Sterilisation der Frau: für immer kinderlos?

Ärztin in OP Maske

Die Sterilisation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Frau dauerhaft unfruchtbar gemacht wird. Foto: Adobe Stock, (c) megaflopp

Die Familienplanung ist abgeschlossen, dauernd an Verhütung denken müssen ist aber lästig oder die Methode zu unsicher? Dann kann eine Sterilisation die richtige Wahl sein, um keine ungewollte Schwangerschaft zu erleben. Doch ist das meist ein endgültiger Schritt, den sich Frauen gut überlegen sollten.

Sterilisation der Frau – was versteht man darunter?

Eine Sterilisation ist ein chirurgischer Eingriff, durch den eine Frau unfruchtbar gemacht wird, weil er den Eintritt einer Schwangerschaft dauerhaft verhindert.

Nicht zu verwechseln mit einer Kastration, bei der die Keimdrüsen, also bei Frauen die Eierstöcke, operativ entfernt werden. Was beim Menschen nicht zur Empfängnisverhütung eingesetzt wird. Sie kann notwendig werden, wenn beispielsweise ein Eierstockkrebs auftritt.

Was passiert bei der Sterilisation? Operation

Nach jedem Eisprung wandert eine befruchtungsfähige Eizelle von einem der beiden Eierstöcke (Tuben) über den dazugehörigen Eileiter zur Gebärmutter. Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr bewegen sich die Samenzelle in Richtung Eileiter, wo eine davon sich mit der Eizelle vereint (Befruchtung). Hier setzt die Sterilisation an: Sie verhindert das Zusammentreffen der beiden, indem sie die Durchgängigkeit der Eileiter unterbricht. Indem die Eileiter verschlossen oder – seltener – teilweise entfernt und anschließend ihre Enden abgebunden werden.

Die häufigste Technik zur Herbeiführung einer dauerhaften Unfruchtbarkeit ist die Tubenligatur (Unterbindung), bei der der Gynäkologe die Eileiter mittels Schwachstrom (Elektrokoagulation) verschweißt. Oder er klemmt sie mithilfe von Ringen, Kunststoff- oder Metall-Clips ab.

Der Eingriff wird üblicherweise in der ersten Hälfte des Monatszyklus, wenige Tage nach einer Monatsblutung vorgenommen. Also vor dem Eisprung, um eine Schwangerschaft möglichst sicher auszuschließen.

Laparoskopische Tubensterilisation

Sie bildet die am häufigsten angewendete Art der Sterilisation. Bei dieser Bauchspiegelung (Laparoskopie) wird eine dünne Kanüle durch einen kleinen Hautschnitt in der Nähe des Nabels in den Bauchraum eingeführt und CO2 in die Bauchhöhle gepumpt. Durch das Gas hebt sich die Bauchdecke von den Organen ab. Das ermöglicht deren Betrachtung mit einem Endoskop (Laparoskop).

Danach wird eine 1cm dicke Hohlsonde durch den Schnitt in die Bauchhöhle eingebracht und durch sie das Laparoskop vorgeschoben. Letzteres ist ein starres Instrument, bestehend aus einem optischen System und einer Lichtquelle, das über eine Videokamera mit einem Monitor verbunden ist. Darauf kann das Operationsteam den Operationsverlauf verfolgen.

Weitere kleine Schnitte am Bauch dienen der Einbringung weiterer Hohlsonden, durch die der Chirurg Instrumente (z.B. Häkchen, Scheren, Klemmen, Clips) einschiebt, mit denen er die Tubenligatur vollzieht.

Die laparoskopische Tubenligatur geschieht unter Vollnarkose oder Periduralanästhesie (“Kreuzstich“), dauert rund 30 Minuten und erfordert einen stationären Aufenthalt von ein bis zwei Tagen, kann aber auch ambulant erfolgen.

Vaginale Tubenligatur

In ausgewählten Fällen erfolgt die Sterilisation nicht durch den Bauch, sondern durch die Scheide. Hierzu werden spezielle Instrumente über einen kleinen Schnitt an der Hinterwand der Scheide oder durch den Muttermund und die Gebärmutter zu den Eileitern geführt, um diese zu verschließen.

