Was du über ein barrierefreies Bad wissen solltest

Last Updated on: 26th Juni 2018, 02:28 pm

Barrierefreies Bad
Ein barrierefreies Bad, das bequem benutzbar ist, erleichtert das Leben um ein Vielfaches. Foto: Adobe Stock, (c) flashpics

Jeder, der bereits einen Unfall hatte und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt war, weiß um die Hürden im täglichen Leben. Ein barrierefreies Badezimmer, das ohne Hindernisse auch mit Einschränkungen bequem benutzbar ist, kann das Leben um ein Vielfaches erleichtern  – egal ob man nun durch einen Unfall oder aufgrund des Lebensalters nicht mehr so beweglich ist.

Welche Anforderungen muss ein barrierefreies Bad erfüllen?

1. Platzbedarf

Barrierefreie Bäder müssen nicht groß sein, ein Mindestplatzbedarf von 150 cm im Durchmesser ist jedoch erforderlich, damit man sich auch mit einem Rollstuhl frei bewegen kann. Gemessen wird hier jeweils der Abstand zwischen Waschbecken, Dusche und WC, wobei sich die Bewegungsflächen auch überschneiden können. Die Fläche einer bodenebenen Dusche und der unterfahrbare Bereich eines Waschtisches kann in die Bewegungsfläche miteinbezogen werden. Um die Bewegungsfreiheit im Badezimmer nicht einzuschränken, muss die Badezimmertür nach außen öffnen und eine Breite von mindestens 80 cm haben.

Im Idealfall ist eine Wohnung bereits mit barrierefreien Sanitärräumen ausgestattet. Häufig muss jedoch ein Umbau vorgenommen werden, um die notwendige Bewegungsfläche zu schaffen. Die nachträgliche Zusammenlegung von WC und Badezimmer kann hier eine Lösung darstellen. Wenn in der zu entfernenden Wand keine Installationen, Heizkörper oder Leitungen geführt werden, können die Kosten für diesen Umbau vergleichsweise gering gehalten werden.

Falls du also selbst baust oder ein Umzug in eine neue Wohnung ansteht, achte darauf, dass die zu entfernenden Wände in Leichtbauweise und ohne Installationen gefertigt sind. Der Estrich und die Feuchtraumisolierungen sollten unter den zu entfernenden Wänden durchgeführt sein. Die übrigen Wände müssen für eine nachträgliche Haltegriffmontage entsprechend tragfähig gebaut sein.

2. WC

  • Als WC-Sitzbretthöhe sind in einem barrierefreien Bad 46 bis 48 cm empfohlen. Das ist etwas höher als normal, erleichtert jedoch das Überwechseln vom Rollstuhl in die Dusche und macht auch älteren Menschen das Aufstehen einfacher.
  • Es gibt jedoch im Handel auch höhenverstellbare WCs, die das Aufstehen und Übersetzen in einen Rollstuhl erleichtern können.
  • Ein Dusch-WC ermöglicht eine Intimhygiene ohne fremde Hilfe und kann nachträglich in jedes WC eingebaut werden.
  • Um eine Umbaumaßnahme ohne räumliche Veränderung zu ermöglichen bzw. bei einem sehr kleinen Badezimmer ist ein seitenverstellbares WC, das horizontal verschiebbar ist, eine sehr gute Alternative. Bis zu 20 Prozent der benötigten Raumfläche können eingespart werden, indem das wandhängende WC per Knopfdruck in die gewünschte Position gebracht werden kann. Dadurch wird dem Nutzer eines Rollstuhls ermöglicht, selbst zu entscheiden, ob er das WC von rechts oder links anfahren möchte.
  • Weiters sollte auf einer Seite des WCs – wie bei der Dusche – eine Fläche von mindestens 90 cm frei bleiben, damit man mit dem Rollstuhl zufahren kann und auch eine helfende Person ausreichend Platz hat. Zusätzlich ist an einer Wandseite ein fixer Haltegriff zu empfehlen. Toilettenpapierhalter und Spülung sollten leicht erreichbar sein.

