Fertigteilhaus Österreich: Infos & Erfahrungen zum Wohnbau-Trendsetter

Ebenerdiges Fertigteilhaus

Fertigteilhäuser werden immer beliebter. Alleine 2018 wurden mehr als 4.000 Fertigteilhäuser in Österreich errichtet. Foto: Giovanni_cg via Pixabay, CC0

Ein Fertigteilhaus ist eine zeit- und kostensparende Alternative, um den Traum vom Eigenheim Wirklichkeit werden zu lassen. Das Image der windigen Bretterbude ist längst überholt, die Fertigbauweise hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und bietet heute eine größere Individualität, Energieeffizienz und Qualität als viele vermuten.

Fertigteilhaus: Was ist das eigentlich?

Fertighäuser bzw. Fertigteilhäuser sind laut ÖNORM B 2310 definiert als ein „auf vorbereitetem Untergrund errichtetes Bauwerk aus vorgefertigten, geschoßhohen Wandelementen, Raumzellen sowie aus vorgefertigten Decken- und Dachelementen, die in Produktionsstätten witterungsunabhängig hergestellt, auf die Baustelle transportiert und dort zusammengebaut werden.“

Fertigteilhaus: Was ist zu beachten?

Die Angebotspalette der Hersteller ist mittlerweile sehr vielfältig. Es werden bestimmte Prototypen und Modelle angeboten, die entweder 1:1 übernommen oder individuell angepasst werden können. Eine freie Planung nach persönlichen Wünschen ist heutzutage ebenfalls kein Problem mehr. Sonderwünsche schlagen sich jedoch im Preis nieder. Fertigteilhäuser sind zudem in jeder Energieeffizienz-Klasse erhältlich, die Beantragung von Förderungen zur Erleichterung der Finanzierung ist also auch bei dieser Bauweise möglich. Der Trend geht derzeit stark in Richtung schlüsselfertige Fertighäuser, insgesamt rund 4.400 Fertighäuser werden aktuell pro Jahr in Österreich gebaut.

Fertigteilhaus – Vorteile und Nachteile

Grundsätzlich hat jede Bauweise ihre Vor- und Nachteile. Die größten Unterschiede zwischen Fertigteilhaus und Massivhaus liegen in der Bauzeit und den Kosten.

Vorteile Fertighaus

  • Bauzeit: Fertighäuser lassen sich in wenigen Tagen aufstellen. Der Bau eines Massivhauses dauert wesentlich länger, da das Austrocknen des Mauerwerks oft Monate beansprucht.
  • Preis: Fertighäuser sind aufgrund der Massenfertigung der Einzelteile deutlich günstiger als Massivhäuser.
  • Aufwand: Die gesamte Abwicklung und Koordination der Handwerker übernimmt der Fertighausanbieter. Der Zeitaufwand ist für den Bauherrn somit deutlich geringer.
  • Planung: Die Design- und Planungskosten eines Architekten entfallen. Diverse Musterhäuser können besichtigt werden, unangenehme Überraschungen gibt es daher kaum.
  • Kostentransparenz: Die Kosten sind bei Fertighäusern besser kalkulierbar, da Anbieter meist mit einer Fixpreisgarantie arbeiten.
  • Abgestimmte Haustechnik: Alles ist aus einem Guss, es kommt daher kaum zu unliebsamen Verzögerungen oder Überraschungen.

Nachteile Fertighaus

  • Wertbeständigkeit: Der Wiederverkaufswert ist trotz langer Lebensdauer meist niedriger als bei Massivhäusern. Der Wohnbaukredit oder das Darlehen können daher teurer ausfallen.
  • Physikalische Eigenschaften: Wärmespeicherfähigkeit, Luftaustauschmöglichkeit und Brandschutzbeständigkeit sind beim Fertigteilhaus geringer.
  • Dünne Wände: Durch die leichten Bauteile kann es zu „hellhörigen Wänden“ kommen.

Welche Fertigteilhäuser gibt es?

Der überwiegende Anteil von Fertighäusern wird als Holzhaus ausgeführt. Weitere gebräuchliche Bauweisen sind der Leichtbetonbau und die Ziegelbauweise. Der Vollständigkeit halber sind hier auch Blockhäuser und Bausatz-Häuser angeführt, die aber laut ÖNÖRM nicht zu den Fertighäusern zu zählen sind.

