Magnesiummangel erkennen und beheben

Magnesiummangel

Magnesiummangel: Die meisten kennen ihn durch Wadenkrämpfe. Er kann aber viele unterschiedliche Beschwerden auslösen. Foto: Adobe Stock (c) samael334

Ein Magnesiummangel kann Wadenkrämpfe hervorrufen. Das wissen die meisten. Doch hat er viel weitreichendere Folgen, als man annehmen möchte. Das Spektrum an Beschwerden, die er auslösen kann, ist so breit gefächert, dass es oft schwerfällt, daraus einen Magnesiummangel zu erkennen. Das wäre aber wichtig, denn einen Magnesiummangel beheben, heißt, sich gleich in mehrfacher Hinsicht wohler zu fühlen.

Magnesiummangel – warum ist das gefährlich?

Im menschlichen Organismus befinden sich rund 60 Prozent des Magnesiums in den Knochen, der Rest vorwiegend in der Skelettmuskulatur und nur ein Prozent im Blut. Der lebensnotwendige Mineralstoff wird über den Darm aufgenommen und über die Nieren ausgeschieden. Er dient der Aufrechterhaltung unterschiedlichster Körperfunktionen wie der

  • Reizübertragung von Nerven auf Muskeln und damit Muskeltätigkeit
  • Funktionsfähigkeit der Muskeleigenreflexe
  • Ankurbelung des Energiestoffwechsels
  • Anregung der Darmbewegungen und damit Verdauung
  • Produktion von körpereigenen Proteinen und damit dem Aufbau von Muskelmasse
  • Herstellung von Nukleinsäuren und damit dem Aufbau des Erbmaterials
  • Freisetzung von Botenstoffen und Hormonen wie z.B. Adrenalin
  • Mineralisation und damit Härtung von Knochen
  • Aktivierung von mehr als 300 Enzymen im Stoffwechsel
  • Entspannung der Blutgefäße, die sich daraufhin erweitern, sodass der Blutdruck sinkt
  • Stabilisierung des Herzrhythmus
  • Hemmung von Entzündungsprozessen
  • Bremsung von Gerinnungsprozessen und damit Vorbeugung von Thrombosen
  • Unterstützung der Insulinwirkung bei Diabetes

Da der Mensch nicht in der Lage ist, Magnesium selbst herzustellen, muss er es über die Nahrung zuführen. Geschieht das nicht in ausreichendem Maße oder kann er es nicht richtig aufnehmen oder verwerten, kann ein Magnesiummangel, medizinisch Hypomagnesiämie genannt, eintreten. Darunter versteht man eine verminderte Konzentration von Magnesium im Blut.

Magnesiummangel erkennen: Symptome

Ein Magnesiummangel bleibt häufig recht lange unbemerkt. Erst bei einer sehr geringen Konzentration im Blut ist es wahrscheinlich, dass er sich mit Beschwerden bemerkbar macht. Doch kann ein Defizit an dem lebenswichtigen Mineralstoff viele Folgen haben. Zur Palette an Symptomen, die darauf hinweisen, dass der Organismus mehr Magnesium braucht als er bekommt, gehören etwa