3. Waschtisch

  • Für Waschtische ist ein Platzbedarf von 100 cm Breite und die Bewegungsfläche von Ø 150 cm vorzusehen, um Barrierefreiheit zu garantieren. Soll der Waschtisch mit einem Rollstuhl unterfahrbar sein, muss 20 cm hinter dem Waschtischrand noch eine Höhe von mindestens 65 cm gegeben sein. Höhenverstellbare Waschtische sind hier von besonderem Vorteil, aber auch kostenintensiver.
  • Die Oberkante des Waschtisches ist im Bereich von 80 bis 85 cm Höhe zu montieren. Der Spiegel soll von 85 bis 90 cm Unterkante bis 180 bis 200 cm Oberkante reichen. Als Armatur eignet sich eine Einhebelarmatur am besten.
  • Haltegriffe können entweder beidseitig auf Höhe des Waschbeckens oder als Griffe im Spiegelbereich (ca. 120 cm Höhe) montiert werden. Eine weitere Möglichkeit bieten Waschtische mit integrierten Haltegriffen.
  • Beim Waschtisch ist zudem auf ausreichende Abstellflächen sowie eine ergonomische Form zu achten.

4. Dusche

  • Die komfortabelste barrierefreie Lösung bietet eine schwellenlose, bodenebene Dusche, die mit mindestens 90 × 90 cm konzipiert sein sollte. Wird ein Duschrollstuhl verwendet, sind 90 × 130 cm optimal.
  • Sowohl bei einem Duschsitz als auch bei Verwendung eines Duschrollstuhls, ist zusätzlich seitlich eine 90 × 120 cm große Stellfläche für den Rollstuhl bzw. eine helfende Person einzuplanen.
  • Der Duschsitz kann fix montiert und klappbar oder auch flexibel eingehängt werden. Die Duschsitzfläche sollte mindestens 45 × 45 cm groß und in 46 bis 48 cm Höhe montiert sein.
  • Barrierefreie Duschen sind mit senkrechten und horizontalen Haltegriffen auszustatten. Die horizontalen Haltegriffe erleichtern das Überwechseln von einem Rollstuhl auf den Duschsitz. Der senkrechte Haltegriff ermöglichten das Hochziehen aus einer sitzenden Position.
  • Die Montage der Armatur sollte maximal in einer Höhe von 100 cm erfolgen
  • Bei den Duschwänden ist auf den Bewegungsraum zu achten. Man sollte weit aufklappbare Duschwände wählen, die optimalerweise bei Bedarf leicht zur Gänze entfernt werden können.

5. Badewanne

  • Vor der Badewannen muss eine Bewegungsfläche mit Ø 150 cm gegeben sein. Für ein leichtes Ein- und Aussteigen ist ein verbreiterter Badewannenrand in einer Höhe von 50 bis 55 cm ideal. Im Handel werden auch besonders flache Badewannen angeboten sowie solche, die über eine Tür verfügen. Das Ein- und Austeigen ist bei diesen Modellen wesentlich erleichtert. Dusch-Badewannen Kombinationen wie hier im Bild bringen zusätzlichen Komfort.
  • Die Armatur muss eine Einrichtung zur Temperaturvorwahl haben. Einhebelarmaturen sind auch für Menschen mit Greifeinschränkungen gut nutzbar.
  • Im Badewannenbereich ist die Montage eines vertikalen und eines horizontalen Haltegriffes sinnvoll. Zum Ein- und Aussteigen in die Badewanne ist ein weiterer vertikaler Haltegriff an der Längsseite der Badewanne vorzusehen. Die vertikalen Haltegriffe reichen bis mindestens 150 cm Höhe. Der horizontale Haltegriff reicht über die ganze Länge der Badewanne und wird nicht höher als 30 cm über der Badewannenhöhe montiert.
  • Werden die Badewannen in Kombination mit mobilen Hebeliften verwendet, ist eine Unterfahrbarkeit der Badewanne von mindestens 15 cm Höhe vorzusehen. Das sind zum Beispiel Badewannen mit den alten Löwen-Füßen.

6. Sonstige Ausstattung

  • Ein rutschsicherer Bodenbelag mit Bodensiphon oder Edelstahlablaufrinne in der Dusche verhindert Ausrutschen und Unfälle, die vor allem für ältere oder eingeschränkte Menschen gefährlich sein können.
  • Alle Bedienelemente wie Stecker, Seifenspender, Heizkörperventile, etc. sollten auf 80 bis 100 cm (maximal 110 cm) Höhe montiert sein, um einfach erreichbar zu sein.

Was kostet ein barrierefreies Bad?

Die hier aufgelisteten Preise können je nach Qualität, Marke, Umbausituation etc. variieren und dienen als Orientierung. Anfallende Kosten für An- und Abfahrt der Bau- und Handwerkerfirmen sowie die Umsatzsteuer sind in diesen Preisen nicht enthalten. Für einen detaillierten Kostenvoranschlag findest du hier die Professionalisten für Badezimmereinrichtungen.