  • Holzbauweise: Holzhäuser werden in unterschiedlichen Ausführungen angeboten, nämlich in Holzrahmen-Bauweise, Holztafelbauweise oder Blockbauweise. Weiters findet man aus diesen Grundformen abgeleitete Sonderbauweisen.
  • Leichtbetonbau: Die Wände werden im Werk in vorgeplante Schalungen gegossen. Fenster, Türen, Leerverrohrungen für die Elektroinstallation etc. sind dabei bereits vorgesehen.
  • Ziegelbauweise (Massiv Fertighaus): Die Ziegelwände werden im Werk gemauert und durch Stahlarmierungen (Armierungseisen) stabilisiert.
  • Blockhäuser und Bausatz-Häuser: In Österreich gilt diese Bauart nicht als Fertigteilhaus, da die einzelnen Teile erst auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Darüber hinaus entspricht der Fertigungsgrad bzw. die Bauteilgröße nicht der ÖNORM B2310.

Fertigteil Häuser lassen sich schneller errichten als Massivhäuser. 2211438 via Pixabay, CC0

Fertigteilhaus schlüsselfertig – was bedeutet das?

Um mehr Transparenz für den Kunden zu schaffen, wurden vom Österreichischen Fertighausverband (ÖFV) drei Ausbaustufen für Häuser aus Fertigteilbauweise festgelegt. Wenn du handwerklich geschickt bist, kannst du dir bei der Ausbau-Variante durch Eigenleistungen einen beträchtlichen Teil der Kosten sparen. Wer jedoch weniger Zeit oder Handwerkstalent mitbringt, ist mit einem belagsfertigen oder schlüsselfertigen Haus besser beraten.

Für jede dieser Varianten ist ein Mindestumfang an Leistungen definiert, der für den Fertighaushersteller verbindlich ist:

  • Ausbauhaus: Die Außenhülle wird vom Fertighausanbieter errichtet, den Innenausbau übernimmt der Bauherr selbst.
  • Belagsfertiges Haus: Heizung, Elektro- und Sanitär-Rohinstallationen und Estrich werden vom Fertighaushersteller durchgeführt, der Kunde muss sich selbst um Wand-, Decken- und Bodenbelag sowie Sanitärinstallationen und Innentüren kümmern.
  • Schlüsselfertiges Haus: Der Hersteller führt den gesamten Aufbau durch, inklusive Bodenbeläge, Sanitäreinrichtungen und Innentüren. Das Fertighaus ist somit bezugsfertig.

Konkret umfasst ein schlüsselfertiges Fertighaus daher den Leistungsumfang eines Ausbauhauses mit den nachstehend angeführten zusätzlichen Leistungen:

  • Fußbodenunterkonstruktion samt Wärmedämmung und Bodenbelägen laut Leistungsverzeichnis.
  • Verspachtelung aller Plattenstöße, Fugen und Befestigungspunkte an allen Decken und Wandflächen, vorbereitet zur Tapezierung.
  • Tapezierung oder Wandbekleidung in Feuchträumen (Badezimmer, WC, etc.) bis mindestens Türstockoberkante. Eine Ausführung mit niedrigeren Höhen muss im Vertrag bzw. dem Vertrag anliegenden Leistungsverzeichnis festgehalten werden.
  • Feuchträume müssen im Spritzwasserbereich flüssigkeitsdicht ausgebildet sein.
  • Dachausbauten sind entsprechend den behördlichen Bestimmungen herzustellen.
  • Lieferung aller Stiegen, Innentüren, Balkone, Anstriche, Geländer und Anhaltestangen etc. laut Leistungsverzeichnis und Bauordnung.
  • Lieferung und Montage der sanitären Ver- und Entsorgungsleitungen, Armaturen und Geräte in einem gebrauchsfertigen Zustand (ab Keller- bzw. Fundamentplattenbauwerk, entsprechend den behördlichen Vorschriften).
  • Lieferung und Montage der Heizungsanlage (jedoch ohne Versorgungsleitungen) entsprechend dem Leistungsverzeichnis.
  • Für mindestens einen TV und Telefonanschluss ist die Leerverrohrung an vereinbarter Stelle vorzusehen und bis zur Unterkante Kellerdecke oder Oberkante Spitzbodendecke zu führen.
  • Lieferung und Montage des Wohnungsverteilers für die Elektroinstallation mit den Schutzeinrichtungen an der vereinbarten Stelle. Alle im Leistungsbereich liegenden Leitungen müssen angeschlossen sein (Kellerinstallation nicht enthalten).

Wie viel kosten Fertigteilhäuser?

Für ein schlüsselfertiges Fertighaus muss man mit einem Quadratmeterpreis von 1.150 bis 1.700 Euro rechnen. Bodenplatte oder Keller sind in diesem Preis nicht inbegriffen. Hinzu kommen auch noch Grundstückskosten und Baunebenkosten. Und da jeder Hausbau teurer wird als geplant, solltest du unbedingt für ungeplante Nebenkosten, Reparaturen oder Zusatzarbeiten einen Puffer von 15-25 Prozent der Bausumme einkalkulieren.