  • Erschöpfungszustände, Müdigkeit, müde Augen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Kopf- und Rückenschmerzen sowie Verspannungen (z. B. im Nacken- und Schulterbereich)
  • eine Neigung zu Krämpfen v. a. der Waden, aber auch der Füße, Kaumuskeln und anderer Muskelgruppen
  • Lidzuckungen
  • Atemnot durch Spasmen der Bronchien oder Herzkranzgefäße oder vermehrte Asthmaanfälle
  • Muskelzittern oder Muskelschwäche
  • Verdauungsprobleme wie Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • erhöhte Reizbarkeit, innere Unruhe, Benommenheit, Schwindelattacken, Angstzustände, depressive Episoden
  • ein prämenstruelles Syndrom sowie Zyklusstörungen, d. h. besonders starke und/oder schmerzhafte Regelblutungen
  • bei Schwangeren vorzeitige Wehen oder gar eine Eklampsie mit Bluthochdruck, Eiweiß im Urin bis hin zu epilepsieartigen Krämpfen und Koma
  • eine Geräusch- und Lichtempfindlichkeit oder ein Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Empfindungsstörungen wie zum Beispiel ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle, speziell an den Extremitäten
  • kalte Hände und Füße
  • Herzrhythmusstörungen wie starkes Herzklopfen in Ruhe oder Herzstolpern
  • Durchblutungsstörungen
  • die Verstärkung eines bestehenden Bluthochdrucks
  • die Intensivierung allergischer Symptome
  • eine schlechtere Blutzuckereinstellung bei Diabetes

Im Säuglingsalter zeigt sich ein Magnesiummangel durch Gedeihstörungen, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder die Neigung zu Krampfanfällen. Bei älteren Kindern mit Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Mädchen mit Magnesiummangel erleben unter Umständen ein verspätetes Einsetzen der Monatsblutung. Auch kann diese mit starken, krampfartigen Schmerzen verbunden sein.

Wieviel Magnesium braucht der Mensch?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung benötigen Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr und Erwachsene täglich zwischen 300 und 400 mg, Kinder ab vier Jahren 160 mg, Kinder bis vier Jahre 80 mg, Säuglinge 24 bis 60 mg, Schwangere 310 mag und Stillende 390 mg Magnesium. Doch erhöht sich dieser Bedarf durch verschiedene Umstände, sodass es relativ leicht zu einem Magnesiummangel kommen kann.

Zudem gilt es zu beachten, dass bestimmte Personengruppen besonders zu einem Magnesiummangel neigen. Das sind

  • Jugendliche bzw. junge Erwachsene bis zum Alter von 19 Jahren.
  • Senioren, die Entwässerungsmittel einnehmen oder zu wenig trinken.
  • Diabetiker, weil sie vermehrt Magnesium über den Harn ausscheiden.
  • Leistungssportler und Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, da Magnesium auch über den Schweiß verloren geht.
  • Schwangere und Stillende.
Frau mit Magnesiummangel ist müde und trinkt deswegen viel Kaffee

Ein Magnesiummangel kann sich durch Müdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsschwäche zeigen. Foto: Adobe Stock (c) kite_rin

Wie kommt es zu Magnesiummangel? Ursachen

Es gibt eine Reihe von Umständen, die zu einer verminderten Zufuhr, Aufnahme oder Verwertung von Magnesium führen. Als mögliche Magnesiumräuber fungieren:

  • eine unausgewogene, d. h. sehr salz- oder eiweißhaltige, fett- oder zuckerreiche Ernährung
  • der reichliche Verzehr von nährstoffarmem Fast Food und stark verarbeiteten Produkten, aber zu wenig Vollkornprodukten und Gemüse
  • einseitige Diäten, die zu einer Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen führen
  • Essstörungen wie die Anorexia nervosa oder Bulimie
  • sportliche Aktivitäten, wenn eine Anpassung der Magnesiumaufnahme an die erhöhte Belastung unterbleibt. Denn beim Sport braucht der Körper mehr von dem Mineral zur Sicherstellung der Muskelfunktion und -regeneration, scheidet aber mit dem Schweiß vermehrt Magnesium aus
  • intensiver Stress, weil er zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol oder Adrenalin führt und zur gezielten Ausscheidung von Magnesium (Relikt aus der Urzeit: eine entspannende Substanz wirkt der Fluchtbereitschaft bei Gefahr entgegen)
  • ein häufiger Alkoholkonsum, der die Entwässerung und damit Magnesiumausscheidung fördert
  • eine verminderte Aufnahme im Darm, etwa durch chronische Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie)
  • die reduzierte Resorption im Darm durch die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antibiotika)
  • eine genetisch bedingte Einschränkung der Magnesiumaufnahme bzw. -verwertung
  • anhaltender Durchfall oder häufiges Erbrechen
  • die chirurgische Entfernung von Darmabschnitten
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder ein Diabetes mellitus
  • hormonelle Veränderungen bei einer Schilddrüsenüberfunktion, einem Hyperaldosteronismus, Funktionsstörungen der Nebenschilddrüse oder bei Einnahme der Anti-Baby-Pille
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Verbrennungen
  • Medikamente wie bestimmte Asthma-, Entwässerungs- und Abführmittel, Chemotherapeutika, Kortison, Antibiotika und Arzneien gegen Herzschwäche
  • eine länger dauernde parenterale Ernährung

