Kalium: Alles zu Bedarf, Mangel & Überschuss

Kalium

Kalium ist in den Lebensmitteln Bananen, Trockenfrüchte, Getreide und Soja enthalten. Foto: Adobe Stock, (c) Yulia Furman

Kalium ist lebensnotwendig, da es an vielen Funktionen im Körper beteiligt ist. Es sorgt für die Funktionsfähigkeit aller Zellen, besonders aber der Nerven und Muskeln. Doch schon ein bisschen zu wenig oder eine Spur zu viel von diesem Mineralstoff kann gravierende Folgen haben. Vor allem das Herz schätzt zu große Schwankungen des Kaliumspiegels gar nicht.

Was ist Kalium?

Kalium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff mit großer Bedeutung für den Energiestoffwechsel und Stofftransport durch die Zellmembran. 98 Prozent der gesamten Kaliummenge des Körpers befinden sich im Inneren der Zellen. Der Organismus braucht das Kalium, damit Signale von Zelle zu Zelle weitergeleitet werden können.

Kalium ist an folgenden Vorgängen beteiligt:

  • Regulation des Wasserhaushalts und des Säure-Basen-Gleichgewichts bzw. pH-Wertes
  • Senkung des Blutdrucks
  • Übertragung von elektrischen Impulsen an Muskel- und Nervenzellen, somit auch für die Herztätigkeit
  • Aktivierung verschiedener Enzyme, z.B. solcher, die am Aufbau von Eiweißstoffen mitwirken

Zudem bildet das Mineral einen Bestandteil der Verdauungssäfte und ist deshalb auch im Magen-Darm-Trakt wichtig.

Kaliumspiegel: Normwerte

Wie hoch der Kaliumspiegel im Blut liegen darf, hängt vom Alter ab. Er beträgt normalerweise bei Erwachsenen 3,8 – 5,2 mmol/l, bei Kindern ab dem sechsten Lebensmonat 3,5 – 6,1 mmol/l.

Da bereits geringe Abweichungen von den Normwerten weitreichende Folgen haben können, wird der Kaliumspiegel vom Körper streng reguliert. Deshalb wird Kalium auch bei den meisten Blutuntersuchungen mitbestimmt.

Kaliumwerte messen

Beim Messen von Kaliumwerten ist auf die richtige Blutabnahmetechnik und Handhabung der Blutprobe zu achten ist, damit es zu keinen Verfälschungen kommt. So führt etwa ein zu langes Stauen des Arms, an dem das Blut abgenommen wird, zu einem überhöhten Kaliumwert in der Blutprobe. Dabei kommt es zu einem Zerfall roter Blutkörperchen, die dann das in ihnen konzentrierte Kalium freisetzen.

Auch wenn die Probe nicht rechtzeitig bearbeitet, d.h. der Blutkuchen vom Serum nicht innerhalb einer Stunde getrennt wird, resultiert daraus ein falsch hoher Kaliumwert. Befinden sich in der Blutprobe viele Leukozyten (weiße Blutkörperchen), kann sich ein falsch niedriger Kaliumwert ergeben, weil sie den Mineralstoff aus dem Blut aufnehmen.

Krankhafte Veränderungen des Kaliumspiegels im Blut haben unterschiedliche Ursachen. Sehr häufig sind die Nieren daran beteiligt.

Um die Ursachen einer Störung im Wasser- und Elektrolythaushalt besser eingrenzen zu können, werden Elektrolyte wie das Kalium daher nicht nur im Blut, sondern auch im Harn gemessen und beurteilt. Der Kaliumspiegel im Urin liegt bei normaler Ernährung im Bereich von 30 – 100 mmol, gemessen im 24-Stunden-Sammelurin. Und sinkt beim Fasten auf bis zu 10 mmol/24h. Ein Kaliumwert im Urin > 20 mmol/l spricht für einen Kaliumverlust über die Nieren, ein Wert < 20 mmol/l für einen Kaliumverlust über den Darm.

Aber Achtung: Ausschlaggebend für die Bewertung des Blutwertes ist der jeweils vom Labor angegebene Referenzwert.

Kalium

Der Kaliumwert wird mittels einer Blutuntersuchung gemessen. Foto: Adobe Stock, (c) Wellnhofer Designs

Wie kommt es zu einem Kaliummangel? Ursachen

Kalium kann über die Nieren oder den Verdauungstrakt verloren gehen. Etwa durch

  • die Gabe von Diuretika (Entwässerungsmittel), Glukokortikoiden, Mineralkortikoiden, mancher Antibiotika oder Amphotericin B (Pilzmittel)
  • einen übermäßigen Genuss von Lakritze, die wie ein Mineralkortikoid wirkt
  • einen exzessiven Konsum von Salz
  • starken Durchfall
  • heftiges Erbrechen
  • Fisteln
  • den Missbrauch von Abführmitteln

Doch auch diverse Hormonstörungen oder -gaben können mit einem Kaliumverlust einhergehen. Wie z.B.

  • Kortikoide bzw. ein Cushing-Syndrom (Überschuss an Cortisol)
  • eine Überfunktion der Nebennierenrinde, die zu einem Hyperaldosteronismus führt
  • ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus

Ebenso Verteilungsstörungen, die als Folge einer Alkalose (Störung des Säure-Basen-Haushaltes), Insulintherapie bei Coma diabeticum oder Darmerkrankung (z.B. Colitis ulcerosa, Zöliakie) auftreten. Denn dann erfolgt ein Austausch von Ionen mit einer Verschiebung von Kalium aus dem Zellzwischenraum in die Zellen. Daraus resultiert ein Kaliummangel im Serum.