Welche Baunebenkosten fallen beim Fertigteilhaus an?

Ausgehend von einem schlüsselfertigen Haus, fallen eine Reihe von Baunebenkosten an, die in der Regel nicht im Lieferumfang enthalten sind. Sie können bis zu 20 Prozent der Gesamtsumme ausmachen und sollten daher von Beginn an in der Finanzplanung berücksichtigt werden:

  • Behördengebühren, Gutachten, Baugenehmigung, Benützungsbewilligung, Förderungsanträge, Bankkosten, (Bau)Versicherungen, Notar, Grunderwerbssteuer, Vermessungsgebühren,
  • Erschließungskosten, Bereitstellungszinsen Darlehen, Bankgarantie (Fertigstellungsgarantie), etc.
  • Grabungsarbeiten für die Baugrube, Rodung, Abtransport des Aushubs
  • Laufende Kosten für Baustrom und -wasser
  • Errichtung einer Baustraße für schwere Fahrzeuge (Schotterbefestigung kostet mindestens 150 Euro pro Meter Fahrweg)
  • Keller oder Fundamentplatte
  • Entsorgung des Baumülls (Mulden)
  • Kamin, Blitzschutzanlagen, Erdungsanlage
  • Außenstiegen und Außenanlagen
  • Kanalisation, Sickerschächte, Wasseranschluss, etc.
  • Hauszuleitungen sowie Ver- und Entsorgungsleitungen samt Anschlüssen
  • Antennenanlagen, Zählerkasten
  • Glasfaserkabel und Internetanschlüsse
  • Dachbodentreppe, Schneenasen am Dach, Dachausstiegsfenster
  • Garagen, Garagentore und Abstellplätze
  • Gehwege und Pflasterungen
  • Gartenzäune und Zufahrtswege
  • Raffstores oder Rollläden
  • Photovoltaikanlagen

Wie viel kostet eine Bodenplatte für ein Fertigteilhaus?

Ein wesentlicher Kostenfaktor, der im Lieferumfang von Fertighäusern meist nicht enthalten ist, sind Bodenplatte oder Keller. Grundsätzlich wird die Entscheidung, ob Keller oder Bodenplatte das Fundament des Eigenheimes bilden sollen, von verschiedenen Faktoren abhängig sein:  Beschaffenheit des Bodens, Lage des Grundstücks, benötigte Nutzfläche und Budget.

Der Vorteil eines Kellers liegt zum einen im höheren Wiederverkaufwert des Hauses, zum anderen natürlich in den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Eine Bodenplatte punktet hingegen vor allem mit Kostengünstigkeit. Weiters zu beachten ist, dass bei einem Haus ohne Keller eine entsprechende Dämmung des Fundaments erforderlich ist, während ein Haus mit Keller stattdessen eine Deckendämmung benötigt.

Welche Bodenplatten kommen bei Fertigteilhäusern in Frage?

Je nach Bodenbeschaffenheit kommen für Fertigteilhäuser aktuell vor allem drei Arten von Bodenplatten zur Anwendung:

  1. Plattenfundament:  Die Kosten für ein 20 Zentimeter dickes Plattenfundament liegen zwischen 70 und 100 Euro.
  2. Streifenfundament: Der Preis inklusive Schalung liegt bei rund 180 Euro pro Kubikmeter. Da die Anzahl der Streifen von Haus zu Haus variiert und zudem zusätzlich eine 10 bis 15 Zentimeter dicke Betonplatte zwischen den Fundamentstreifen eingebracht werden muss, ist der Gesamtpreis schwierig zu kalkulieren. Es sollten daher immer Angebote für beide Verfahren eingeholt werden.
  3. Thermobodenplatte:  Moderne Thermobodenplatten stellen eine gute Alternative zu einem Platten- oder Streifenfundament dar. Ihr Vorteil: Thermofundamente benötigen keinen Estrich und beinhalten eine Fußbodenheizung. Der Preis liegt bei rund 135 – 150 Euro pro Quadratmeter.+
Fundament Kosten/Einheit Wohnfläche 100 m²
Plattenfundament (20 cm) 70 – 100€/m² 7.000 – 10.000€
Thermofundament 135 – 150€/m² 13.500 – 15.000€
Streifenfundament 180€/m³
Keller 300€/m² 30.000€

Wie lange dauert der Bau eines Fertigteilhauses?

Da die Bauelemente im Werk vorgefertigt werden, verkürzt sich die Bauzeit – denn das monatelange Austrocknen des Mauerwerks entfällt. Nachfolgende Tabelle zeigt durchschnittliche Bauzeiten, wenn alles ohne erhebliche Verzögerungen abläuft. Zusätzlich ist die Zeit für die Baugenehmigung mit mindestens 12 Wochen zu berücksichtigen.

