Innovative Trends im kreativen Innenausbau, die du kennen solltest

Kreativer Innenausbau ist ein Spiel zwischen Farben, Formen, Licht und funktionalem Design. Die harmonisch aufeinander abgestimmte Gestaltung der Decken, Wände und Böden bildet die Grundlage, auf der alles weitere aufbaut. Wir wollten mehr darüber wissen und haben Ing. Christian Weißmann, Inhaber der renommierten Innenausbaufirma Weißmann, über innovative Trends im Innenausbau befragt.

 

Frage: Herr Weißmann, Sie sind seit vielen Jahren erfolgreich im Innenausbau tätig und gestalten Räumlichkeiten für Privatpersonen wie auch Unternehmen. Was bedeutet für Sie kreativer Innenausbau?

Herr Weißmann: Was einen kreativen Innenausbau ausmacht, sind oft Kleinigkeiten, die gar nicht explizit wahrnehmbar sind und auch nicht sofort ins Auge springen. Nehmen Sie als Beispiel ein Deckensegel, hinter dem sich die Beleuchtung verbirgt. Eine gerundete Abstufung unterhalb des Deckensegels fällt dem Betrachter nicht sofort ins Auge. Wenn hier eine scharfe Kante wäre, würde das allerdings ein ganz anderes Raumgefühl vermitteln. Dasselbe gilt für gerundete Türeinfassungen.  Auch geschwungene und organischen Formen setzen wir sehr gerne als Gestaltungselement ein. Im 08/15 Innenausbau  findet man beispielsweise meist einen geraden Übergang zwischen Teppich und Stein. Was aber einen echten Unterschied macht, ist ein geschwungener Übergang, der sich auch im Schwung der Möbel und Türen fortsetzt. Und um die Ästhetik eines Raumes zu bewahren, können unsichtbare HiFi-Systeme und TV-Geräte als innovatives Element dezent im Raum integriert werden. Das TV-Gerät ist hinter einem Spiegel versteckt und die Lautsprecher sind völlig unsichtbar in der Wand oder im Möbel verbaut. Letztlich geht es also darum, einen Raum mit kreativen Ideen so zu gestalten, dass ein positives Raumgefühl mit „WOW-Effekt“ erzeugt wird, ohne den Betrachter zu bedrängen.

Kreativer Innenausbau: Umbau eines Büros zu einem repräsentativen Empfangsbereich  im Vergleich vorher und nachher.

Repräsentativer Empfangsbereich eines Büros vor und nach dem Umbau

Foto: Repräsentativer Umbau, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Frage: Die Bodengestaltung beeinflusst das Raumgefühl in sehr hohem Maße – mit welchen Bodenbelägen arbeiten Sie bevorzugt?

Herr Weißmann: Der Designboden ist unser Favorit unter den Bodenbelägen. Er ist im Aufbau einem Laminatboden ähnlich, jedoch komplett aus Kunststoff gefertigt. Der selbstliegende Bodenbelag kann mit jedem Design bedruckt werden, mittlerweile sind auch eigene Wunschdesigns wie etwa das Firmenlogo oder Blumen möglich.  Mit Designböden lässt sich auch in öffentlichen Bereichen eine sehr gute Wohnatmosphäre schaffen. Parkettböden sind beispielsweise sehr schön, aber gleichzeitig sehr beschränkt in der Nutzung und vor allem in Geschäftslokalen, Büros oder öffentlichen Bereichen aufgrund des Verschmutzungsgrades problematisch. Eine echte Alternative sind hier Designböden, die mit sehr guten Fotografien echter Holzbretter arbeiten. Damit hat man die Optik eines Parkettbodens und die Strapazierfähigkeit eines Kunststoffbelags. Einen echten Parkettboden müsste man in stark genutzten Bereichen vermutlich nach der ersten Saison austauschen.

Kreativer Innenausbau: Designboden mit Parkettoptik. Materialstärke lediglich 2 mm, dabei aber höchst belastbar. Ausgezeichnet geeignet für Schauräume, Büros, Boutiquen, usw.

