Was ist der Säure-Basen-Haushalt?

Hände, die Säure Basen Teststreifen halten. Übersäuerung - was hilft?

Übersäuerung kannst du durch einen einfach Test nachweisen. Schwieriger ist es, den Säure-Basen-Haushalt wieder auszugleichen. Adobe Stock (c) stanislavss

Zu viel tierisches Eiweiß, zu wenig Obst und Gemüse – wer sich so ernährt, darf sich nicht wundern, wenn sein Säure-Basen-Haushalt durcheinander gerät. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der „echten“ Übersäuerung, medizinisch auch Azidose genannt. Hierbei handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die umgehend behandelt werden muss. Wir verraten, wie der Säure-Basen-Haushalt funktioniert, wie die Azidose sich bemerkbar macht, und was du tun kannst, um diese Störung zu vermeiden.

Säure-Basen-Haushalt – was ist das?

Der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregehalt jeder Lösung, also auch des Blutes. Er wird als der negative dekadische Logarithmus der Konzentration von Protonen (Wasserstoffionen, H+) definiert. Beträgt er 7, bezeichnet man eine Lösung als neutral. Liegt er zwischen 0 und 6,9, ist die Lösung sauer. Bei Werten zwischen 7,1 und 14 ist sie basisch bzw. alkalisch.

In unserem Körper finden ständig Stoffwechselprozesse statt, bei denen Substanzen auf-, ab- und umgebaut werden. Dabei gelangen saure Substanzen wie etwa Kohlendioxid ins Blut. Die werden von sogenannten Puffersystemen neutralisiert, damit der pH-Wert des Blutes konstant im leicht basischen Bereich (zwischen 7,35 und 7.45) bleibt. Da dies lebenswichtig ist, wird der Blut-pH-Wert normalerweise gleich von mehreren Regelsystemen konstant gehalten.

Die Vorgänge im Körper, die für ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Blut sorgen, nennt man Säure-Basen-Haushalt. Da bereits geringe Abweichungen vom Normalbereich Organe schädigen können, wird der Säure-Basen-Haushalt durch mehrere Mechanismen reguliert, hauptsächlich über Puffersysteme im Blut, die Lunge und die Nieren.

Wie reguliert der Körper seinen Säure-Basen-Haushalt?

Am schnellsten reagieren die Blutpuffer auf pH-Veränderungen. Das sind Kombinationen aus einer Säure und einer Base. Allen voran das Kohlensäure-Bikarbonat-Puffersystem, aber auch das Phosphat– und das Protein-Puffersystem sowie das Hämoglobin (= roter Blutfarbstoff; Histidin-Puffer, Hb-Puffer). Sie schützen vor plötzlichen pH-Verschiebungen, indem sie den Anteil der Säuren und Basen anpassen.

Wie funktionieren Puffer?

Die Funktionsweise von Puffersystemen wird deutlich, sieht man sich an, wie der Bicarbonat-Kohlendioxid-Puffer arbeitet. An ihm beteiligt sind Bicarbonat (HCO3-), Wasserstoffionen (H+), Carbonsäure (H2CO3), Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2). Diese chemischen Verbindungen können rasch ineinander übergehen. Nimmt eine dieser Substanzen überhand, findet automatisch ein Ausgleich bis zur Wiederherstellung des ursprünglichen Gleichgewichts statt.

So wird etwa bei einer Übersäuerung vermehrt Kohlendioxid gebildet und über die Lungen abgeatmet. Bei einer Alkalisierung wird die Atmung verlangsamt und so Kohlendioxid im Blut zurückgehalten, außerdem vermehrt Bicarbonat über die Nieren ausgeschieden.

Grafik von menschlichen Organen, die u.a. an der Regulation des Säure-Basen-Haushalts beteiligt sind.

Der Säure-Basen-Haushalt wird von Lunge, Nieren und Leber reguliert und stabil gehalten. Foto: Adobe Stock (c) svtdesign

Regulierung durch Organe

Die Lunge beeinflusst den Säure-Basen-Haushalt, indem sie im Zellstoffwechsel laufend anfallendes Kohlendioxid, das im Blut als Kohlensäure zirkuliert, ausatmet. Wobei das Gehirn Geschwindigkeit und Tiefe der Atemzüge und somit die Menge an abgeatmetem CO2 steuert. Je schneller und tiefer man atmet, desto mehr Kohlendioxid wird also abgegeben.