Baustufen Bauarbeiten Bauzeit
Fundament Baustelleneinrichtung, Erd- und Vermessungsarbeiten, Keller (inkl. Kellerdecke) oder Bodenplatte Keller: 4-5 Wochen
Bodenplatte: 2-3 Wochen
Außenhülle Transport zur Baustelle und Montage der Bauelemente inkl. Dach 2-3 Tage
Innenausbau Je nach Ausbaustufe: Elektro- und Sanitärinstallation, Heizungsinstallation, Putz- und Estricharbeiten, Trockenbauarbeiten, Fliesen- und Malerarbeiten Belagsfertig: 1-2 Wochen
Schlüsselfertig: 8-12 Wochen

Daraus ergibt sich für die unterschiedlichen Bauvarianten folgende Bauzeit:

Varianten Bodenplatte Keller
Aufbauhaus 2-3 Wochen 5-6 Wochen
Belagsfertig 4-5 Wochen 6-7 Wochen
Schlüsselfertig 11-16 Wochen 13-18 Wochen

Wie lange hält ein Fertigteilhaus?

Ein Fertighaus hat laut ÖNORM B2320 „bei ordnungsgemäßer Instandhaltung und widmungsgemäßer Nutzung eine Benutzungsdauer von mindestens 100 Jahren“. Eine genaue Angabe zur Lebensdauer eines Fertighauses ist aufgrund unterschiedlicher Bauweisen und verwendeter Materialien kaum möglich. Grundsätzlich unterscheidet sich das Fertighaus jedoch nicht von den Vorgaben für die konventionelle Bauweise und bietet eine entsprechende Wertbeständigkeit über viele Jahre.

Was ist bei Vertragsunterzeichnung zu beachten?

Im Zuge der Vertragsunterzeichnung gilt es einige Punkte zu beachten um unliebsame Vorkommnisse zu vermeiden:

  • Angebot: Lass dich keinesfalls zu einer schnellen Unterschrift bei einem Verkaufsgespräch drängen. Wenn der Verkäufer kein Angebot erstellen möchte, dann ist die Firma unseriös. Ein „Werkvertrag“ ist übrigens gleichbedeutend mit einem Kaufvertrag.
  • Firma prüfen: Wirf einen Blick auf die Unternehmensgeschichte sowie Bilanzen des Unternehmens und erkundige dich über Erfahrungen anderer Bauherren. Gerätst du an ein unseriöses Bauunternehmen, dann kann es dir passieren, dass das Unternehmen nach geleisteter Anzahlung „plötzlich“ in Konkurs geht und du dein Geld in den Wind schreiben kannst.
  • Vertrag prüfen: Nimm dir Zeit, den Vertrag zu Hause gründlich zu prüfen und eventuell mit anderen Bauherren zu diskutieren. Am besten ziehst du einen spezialisierten Anwalt hinzu, um Überraschungen und Unvollständigkeiten auszuschließen. Prüfe vor allem das Leistungsverzeichnis und den Preis aller gewünschten Extras.
  • Vorvertrag: Ein Vorvertrag ist KEINE Reservierungsvereinbarung bzw. Kaufabsichtserklärung. Ein notariell beurkundeter Vorvertrag ist ebenso bindend wie der Kaufvertrag selbst und in 99,9 Prozent aller Fälle völlig überflüssig. Ein Vorvertrag kann sinnvoll sein, wenn vor Abschluss des Kaufvertrags beispielsweise noch rechtliche Aspekte geklärt werden müssen, du aber sichergehen möchtest, dass du den Zuschlag für das Haus bekommst.
  • Mündliche Absprachen: Wie bei jedem anderen Vertrag auch sind mündliche Absprachen nicht bindend und damit wertlos.
  • Allgemeinformulierungen: Allgemeine Formulierungen wie z. B. hochwertige Fliesen solltest du nicht akzeptieren und eine genaue Spezifikation verlangen.
  • Bemusterung: Die Festlegung der Innenausstattung sollte mit der Vertragsunterzeichnung kombiniert werden. Andernfalls könntest du bei einer später stattfindenden Bemusterung feststellen, dass deine Wunschausstattung mit einem Aufpreis verbunden ist.
  • Ergänzung Kaufvertrag: Zur eigenen Absicherung sollten eine Preisgarantie von mindestens einem Jahr, die Bezahlung der Rechnungen nach Baufortschritt und das Bestehen des Blowerdoor-Tests  in den Kaufvertrag aufgenommen werden.

Fertigteilhaus Firmen und Hersteller in Österreich:



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