Tubenligatur per Laparotomie

Abgesehen von der laparoskopischen und der vaginalen Tubenligatur besteht die Möglichkeit, eine Sterilisation im Rahmen einer geplanten Bauchoperation oder eines Kaiserschnitts, also über einen ohnehin gemachten Bauchschnitt (Laparotomie) durchzuführen.

Hysteroskopische Sterilisation

So nennt man eine Sterilisation, die im Zuge einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) stattfindet. Sie bleibt am besten erfahrenen Fachärzten vorbehalten.

Beim Essure®-Verfahren setzt der Gynäkologe über Scheide und Gebärmutter eine Mikrospirale aus Polyester, Nickel-Titan und Edelstahl in jeden Eileiter ein. Die Prozedur dauert rund 15 bis 30 Minuten und erfolgt unter Sedierung (Beruhigungsmittel). Körpergewebe wächst innerhalb von drei Monaten in die Spirale ein, bildet Narben und blockiert so die Eileiter.

Während dieses Vorgangs besteht noch keine Unfruchtbarkeit und daher sind andere Verhütungsmaßnahmen notwendig, will die Frau nicht schwanger werden. Erst, wenn eine spezielle Röntgenuntersuchung die korrekte Lage der Mikrospiralen und den Verschluss der Eileiter bestätigt, kann sie auf die Anwendung einer zusätzlichen Verhütungsmethode verzichten.

Beim Ovabloc®-Verfahren schiebt bzw. spritzt der Frauenarzt einen kleinen, weichen Silikonpfropfen in jeden Eileiter. Somit gelangen Eizellen nur bis zu dieser Blockade und werden von der Schleimhaut des Eileiters aufgesogen. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten und erfolgt in örtlicher Betäubung.

Chemische Sterilisation

Der Vollständigkeit halber sei die chemische Sterilisation erwähnt, die heute nur noch vereinzelt in Entwicklungsländern zum Einsatz kommt und in unseren Breiten nicht zugelassen ist. Bei ihr wird durch das Einspritzen von Quinacrin (alias Mepacrin; ein Malariamittel) in die Eileiter (Quinacrin-Instillation) eine Entzündung, Verklebung und Vernarbung der Tuben provoziert.

Ärzte in OP Kleidung operieren am Operationstisch

Die Sterilisation der Frau ist ein operativer Eingriff. Foto: Adobe Stock, (c) gpointstudio

Sterilisation – welche Risiken birgt sie?

Wie jeder andere Eingriff auch birgt eine Sterilisation das Risiko, dass es zu Infektionen, Verletzungen der Nachbarorgane (Darm, Gebärmutter) oder Blutungen kommt. Oder zu Verwachsungen im Bauchraum. Auch wenn solche Ereignisse eher selten auftreten. Ebenso möglich sind Wundheilungsstörungen im Operationsgebiet. Stellen sich nach dem Eingriff Fieber oder starke Schmerzen ein oder machen sich an der Operationswunde Entzündungszeichen wie z.B. Rötungen bemerkbar, ist daher ärztliche Hilfe angesagt.

Als Komplikationen des Essure®-Verfahrens drohen u.a. irreguläre Blutungen, Unterleibskrämpfe und eine Wanderung der Spiralen im Bauchraum sowie allergische Reaktionen auf die Materialien der Spiralen. Zudem kann der Erfolg ausbleiben, etwa weil das Implantat ausgestoßen wurde oder falsch liegt, sodass ein Eileiter offen bleibt. Auch ist nicht bei jeder Frau die Implantation der Spiralen möglich. Etwa bei Polypen (Schleimhautauswüchse) oder zu engen Eileitern.

Sterilisation bei Frauen – wer macht das?

Eingriffe zur Unfruchtbarmachung von Frauen sind, genauso wie das Gegenteil, medizinische Maßnahmen zur Erfüllung des Kinderwunsches, eine Domäne der Frauenärzte.

Wie sicher ist die Sterilisation?

Die chirurgische Sterilisation gilt – mit einem Pearl-Index von 0,2 – 0,5 –als eine der sichersten Verhütungsmethoden. Wobei die Tubenkoagulation eine höhere kontrazeptive Sicherheit aufweist als der Verschluss der Eileiter per Clip oder Ring. Sie kommt recht nahe an das Ideal, einen Pearl-Index von 0 (keine von 100 Frauen im gebärfähigen Alter, die ein Jahr lang die Verhütungsmethode anwenden, wird schwanger), heran. Den erreicht man aber nach wie vor nur durch sexuelle Enthaltsamkeit oder die operative Entfernung der Gebärmutter oder beider Adnexen.