Die Nieren regulieren das Säure-Basen-Gleichgewicht durch Ausscheidung von überschüssigen Säuren bzw. Basen. Indem Wasserstoff-Protonen (H+) im Austausch gegen Natrium-Ionen aus bestimmten Nierenzellen wandern und sich mit rückresorbiertem Bicarbonat zu Kohlensäure verbinden, die zu Kohlendioxid und Wasser zerfällt. Dieser Prozess erfolgt in unterschiedlichem Ausmaß, ist etwa bei einer Alkalose vermindert.

Im Endharn befinden sich dann hauptsächlich Phosphat- und Ammonium-Ionen, die Protonen aufnehmen. Dadurch wird Hydrogenphosphat zu Dihydrogenphosphat umgewandelt. Ammonium-Ionen werden in den Nierentubuli durch den Abbau von Glutamin gebildet. Sie zerfallen zu Ammoniak und Wasserstoff.

Auch die Leber ist am Säure-Basen-Haushalt beteiligt. Bei einer Azidose unterstützt sie die Nieren, indem sie die Aktivität des Enzyms Glutaminase, das aus Glutamin Ammoniak freisetzt, bremst. Das führt zu einem Rückgang der Harnstoffsynthese und damit zu einem geringeren Bicarbonatverbrauch. Gleichzeitig steigt die Aktivität der Glutaminsynthetase, die Ammonium und Glutamat zu Glutamin reagieren lässt. Letzteres wird durch die Glutaminase der Nieren abgebaut, sodass dort wieder vermehrt Glutamat und Ammoniak entstehen.

Was passiert, wenn der Säure Basen Haushalt nicht stimmt?

Werden Säuren entweder in zu großer Menge zugeführt oder im Körper vermehrt produziert oder vermindert ausgeschieden, entsteht ein Säureüberschuss. Gleiches passiert, wenn zu wenige alkalische Stoffe aufgenommen oder hergestellt bzw. zu viele Basen ausgeschieden werden. Überfordert die Menge an anfallenden Säuren die Kapazität der Puffersysteme, unterschreitet der pH im Blut den Wert von 7,35 und man spricht von einer Azidose (Übersäuerung, Acidose).

Umgekehrt kommt ein Basenüberschuss zustande, wenn der Säuregehalt im Körper sinkt, d.h. ein Verlust von Wasserstoffionen stattfindet. Oder wenn der Basen- bzw. Bicarbonatgehalt steigt. Dann überschreitet der Blut-pH den Wert von 7,45 und es liegt eine Alkalose vor. Besteht ein Mangel an Säuren im Blut, kommt es zu einer metabolischen Alkalose. Entweder eine sogenannte Additionsalkalose, die auf einer übermäßigen Zufuhr von Basen beruht. Oder eine Subtraktionsalkalose, die das Ergebnis eines Verlusts an sauren Substanzen ist.

Tisch mit Fleisch, Alkohol und Fertigprodukten, die den Säure Basen Haushalt durcheinanderbringen können.

Wenig Flüssigkeit, zu viel Fleisch, Fertigprodukte und Alkoholgenuss führen zu einer latenten Übersäuerung. Foto: Adobe Stock (c) beats_

Säure Basen Haushalt & Übersäuerung

Was ist eine Azidose?

Eine Übersäuerung (Azidose) des Organismus kann sich durch eine zu geringe Abatmung von CO2 durch die Lunge entwickeln. Infolge einer Hypoventilation, d.h. einer zu oberflächlichen und/oder zu langsamen Atmung. Sie lässt den Blut-pH in den sauren Bereich sinken und das CO2 im Blut steigen (Hyperkapnie). Dadurch kommt es zu einem Anstieg der Pufferbasen. Dann liegt eine respiratorische Azidose vor.

Oder es entwickelt sich eine metabolische Azidose, die durch einen Überschuss an sauren Stoffwechselprodukten entsteht. Das ist z.B. bei einer diabetischen Ketoazidose bei schlecht eingestellter Zuckerkrankheit der Fall. Dabei sammeln sich Ketonkörper (Acetoacetat, ß-Hydroxybutyrat und Aceton) im Blut an und senken den Blut-pH-Wert. Oder die metabolische Azidose entsteht im Rahmen einer chronischen Nierenerkrankung, die mit einer veränderten Ausscheidungsrate von Säuren und Basen einhergeht.