Designbodenbelag: Die Verlegung erfolgt wie bei echtem Parkett. Die Materialstärke beträgt lediglich 2 mm, ist dabei aber höchst belastbar. Ausgezeichnet geeignet für Schauräume, Büros, Boutiquen, usw.

Foto: Hoch beanspruchbarer Parkettdesignboden, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Frage: Wenn der Kunde im Büro oder Loungebereich einen Teppich vorzieht, welche Möglichkeiten gibt es hier, um die gefürchteten „Kaffeestraßen“ zu vermeiden?

Herr Weißmann: In Büroräumen ist das Verschütten von Kaffee tatsächlich oft ein Problem. Der Kaffee geht so tief in die Fasern hinein, dass es den Tod eines jeden Teppich bedeutet. Wir verwenden daher für stark beanspruchte Räumlichkeiten ein innovatives Produkt namens Flotex. Die Fasern des Materials sind nur zwei Millimeter lang und werden elektrostatisch auf das Grundmaterial aufgebracht. Das bewirkt, dass jedes Härchen zu 100 Prozent senkrecht steht. Etwa 18 Mio. Fasern werden pro Quadratmeter aufgebracht,  im Vergleich dazu besitzt ein normaler Teppich vielleicht 2 Mio. Fasern pro Quadratmeter. Der Textilbelag ist so dicht, dass keine Flüssigkeit eindringen kann und man den Kaffee mit einem Tuch wegwischen kann. Generell ist das Material sehr pflegeleicht, Verunreinigungen lassen sich mit einem Naßsauger ohne Chemieeinsatz und sogar mit einem Hochdruckreiniger entfernen.

Wasserfester Teppich Flotex

1. Wasserfester Flotex Teppich – 2. Flotex Teppich mit Randfries

Foto: Flotex Teppiche, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Frage: Türen sind ein wesentliches Gestaltungselement im Innenausbau. Welche innovativen Lösungen bieten Sie in diesem Bereich an?

Herr Weißmann: Hier sind vor allem die Schiebetüren der neuen Generation zu nennen. Es handelt sich dabei um wandlaufende Schiebetüren, die im Gegensatz zu herkömmlichen Schiebetüren das Türblatt nicht vor die Wand schieben, sondern in die Wand hinein, und das bei lediglich zehn Zentimeter Wandstärke. Die Türe verschwindet optisch komplett in der Wand, wodurch der Raum seitlich von der Türöffnung genutzt werden kann. Wandlaufende Schiebetüren sind daher vor allem bei beengten Platzverhältnissen wie etwa im Dachausbau ideal, oder für Türen geeignet, die meist offenstehen – also zum Beispiel zwischen Küche und Esszimmer. Auch gebogene Schiebetüren und elektrisch angetriebene Systeme sind hier möglich.

Kreativer Innenausbau:  Zweiflügelige Schiebetüren mit Synchronantrieb,  Vollbau- oder Nurglastüren in gerader oder gebogener Ausführung.

Zweiflügelige Schiebetüren mit Synchronantrieb, Vollbau- oder Nurglastüren in gerader oder gebogener Ausführung. Sämtliche Designwünsche können bei in der Wand laufenden Schiebetüren umgesetzt werden.

Foto: Wandlaufende Schiebetüren, Ing. Christian Weißmann GmbH.

 

Frage: In öffentlichen Räumen ist vielfach auch die Akustik ein wichtiges Thema. Gibt es in diesem Bereich innovative Lösungen?

Herr Weißmann: Das Thema Raumakustik beginnt eigentlich jetzt erst in den Köpfen zu reifen. In Österreich werden in diesem Bereich noch kapitale Fehler gemacht, auch in der Gastronomie. Da ist beispielsweise das Restaurant vom Design her perfekt ausgestattet, aber man hat auf die Akustik vergessen. Wenn die Tische eng aneinander gestellt sind, hören Sie den übernächsten Nachbar lauter als Ihre eigene Begleitung oder der Lärmpegel ist extrem hoch. Es gibt natürlich schon diverse Akustiklösungen, aber akustisch absorbierende Materialien müssen weich oder grob strukturiert sein und können die ästhetischen Vorgaben der Architektur oft nicht erfüllen. Das hochinnovative BASWA System löst dieses Problem durch eine dezente und unsichtbare Akustiklösung. Das System bietet die Möglichkeit, eine vollkommen glatte Decke zu bauen, die akustisch hochaktiv ist und jeden Nachhall perfekt herausfiltert. Auch runde Flächen wie etwa Gewölbe lassen sich schallabsorbierend beschichten. Und idealerweise kann man das System auch mit einer Kühldecke kombinieren.