Kommt es trotz Sterilisation zu einer Schwangerschaft, was selten ist, kann das daran liegen, dass bei der Kontrolluntersuchung unbemerkt bleibt, dass die Eileiter durch die Operation nicht vollständig verschlossen wurden. Oder es hat sich im Laufe der Zeit an der verschlossenen Stelle ein neuer Kanal gebildet, der die Fruchtbarkeit wiederherstellt, wodurch sich allerdings das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöht.

Dementsprechend besteht auch nach der Sterilisation ein geringes Restrisiko, schwanger zu werden.

Übrigens: Sterilisation schützt fast immer vor Schwangerschaft, aber nicht vor HIV, Gonorrhoe, Syphilis oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Ab welchem Alter können Frauen sich sterilisieren lassen?

Laut österreichischem Strafgesetzbuch (§ 90, Absatz 2) beträgt das gesetzliche Mindestalter für eine Sterilisation hierzulande 25 Jahre. Das heißt, prinzipiell kann sich jede Frau, ohne irgendwelche gesundheitlichen Gründe anführen zu müssen, nach dem vollendeten 25. Lebensjahr ihre Eileiter durchtrennen lassen, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Voraussetzung ist eine schriftliche Einwilligung in den Eingriff. Das Einverständnis anderer Personen ist dazu nicht erforderlich. Doch sollten sich verheiratete Frauen mit ihrem Partner absprechen. Denn laut Ehegesetz (EheRÄG 1999) sind Ehebruch und Verweigerung der Fortpflanzung schwerwiegende Eheverfehlungen, die vor dem Eintritt der unheilbaren Zerrüttung als Scheidungsgrund geltend gemacht werden können.

Kosten: Wie teuer ist die Sterilisation der Frau?

 Je nach Operationsverfahren kostet eine Sterilisation einschließlich der Narkose ungefähr 1.000 bis 2.000 Euro (Richtwert).

 Wer zahlt die Sterilisation?

Wählt eine Frau die Sterilisation als Verhütungsmethode, muss sie den finanziellen Aufwand dafür selbst tragen. Es sei denn, eine Schwangerschaft würde ihre Gesundheit (z.B. durch Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung) oder die des Embryos gefährden. Oder gar ihr Leben. Bei einer solchen medizinischen Notwendigkeit übernimmt ihre Krankenkasse unter eng begrenzten Voraussetzungen die Kosten für eine Tubenligatur. Etwa, wenn aus medizinischen oder psychologischen Gründen von einer Schwangerschaft dringend abgeraten wird und die Frau die Pille oder Spirale nicht verträgt.

Wie lange Krankenstand nach Sterilisation?

Nach dem Eingriff empfiehlt sich eine einwöchige Schonung.

Wie lange Schmerzen nach Sterilisation?

 Nach einer laparoskopischen Tubenligatur kann sich noch eine Weile etwas vom in den Bauchraum eingeblasenen Gas als Bauchgrimmen oder Stechen unter den Rippen bemerkbar machen. Doch resorbiert der Körper innerhalb weniger Tage diese Gasreste. Treten jedoch heftige und/oder andauernde Schmerzen auf, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Frau liegt mit Bauchschmerzen im Bett - Nebenwirkungen von Sterilisation

Sollten nach der Sterilisation starke Schmerzen auftreten, solltest du deinen Arzt kontaktieren. Foto: Adobe Stock, (c) milanmarkovic78

Sterilisation der Frau: Was muss ich danach beachten?

Direkt nach einer ambulanten Eileiterdurchtrennung kann es nach der Narkose etwas dauern, bevor man wieder völlig klar im Kopf ist. Daher darf man am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollte auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, sondern sich von Angehörigen, Freunden oder einem Taxi nach Hause fahren lassen. Danach ist Ruhe angesagt, aber auch ein wenig Bewegung, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Zudem kann, bedingt durch die Narkose, leichte Übelkeit auftreten, die jedoch bald wieder abklingt.