Wie bemerkt man eine Übersäuerung? Symptome

Eine Übersäuerung des Gewebes erzeugt nicht sofort charakteristische Symptome, sondern eine Reihe unspezifischer Beschwerden. Wie etwa allgemeines Unwohlsein, Muskelschmerzen und -krämpfe, anhaltende Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen oder Sodbrennen. Weitere mögliche Anzeichen können brüchige Nägel, Haarausfall, vermehrte Schuppenbildung, unreine Haut, Cellulitis und Mundgeruch sein.

Diskutiert wird ein Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen, Neurodermitis, Osteoporose, chronischer Polyarthritis, Gallen- und Nierensteinen, Arteriosklerose, Diabetes, Gicht, Fibromyalgie, Migräne und chronischen Schmerzen.

Warum ist Übersäuerung gefährlich?

Der häufige Verzehr von Fleisch-, Weißmehl- und Fertigprodukten und eine zu geringe Zufuhr von Flüssigkeit sowie basenbildenden Mineralien (Kalium, Magnesium, Kalzium) aus Obst und Gemüse soll zunächst eine latente (verdeckte) Übersäuerung bewirken. Bei dieser sind die basischen Puffer im Blut schon nahezu aufgebraucht, aber es hat noch keine Verschiebung des Blut-pH-Werts stattgefunden.

Denn reichen die Puffer nicht aus, um das Säure-Basen-Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, versucht der Organismus, die Balance mithilfe von Lunge, Leber, Nieren, Darm, Haut und Knochen wiederherzustellen. Lassen sich die aus Stoffwechselvorgängen stammenden Säuren jedoch nicht mehr kompensieren, kommt es schließlich zu einer gesundheitsschädlichen chronischen Übersäuerung.

Hände, die Wasserflaschen hochhalten, vor rosa Hintergrund. Säure Basen Haushalt.

Wer seinen Säure-Basen-Haushalt ausgleichen will, muss auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Aber bitte Wasser trinken! Adobe Stock, (c) Pixel-Shot

Warum Übersäuerung krank machen kann

Diese ungünstige Stoffwechsellage soll die Entstehung bzw. den Fortbestand von Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis, Diabetes, Gicht, Arteriosklerose usw. fördern. Weil sich bei chronischer Übersäuerung nur noch schwer auszuscheidende Giftstoffe bzw. Schlacken in verschiedenen Geweben (“latente Bindegewebsazidose“) ansammeln sollen. Da der Körper für die Neutralisation von Säuren basische Mineralsalze wie Kalzium und Phosphat braucht, holt er sich diese aus den Knochen ins Blut. Das kann zu einer Abnahme der Knochendichte führen.

Doch ist sehr umstritten, ob der übermäßige Verzehr säurebildender Lebensmittel zur Ausbildung bestimmter Krankheiten führt. Nach Ansicht der Schulmedizin ist der Körper selbst in der Lage, den Säuren-Basen-Haushalt zu regulieren. In der Komplementärmedizin hingegen bildet eine basische Ernährung oft einen wichtigen Bestandteil von Behandlungen. Wie z.B. die F. X. Mayr-Diät.

Übrigens: Auch Stress, Bewegungsarmut, Genussgifte und bestimmte Medikamente sollen einer Übersäuerung Vorschub leisten und so die Entwicklung zahlreicher Erkrankungen begünstigen.

Wie kann man Übersäuerung feststellen?

Wie es um den Säure-Basen-Haushalt eines Patienten bestellt ist, erkennt der Arzt anhand einer Blutgasanalyse. Gemessen werden dabei außer dem Sauerstoffgehalt der pH-Wert, der Kohlendioxid-Partialdruck (pCO2, Normwert: 35 – 45 mmHg) und die Bikarbonat-Konzentration (HCO3, Normwert: 21 – 26 mmol/l). Außerdem der sogenannte Base Excess (Basenabweichung, BE), dessen Normwert 0 mmol/l beträgt.

Er gibt die Menge an Säuren oder Basen an, die theoretisch notwendig ist, um bei einem pCO2 von 40 mmHg und einer Temperatur von 37° Celsius einen Liter Blut auf einen pH-Wert von 7,4 zu bringen. Einen Basenüberschuss, der mit Säure ausgeglichen werden muss, bezeichnet man als positiven Base Excess, ein Basendefizit als negativen Base Excess.