Kreativer Innenausbau: Akustische Dämmung im Gewölbe mit BASWA phon fine.

BASWA phon fine ist auf das historische Gewölbe aufgebracht. Der feinstporige Marmorputz ermöglicht völlig glatte Oberflächen, bleibt aber akustisch hochwirksam.

Foto: BASWA Phon,“Bellis Bar“in Kopenhagen, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Frage: Was genau ist eine Kühldecke und wie lässt sie sich im kreativen Innenausbau einsetzen?

Herr Weißmann: Kühldecken sind ein innovatives Produkt, das jetzt wirklich Marktreife hat. Mittlerweile ist eine Kühldecke als Klimaanlage UND als alternative Heizung einsetzbar. Das stellt unser heute gewohntes Bild von Heizen natürlich völlig auf den Kopf. Aber die Kühldecke ist am besten Weg, sich so durchzusetzen, wie sich heute die Fußbodenheizung durchgesetzt hat. Das System funktioniert ähnlich wie eine Fußbodenheizung über einen geschlossenen Wasserkreislauf und einen Wärmetauscher, der im Winter das Wasser erwärmt und im Sommer kühlt. In modernen Bürogebäuden, Krankenhäusern oder Flughäfen sind Kühldecken mittlerweile Standard, nur im privaten Bereich ist das System noch nicht wirklich bekannt. Die Kühldecke hat heute immer noch den Nimbus des Teuren und Unerschwinglichen. Sie ist auch teuer mit 160 Euro pro Quadratmeter,  sofern man bereits eine herkömmliche Heizung in Verwendung hat und dann noch in eine Kühldecke investiert. Das ist Luxus. Wenn man aber eine Heiz/Kühldecke anstelle einer herkömmlichen Heizung anschafft, dann ist das unerheblich teurer und man hat den Mehrwert, dass man im Sommer vollkommen geräuschlos,  zugfrei und kostengünstig kühlen kann, ohne die Luft zu entfeuchten. Das ist ein Zukunftsmodell, in 30 Jahren wird jeder sagen „Kühldecke, ja klar – was sonst?“

Kreativer Innenausbau: Kühldecken, die gleichzeitig Klimaanlage und Heizung sind.

Kühl- bzw. Heizdecken sind komplexe Systeme. Durch zirkulierende Wasserleitungen wird die Zwischendeckenoberfläche abgekühlt oder aufgeheizt.

Foto: Kühldeckensystem, Ing. Christian Weißmann GmbH.

 

Frage:  Sie haben die Kombinationsmöglichkeit des BASWA-Akustiksystems mit einer Kühldecke angesprochen – ist das aus technischer Sicht nicht ein Widerspruch?

Herr Weißmann: Eigentlich schließen sich Schalldämmung und Kühldecke aus technischen Gründen aus, weil man mit jeder Schalldämmung im Grunde genommen eine Wärmedämmung aufbringt. Damit ist die Kühldecke tot. BASWA hat allerdings ein hochinnovatives Spezialsystem entwickelt, bei dem sich die Akustikdämmung hinter der Kühl- bzw. Heizebene befindet. Und da geht es dann eben doch.

Baswa Akustiklösung im Kombination mit einer Kühldecke

Das Kühlmedium wird durch die Kapillarrohre geleitet und kühlt die Deckenoberfläche effizient ab. Durch den offenporigen Marmorputz kann der Schall in die dahinterliegende Mineralwolle eindringen und läuft sich dort tot. Unangenehme Schallreflexionen werden vehindert.

Foto: BASWA Aktustiklösung, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Frage: Welche innovativen Produkte finden sich bei Baumaterialien, die erwähnt werden sollten?

