, kann dadurch die wirtschaftliche Rentabilität wiederherstellen und eine enorme Wertsteigerung seiner Immobilie erreichen.

Sanierungsmaßnahmen, Sanierungsscheck 2018

Der Sanierungsscheck verrät, ob die Sanierungsmaßnahmen tatsächlich günstiger sind als Abriss und Neubau. Foto: Adobe Stock, (c) hanohiki

Staatliche Förderung für Sanierungsmaßnahmen

Eine gute Nachricht für alle, die ihr Erspartes bereits in Holzdielen und Dämmwolle verschwinden sehen: Altbausanierungen werden staatlich gefördert! Die Bundesförderung thermische Sanierung steuert rund 30 % für Fassadendämmung, neue Fenster und Türen und den Tausch der Heizungsanlage bei. Die maximale Fördersumme liegt bei  6.000 – es sei denn, deine Immobilie ist denkmalgeschützt. In diesem Fall kannst du weitere € 2.000 beantragen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind in der Regel höhere Investitionen notwendig, da nur bestimmte Materialien verwendet werden dürfen. So können z.B. professionelle Stuckateure zu beauftragen sein, die empfindliche Stuckleisten und Rosetten in ihren ursprünglichen Zustand versetzen.

Sanierungsscheck 2018

Seit 2017 gibt es den sog. „Sanierungsscheck für Private„. Hierbei handelt es sich um einen Vorab-Check, der dich binnen drei Tagen darüber informiert, ob dein Gebäude förderungswürdig ist und ob die die geplanten Sanierungsmaßnahmen den Förderungskriterien entsprechen. Außerdem informiert der Sanierungsscheck darüber, wie hoch die Förderung voraussichtlich ausfallen wird. Der Vorab-Check kostet derzeit € 49 und richtet sich an (Mit-)Eigentümer, Mieter und Bauberechtigte gleichermaßen.

Förderkriterien für thermische Sanierungen

Gefördert werden im Jahr 2018 private thermische Sanierungen für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Reihenhäuser. Die Antragsstellung ist seit dem 18.06.2018 und längstens bis zum 28.02.2019 unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Förderfähige Sanierungsmaßnahmen sind:

  • Dämmung von Außenwänden
  • Sanierung/ Austausch von Fenstern und Außentüren
  • Dämmung des Dachs/ der obersten Geschoßdecke
  • Dämmung des Kellers bzw. der untersten Geschoßdecke
  • Umstellung eines fossilen Heizungssystems (Öl, Gas, Kohle, Koks und Allesbrenner) auf Wärmepumpe, Nah-/Fernwärme, Holzzentralheizung, bzw. thermische Solaranlage

Förderkriterien für Mustersanierungen

Die Förderkriterien für Mustersanierungen 2018 zielen auf qualitativ hochwertige Sanierungsmaßnahmen und den Einsatz von innovativen Technologien ab. Es handelt sich sozusagen um Best-Practice-Beispiele im Bereich der thermischen Sanierung.

  • Erneuerbare Energieträger: Die Beheizung muss zu mindestens 80 % auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden.
  • Reduzierter Heizwärmebedarf: Nach der Sanierung darf der Heizwärmebedarf nicht höher als 40 kWh pro m2/Jahr liegen.
  • Nachwachsende Rohstoffe für sämtliche Dämmungsmaßnahmen
  • Ökologische Maßnahmen (z.B. Dachbegrünung, Wärmerückgewinnung, saisonaler Wärmespeicher, Fenstertausch, Stromspeicher kombiniert mit Photovoltaik-Anlage, E-Ladestation für Elektrofahrzeuge etc. Mindestens zwei dieser Maßnahmen müssen für die Förderung umgesetzt werden.)

 

Hilfe vom Profi: Altbausanierung mit Architekt

Neben dem unabhängigen Gutachten und der Analyse durch einen Energieberater kann es auch hilfreich sein, einen Architekten zur Planung und Koordination deiner Altbausanierung heranzuziehen. Diese Möglichkeit bietet sich vor allem an, wenn du sicher sein möchtest, dass dein Budget sinnvoll verwendet wird. Die Altbausanierung mit einem Architekten bringt dir folgende Vorteile:

  • Budget: Der Architekt erstellt ein exaktes Konzept, auf dessen Grundlage er die entstehenden Kosten berechnet. Du siehst also sofort, was dich die Altbausanierung kosten wird.
  • Koordination: Der Architekt übernimmt alle Behördengänge (z.B. für das Energiegutachten, Baugenehmigung, Denkmalbehörde usw.) und koordiniert die Vergabe der Aufträge und die Arbeiten des örtlichen Bauunternehmens.
  • Sicherheit: Der Architekt überwacht und dokumentiert alle Arbeitsschritte, wodurch eventuelle Baumängel schon frühzeitig erkannt und behoben werden können.

Das beste Argument für die Baubegleitung durch einen Architekten ist die Möglichkeit weiterer Fördergelder. Der Profi weiß genau, ob deine Immobilie die Voraussetzungen für bestimmte Fördertöpfe erfüllt und stellt die entsprechenden Anträge auch ohne dein Zutun.



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