Auch chronische Aluminium- und Bleibelastungen sollen einen Magnesiummangel herbeiführen können.

Wer stellt Magnesiummangel fest?

Muskelkrämpfe, bei Magen-Darm- sowie Herzbeschwerden sollten jeden Arzt an die Möglichkeit eines Magnesiummangels denken lassen und eine Bestimmung des Magnesiumspiegels im Blut nach sich ziehen. Das ist auch bei dauerhafter Einnahme von Entwässerungsmitteln, potenziell nierenschädigenden Medikamenten und Alkoholentzug – und zwar regelmäßig – ratsam.

Der Normwert für den Magnesium-Blutspiegel liegt bei Erwachsenen zwischen 0,7 bis 1,0 mmol/Liter. Doch auch wenn sich im Blut genug Magnesium befindet, kann dennoch ein Magnesiummangel vorliegen. Das hat damit zu tun, dass im Blut nur der Wert des Gesamtmagnesiums bestimmt wird. Da der Körper aber über einen gewissen Zeitraum Magnesium speichern kann, ist es trotzdem möglich, dass eine Unterversorgung besteht, die sich nur noch nicht im Blutwert niedergeschlagen hat.

Bei weiterhin bestehendem Verdacht auf einen Magnesiummangel gilt es also, zusätzlich nachzuforschen. Etwa auch den Urin daraufhin zu untersuchen. Dazu wird das Magnesium im sogenannten 24-Stunden-Sammelurin bestimmt. Er sollte sich zwischen 3 bis 5 mmol befinden. Liegt er unter dem Minimalwert, heißt  die Diagnose Magnesiummangel.

Magnesiummangel: was tun?

Gesunde Menschen können ihren Tagesbedarf an Magnesium üblicherweise per ausgewogener Ernährung decken. Solche mit leichtem Magnesiummangel durch den Genuss von Lebensmitteln, die besonders oder recht viel von dem Mineralstoff enthalten. Wie beispielsweise

  • Vollkorn, Vollkornprodukte, Vollkornmehl, Vollreis
  • grünes Gemüse wie Spinat, Mangold oder Kohlrabi
  • Avocados
  • Bananen
  • Himbeeren
  • Haferflocken und -mehl
  • Nüsse und Mandeln
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen
  • Kürbiskerne, Sesam, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Kleie
  • manche Mineralwässer

Bei Erfolglosigkeit ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überlegenswert. Allerdings bitte nur nach Rücksprache mit seinem Arzt, um zu klären, welche Dosis die richtige ist und ob es zu Wechselwirkungen mit eingenommenen Medikamenten kommen kann. Denn auch ein Zuviel an Magnesium ist der Gesundheit abträglich. In schweren Fällen ist die intravenöse Zufuhr von Magnesium angesagt.

Wird der Magnesiummangel erkannt und die Magnesiumkonzentration auf Normalwert angehoben, bilden sich die Symptome recht schnell zurück. Grundsätzlich sollte ein Magnesiummangel rasch behandelt werden, damit er keine allzu weitreichenden Folgen und keinen ungünstigen Einfluss auf den Mineralhaushalt hat und womöglich zu einer Senkung der Kalzium- und Kaliumkonzentration führt. Denn diese Mineralstoffe sind – ebenso wie Magnesium – für die Aufrechterhaltung normaler Körperfunktionen, besonders des Herzschlags wichtig.