Herr Weißmann: Es gibt im Innenausbau zum Beispiel moderne Baustoffe, die als Luftwäscher funktionieren und in der Lage sind, bis zu einem gewissen Grad Schadstoffe aus der Luft herauszunehmen. Die Gipsplatten werden mit einem  Mineral angereichert, das die Eigenschaft hat, Schadstoffe auf molekularer Ebene zu binden. Auf diese Weise ist man in der Lage, langjährig die Raumluft zu verbessern. Dazu gibt es auch schon Untersuchungen. Der Baustoff ist im normalen Deckenausbau verwendbar. Kein „must have“ aber „nice to have“.

 

Frage: Wie sieht es im Bereich der Lichttechnik aus, gibt es hier interessante Innovationen?

Herr Weißmann: Interessant ist, dass LEDs eine österreichische Innovation sind. Dass es heute LEDs gibt, verdanken wir der TU Graz, die dieses System erfunden hat. Seit kurzem werden biodynamische LED-Systeme angeboten, die den Biorhythmus sehr positiv beeinflussen, indem sie Tageslicht sehr gut wiedergeben und den natürlichen Tagesverlauf simulieren. Es lassen sich auch spezielle Lichtfarben einstellen, die aktivierend oder beruhigend wirken. Wenn man beispielsweise eine anstrengende Aufgabe zu erledigen hat, wählt man eine aktivierende Farbe, und am Abend stellt man dann ein anderes Licht ein. Diese Lichttechnik beginnt gerade marktreif zu werden, die Systeme und die Steuerungen gibt es schon seit etwa einem Jahr. Momentan sagt jeder, wofür brauche ich diesen Schnickschnack, aber schauen wir einmal in zehn Jahren.

 

Frage:  In der Bauwirtschaft ist derzeit ein starker Trend zum Generalunternehmer zu beobachten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Herr Weißmann: Der Trend zu Komplettlösungen im Innenausbau ist definitiv ein Thema. Bauen ist ein hochkomplexes Unterfangen und viele Bauherrn haben einfach keine Lust, sich mit mehreren Professionisten gleichzeitig herumzuschlagen. Wenn man nicht aus der Branche kommt, ist es sehr schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen, was es überhaupt gibt, und zu durchblicken, wer was wann wie machen muss. Da gibt es dann bei Baubesprechungen das berühmte Ringelreihen-Spiel, wo keiner verantwortlich ist, wenn etwas nicht funktioniert. Für einen Bauherrn, der nicht aus der Branche kommt, kann das fatale Folgen haben. Und genau das ist der Grund, warum Generalunternehmer vor allem im Umbaubereich gefragt sind. Beauftragt man als Bauherr einen Generalunternehmer, dann hat man einfach den Vorteil, dass man nur einen Ansprechpartner hat, der für alles zuständig ist und auch die Haftung trägt. Der Generalunternehmer macht das natürlich auch nicht umsonst, als Bauherr muss man hier Kosten und Nutzen abwägen. Wenn der Preis im Vordergrund steht und wenn es egal ist, ob das Bauvorhaben ein halbes Jahr früher oder später fertig wird, kann man es auch selbst machen. Beim Umbau eines Geschäftslokales ist das weniger sinnvoll. Vor allem dann, wenn man laufende Kosten hat und seine Ware während der Umbauarbeiten nicht verkaufen kann. Dann relativieren sich die Kosten eines Generalunternehmers mit ein paar Prozent Aufschlag.

Kreativer Innenausbau: Büroumbau Dachgeschoß

Selbst bei kleineren Umbauten sind bereits mehrere Gewerke zu koordinieren: Trockenbau, Elektro, Bodenleger, Maler, Möblierung, usw. Generalunternehmer entlasten den Bauherren bei der Baustellenabwicklung entscheidend. Außerdem haften nicht nur die Einzelgewerke für ihre Leistung, sondern auch der Generalunternehmer.

Foto: Büroumbau Dachgeschoß, Ing. Christian Weißmann GmbH

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Eveline Stopfer ist freie Bloggerin und schreibt für Unternehmen, Online-Plattformen und Fachzeitschriften.