Wie merkt man einen Kaliummangel? Symptome

Ein Kaliummangel (Hypokaliämie) kann eine Muskelschwäche oder gar Lähmungserscheinungen an der Muskulatur und verminderte Reflexe hervorrufen. Zudem eine Verstopfung, vermehrte Urinausscheidung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Reizleitungsstörungen des Herzens (“Herzstolpern“). Eine starke Unterversorgung mit Kalium gilt als medizinischer Notfall, der ärztlichen Handelns bedarf.

Anzeichen für eine Hypokaliämie sind für einen Arzt außer im Laborbefund auch in einem EKG feststellbar. Hier zeigen sich zu schnelle Herzschläge sowie zusätzliche Schläge zum normalen Takt.

Therapie: Wie man eine Hypokaliämie behandelt

Eine Unterversorgung mit Kalium lässt sich meist rasch und einfach beheben. Durch den Verzehr kaliumreicher Nahrungsmittel. Reichhaltige Kaliumquellen sind unter anderem

  • Bananen, Kartoffeln, Champignons
  • Trockenobst (Marillen, Rosinen, Datteln)
  • Hülsenfrüchte (Linsen)
  • Weizenkleie
  • Vollkorn- und Sojaprodukte
  • Nüsse, Mandeln, Pistazien
  • Fleisch

Da sich Kalium in vielen Nahrungsmitteln findet, deckt eine ausgewogene Ernährung üblicherweise den täglichen Kaliumbedarf (rund 2 Gramm, abhängig vom Alter und Gesundheitszustand). Daher ist ein Kaliummangel meist auf andere Ursachen zurückzuführen. Allerdings gilt es zu bedenken: Durch langes Wässern und Kochen verlieren Nahrungsmittel Kalium.

Eine ernährungsbedingte Überdosierung von Kalium steht bei Gesunden nicht zu befürchten. Denn ihr wirkt das Hormon Aldosteron entgegen. Es regt die Ausscheidung des Mineralstoffs über die Nieren an.

Kalium-Präparate dürfen bei einer Hypokaliämie nur auf ärztlichen Rat hin und unter Kontrolle des Kaliumspiegels eingenommen werden. Sonst führen sie zu einem gefährlichen Kaliumüberschuss. Eine akute Hypokaliämie wird mit einer intravenösen Gabe von Kaliumchlorid behandelt. Eine chronische mit dem Absetzen von Medikamenten, die sie auslösen sowie einer kaliumreichen Diät.

Kalium

Bei einer ausgewogenen Ernährung erreicht man den täglichen Kaliumbedarf. Foto: Adobe Stock, (c) samael334

Was sind die Ursachen eines überhöhten Kaliumspiegels?

Ein erhöhter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie) entwickelt sich meistens im Rahmen eines akuten oder chronischen Nierenversagens oder einer Nebennierenschwäche.

Den Kaliumspiegel erhöhen können aber auch diverse Medikamente wie sogenannte kaliumsparende Diuretika (z.B. Amilorid, Triamteren), Blutdrucksenker (z.B. ACE-Hemmer, Aldosteron-Antagonisten   wie z.B. Spironolacton), Herz-Kreislauf-Mittel (z.B. Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten, Digitalis, Betablocker), nichtsteroidale Antiphlogistika (Schmerzmittel wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen, ASS) und Heparin.

Außerdem führen bestimmte Verteilungsstörungen, die eine Freisetzung von Kalium aus der Zelle in den Zellzwischenraum bewirken, zu einer Hyperkaliämie. Beispielsweise ein massiver Zellzerfall als Folge einer Krebstherapie mit Zytostatika bzw. eine Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) als Begleiterscheinung von Verletzungen, Verbrennungen oder Operationen. Ebenso eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes (Azidose] z. B. infolge einer Hyperventilation oder ein schwerer Insulinmangel.

Wie merkt man einen Kaliumüberschuss? Symptome

Eine Hyperkaliämie führt oft zu Missempfindungen, z.B. Kribbeln in den Extremitäten, pelzige Empfindung an der Zunge, einer Muskelschwäche, zu Muskelzuckungen und Lähmungen. Ein schwerer Kaliumüberschuss kann Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern und schließlich einen Herzstillstand auslösen. Somit ist er als medizinischer Notfall einzustufen, der unbedingt ärztlicher Versorgung bedarf.

Der Arzt sieht im EKG bei einer Hyperkaliämie spitze und überhöhte (“zeltförmige“) T-Wellen.

Therapie: Wie man eine Hyperkaliämie behandelt

Eine lebensgefährlicher Kaliumüberschuss erfordert die Infusion von Glucose und Insulin, um das überschüssige Kalium rasch ins Zellinnere zu transportieren. Oder die Gabe von Sympathomimetika (beta1-Agonisten), die die Sekretion von Renin und damit die Kaliumausscheidung über die Nieren fördern.

Eine chronische Hyperkaliämie, die meist auf kaliumerhöhende Medikamente zurückzuführen ist, macht deren Absetzen sowie eine kaliumarme Ernährung erforderlich.

Kalium

Bei Kaliummangel oder Kaliumüberschuss führt der Arzt ein EKG durch. Foto: Adobe Stock, (c) megaflopp

Störungen im Kaliumhaushalt vorbeugen

Da die meisten möglichen Auslöser einer Hypokaliämie und Hyperkaliämie bekannt sind, empfiehlt es sich, bei bestimmten Erkrankungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente den Kaliumspiegel zu überwachen. Wie etwa bei

  • der Einnahme von Herzglykosiden bei Herzschwäche
  • der Einnahme von Entwässerungsmitteln
  • Herzrhythmusstörungen
  • einem Überschuss oder Mangel an Aldosteron
  • einem Cushing-Syndrom
  • einem akuten oder chronischen Nierenversagen

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