Magnesium: Wechselwirkungen mit anderen Mineralstoffen

Magnesium und Kalzium: Ein Magnesiummangel führt zu einer Erniedrigung des Kalziumspiegels im Blut und kann daher Symptome eines Kalziummangels hervorrufen wie Krämpfe in Fingern, Armen und Beinen, Angina pectoris-Anfälle usw., die erst abklingen, wenn außer Kalzium auch Magnesium gegeben wird. Doch arbeiten Magnesium und Kalzium nicht nur in mancher Hinsicht gegeneinander, sondern wirken in anderen Belangen auch zusammen. Deshalb sollte es an beiden Substanzen nicht fehlen. So hängen einige Schritte im Kalziumhaushalt von Magnesium ab. Wie etwa die Umwandlung von Vitamin D in Vitamin D3, das der Organismus zur Kalziumresorption im Darm benötigt. Oder die Freisetzung von Parathormon aus der Nebenschilddrüse.

Magnesium und Kalium: Beide befinden sich vorrangig in den Körperzellen. Somit beeinflussen sich die zwei Mineralstoffe gegenseitig. Bei Störungen im Verdauungstrakt, etwa ausgelöst durch Erbrechen, oder Durchfall, bei Einnahme von Entwässerungsmitteln oder Antibiotika sowie bei Alkoholmissbrauch geht viel von diesen Substanzen verloren. Dadurch kommt es zu einem Magnesiummangel, der auf ungeklärte Weise zu einem erhöhten Verlust von Kalium über die Nieren führt. Zudem bewirkt die Hypomagnesiämie ein Ungleichgewicht im Verhältnis zwischen dem sich innerhalb der Zellen aufhaltenden Kalium und dem, das sich außerhalb davon aufhält. Das hat negative Auswirkungen auf die Herztätigkeit.

Magnesium und Zink: Hohen Dosen an Zink scheinen die Resorption von Magnesium zu verringern bzw. das Gleichgewicht zwischen der Aufnahme und dem Verlust von Magnesium zu stören.

Alter Mann hat erhöhten Puls aufgrund eines Magnesiummangels

Bei einer Nierenschwäche kann es zu einem Magnesiumüberschuss kommen, der Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Foto: Adobe Stock (c) zinkevych

Gefahr: Überdosierung von Magnesium

Wer sich magnesiumreich ernährt und eine intakte Nierenfunktion aufweist, braucht keine schwerwiegenden Folgen zu befürchten. Kommt es zu einem Magnesiumüberschuss im Blut, im medizinischen Fachjargon Hypermagnesiämie genannt, wird das Zuviel an Magnesium per Darm und über die Nieren ausgeschieden.

Anders sieht die Sache bei einer Unterfunktion der Nebennierenrinde oder intravenösen Magnesiumgaben – etwa während einer Geburt oder bei vorzeitigen Wehen – aus. Hier kann es zu einem Magnesiumüberschuss kommen. Vor allem aber ist ein Zuviel an Magnesium häufig Ausdruck einer ausgeprägten Nierenschwäche.

Eine Überdosierung an Magnesium ist erkennbar an Symptomen wie

  • Verminderung oder Ausfall der Muskelreflexe
  • Muskelschwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen der Muskeln
  • Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit
  • flache Atmung
  • Herzrhythmusstörungen
  • niedriger Blutdruck
  • Störungen der Blasenfunktion

Schlimmstenfalls kommt es zu einem Herz- oder Atemstillstand.

Bei einer Überdosierung infolge intravenöser Gabe ist gespritztes Kalzium das Gegenmittel, bei einem Nierenversagen eine Dialyse.



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