Die Basenabweichung dient bei der akuten Therapie einer metabolischen Azidose zur Abschätzung der benötigten Menge an Puffersubstanzen (z.B. Natriumbikarbonat-Infusion) die sich mit einer Formel (-BE x kg Körpergewicht / 3 = mmol Puffer) annäherungsweise berechnen lässt.

Wer stellt Übersäuerung fest?

Deine erste Anlaufstelle bei Symptomen, die auf eine chronische Übersäuerung hindeuten, ist immer dein Hausarzt. Dieser wird dich bei begründetem Verdacht an einen Facharzt/eine Fachärztin für Lungenerkrankungen (Lungenfacharzt) überweisen.

Säure Basen Haushalt Tabelle

Messwert Normbereich Verminderung bei Erhöhung bei
pH 7,35 bis 7,45 Azidose Alkalose
pCO2 35 bis 45 mmHg respiratorischer Alkalose oder respiratorischer Kompensation einer metabolischen Azidose respiratorischer Azidose oder respiratorischer Kompensation einer metabolischen Alkalose
Standard HCO3− 21 bis 26 mmol/l metabolischer Azidose oder metabolischer Kompensation einer respiratorischen Alkalose metabolischer Alkalose oder metabolischer Kompensation einer respiratorischen Azidose
Base Excess -2 bis +2 metabolischer Azidose oder teilweise kompensierter respiratorischer Alkalose metabolischer Alkalose oder teilweise kompensierter respiratorischer Azidose

Wie Säure-Basen-Haushalt ausgleichen?

Da einem gestörten Säure-Basen-Haushalt eine Erkrankung zugrunde liegt, ist in erster Linie deren Erkennung und Behandlung angesagt. Außer der Beseitigung der Ursache der Entgleisung können – je nach Störung – zusätzliche Maßnahmen erfolgen.

Bei einer metabolischen Azidose ist das die Gabe von Natriumbicarbonat, Kalium-, Magnesium- oder Calciumcitrat.

Eine respiratorische Azidose erfordert eine Steigerung der Atemtätigkeit, gegebenenfalls sogar eine Beatmung. Oder auch eine medikamentöse Bronchospasmolyse (“Entkrampfung“ der Bronchien) und Sekretolyse (Verflüssigung des Bronchialschleims).

Bei einer respiratorischen Alkalose mit beschleunigter Atmung empfiehlt sich die Rückatmung der ausgeatmeten Luft.

Eine metabolische Alkalose bessert man mit Kaliumchlorid- oder Argininhydrochloridlösungen.

Verfechter der Theorie, dass eine Übersäuerung die Grundlage für etliche Zivilisationskrankheiten bilde, raten zu einer

  • Ernährungsumstellung mit weniger Säure-bildenden (v.a. Fleisch, Wurst, Fisch, Eier, Süßigkeiten, Kaffee) und mehr Basen-spendenden Nahrungsmitteln (Gemüse, Obst).
  • Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern Wasser, kohlensäurefreies Mineralwasser, Kräuter- oder Basen-Tees.
  • Einschränkung oder besser noch einem Verzicht von Alkohol und Nikotin.
  • Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit basischen Mineralstoffen.
  • Stressreduktion mithilfe täglicher Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Yoga, Qi Gong und Tai Chi.
  • sportlichen Betätigung, damit der Körper saure Abfallprodukte schneller abtransportiert und Kohlendioxid abatmet.

Davon versprechen sie sich, dass überschüssige Säuren aus Bindegewebe gelöst und ausgeschieden werden.

Wie erkennt man säurebildende Nahrungsmittel?

Leider lässt der Geschmack von Nahrungsmitteln kaum Rückschlüsse zu, ob sie säure- oder basenbildend sind. Entscheidend sind nämlich die Stoffwechselprodukte, die bei ihrer Verwertung entstehen. So erzeugen etwa Fleisch, Fisch, Teigwaren, Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol eher ein saures Milieu, Obst, Gemüse, Nüsse, Kräuter und kohlensäurefreies Wasser eher ein basisches.

Angaben über das säurebildende Potenzial einzelner Lebensmittel soll der PRAL-Wert (Potential Renal Acid Load), angegeben in mEq/100 g, liefern. Ein positiver Wert (z.B. Kalbsleber: 14,2) bedeutet eine hohe Säurebelastung der Nieren, ein negativer Wert (z.B. Fenchel: 7,9) eine geringe.

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