Barrierefreies Bad

Welche Förderungen für ein barrierefreies Bad gibt es?

Derzeit gibt es in Österreich keine bundesweiten Förderungen für barrierefreies Bauen und Sanieren, da in jedem Bundesland verschiedene Bauordnungen bestehen, die sich auf die Gestaltung der Fördermaßnahmen auswirken. Daher ist es wichtig, dass du dich beim jeweiligen Amt der Landesregierung bzw. bei einschlägigen Beratungsstellen umfassend informieren und beraten lässt.

Beachte auch, dass grundsätzlich vor Beginn der Baumaßnahmen der Antrag auf Förderung gestellt werden muss. Mit den Bauarbeiten sollte auch erst dann begonnen werden, wenn die Bestätigung der Förderstelle bei dir eingelangt ist.

1. Wohnbauförderungen

In den einzelnen Bundesländern gibt es Förderungen für barrierefreie Maßnahmen sowohl für den Neubau als auch für Wohnraumsanierung. Nähere Informationen und Beratung erhältst du bei der Landesregierung deines Bundeslandes:

2. Sozialministeriumservice

Das Sozialministeriumservice (früher: Bundessozialamt) gewährt Individualförderungen für Wohnraumadaptierung im Falle einer angeborenen Behinderung, Krankheit oder bei Freizeitunfall (Unterstützungsfonds für Menschen mit Behinderung). Informationen zum Thema Barrierefreiheit und Förderungen erhältst du bei den jeweiligen Landesstellen des Sozialministeriumservice.

3. AUVA

Die AUVA übernimmt Leistungen im Rahmen der beruflichen und sozialen Rehabilitation für Opfer von Arbeitsunfällen. Dazu gehören Leistungen, die über die medizinischen und beruflichen Maßnahmen hinaus geeignet sind, zum Erreichen und Erhalten des Rehabilitationsziels beizutragen. Es werden daher von der AUVA Zuschüsse und/oder Darlehen zur Adaptierung einer Wohnung gewährt, die dem Behinderten die Benutzung erleichtert oder ermöglicht wird. Bei den Landesstellen der AUVA erhältst du diesbezüglich genaue Informationen.

4. Unterstützungsfonds der Kranken- und Pensionsversicherungen

Für Pensionisten und Versicherte gibt es einen Unterstützungsfonds der Pensionsversicherungsanstalt für unverschuldete Notlagen (z.B. Behinderung) und unvorhersehbare Ereignisse. Hier kannst du ebenfalls um Unterstützung für barrierefreie Umbauten ansuchen. Bei außerordentlich hohen Ausgaben im Zusammenhang mit einer Erkrankung kannst du dich an den Unterstützungsfonds der Krankenversicherungen wenden. Der Antrag ist bei deinem zuständigen Sozialversicherungsträger zu stellen.

5. Hilfsfonds für besondere Lebenslagen

Diese einmalige Hilfe aus dem Bereich der „Bedarfsorientierten Mindestsicherung“ kommt in erster Linie für Personen mit einem sogenannten Mindesteinkommen in Frage. Als Notlagen werden hier neben Mietrückständen, Energiekosten und Kosten zur Wohnraumbeschaffung (Umzug) auch die Erhaltung angegeben. Für den Antrag auf die sogenannte „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ ist das Wohnsitz-Sozialamt zuständig.

6. Arbeitnehmer-Veranlagung

Die Kosten für den barrierefreien Umbau deines Badezimmers kannst du auch als  außergewöhnliche Belastung bei der ArbeitnehmerInnen-Veranlagung geltend machen. Es handelt sich in diesem Fall um keine Förderung im eigentlichen Sinne, dennoch möchte ich es hier erwähnen für den Fall, dass du keine sonstigen Fördertöpfe ausschöpfen kannst.

Weitere Beratungsstellen für barrierefreies Bauen und Wohnen

Umfangreiche Information und Beratung für barrierefreies Bauen und Wohnen bieten neben Ländern und Gemeinden vor allem die Behindertenverbände in Österreich. Zentraler Ansprechpartner ist die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR). Auf der Website findest du eine Liste von Beratungsstellen für barrierefreies Bauen und Wohnen für ganz Österreich. Speziell für die Gestaltung eines barrierefreien Badezimmers stellt die ÖAR eine Liste von Installateuren zur Verfügung, die sich auf barrierefreie Sanitärraumplanung spezialisiert haben.

Eveline Stopfer