Geschlechtsverkehr ist binnen weniger Tage nach dem Eingriff erlaubt, sofern sich die Frau wohlfühlt. Die Sterilisation per se beeinflusst im Normalfall weder Hormonproduktion noch Lustempfinden, doch kann die Gewissheit, nicht ungewollt schwanger werden zu können, befreiend sein und das Liebesleben beflügeln.

Regelblutung nach Sterilisation?

Da die Eierstöcke intakt bleiben, hat eine Sterilisation meist keine hormonellen Auswirkungen, sodass sich der Monatszyklus nicht verändert. Befruchtungsfähige Eizellen können im Eileiter nur noch bis zu der (im Zuge der Sterilisation geschaffenen Unterbrechung) gelangen und lösen sich dort auf.

Dennoch ist eine Störung des Hormonhaushalts durch den Eingriff nicht völlig auszuschließen. Denn bei der Verödung der Eileiter können Blutgefäße des umliegenden Gewebes verletzt werden, wodurch sich die Durchblutung der Eierstöcke verschlechtert. Mit möglichen Folgen wie Stimmungsschwankungen, sexueller Lustlosigkeit, Hitzewallungen, Schlafstörungen (entsprechend eines früheren Einsetzens des Klimakteriums) und Schmierblutungen vor und nach der Regel (selten).

Wie lange kein Sport nach Sterilisation?

Sicherheitshalber ist es ratsam, ein bis zwei Wochen auf sportliche Anstrengungen zu verzichten.

Wie lange verhüten nach Sterilisation?

Eine Tubenligatur ist sofort wirksam, erfordert also keine zusätzlichen Verhütungsmaßnahmen.

Frau sitzt traurig am Bett - Entscheidung zur Sterilisation

Eine voreilige Entscheidung zur Sterilisation kann später zu seelischen Problemen führen. Foto: Adobe Stock, (c) interstid

Was gilt es vor der Sterilisation zu bedenken?

Die Entscheidung für eine Sterilisation will sehr gut überlegt sein, handelt es sich doch um einen recht endgültigen Schritt. Daher empfiehlt es sich, ausführliche Informationen darüber einzuholen, sich mit dem Frauenarzt zu beraten und mit dem Partner abzusprechen, bevor die Entscheidung fällt, die letztendlich allein bei der Frau liegt. Sie darf sich nicht von anderen dazu drängen lassen. Vor allem aber sollte die Familienplanung wirklich endgültig abgeschlossen sein. Denn Lebensumstände können sich verändern, etwa Partner oder Kinder sterben oder es tritt ein neuer Partner ins Leben, der den Kinderwunsch wieder aufflammen lässt.

Untersuchungen zeigen, dass das Risiko, die Entscheidung zur Sterilisation später zu bereuen um so größer ist, desto jünger Frauen bei der Entscheidung waren. Auch in Krisensituationen wie nach einer Trennung oder Scheidung, einem Schwangerschaftsabbruch oder einer belastenden Geburt gilt es, besser nicht übereilt eine Sterilisation anzustreben. Denn war der Entschluss für die Sterilisation nicht reiflich überlegt, können danach seelische Probleme entstehen.

Kann man eine Sterilisation rückgängig machen?

Manche Frauen, die sich einer Sterilisation unterzogen haben, bereuen ihre Entscheidung und suchen nach Wegen, sie ungeschehen zu machen. Und tatsächlich: Dank moderner Mikrochirurgie beherrschen Spezialisten aufwändige Methoden, die Eileiter operativ wieder durchgängig zu machen. Indem sie z.B. die gesetzten Clips entfernen oder die beiden Enden der Eileiter wieder miteinander verbinden.

Doch muss eine solche Refertilisierung nicht glücken. Garantiert also keine Schwangerschaft. Wobei die Erfolgschancen mit zunehmendem Alter der Frau sinken. Dafür steigt das Risiko für eine (lebensbedrohliche) Eileiterschwangerschaft. Zudem beinhalten die Eingriffe ähnliche Operationsrisiken wie die Sterilisation, kosten viel Geld (bis zu 4.500 Euro) und werden im Normalfall nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Als Alternative bietet sich eine künstliche Befruchtung an. Das bedeutet, der Frau entnommene Eizellen werden außerhalb ihres Körpers im Labor mit den Samenzellen ihres Partners zusammengebracht. Nach einer Hormonkur erhält sie ein bis zwei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt.

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