Mazda MX-5: Go-Kart für erwachsene Kinder

So geht Spaßmacher-Roadster: Mit behendem Klick-klack-klick-klack wedelst du durch die Großstadt-Straßenschluchten, den Hintern höllisch knapp über dem Boden geparkt, und an einer roten Ampel machst du dann Schnick-Wisch-Schnack, dann bist du offen für alles und schaust befreit nach oben in den Himmel, während die anderen Verkehrsteilnehmer in ihren verlöteten Banalkisten neidisch zu dir nach unten sehen, dann leuchtet auch noch die Farbe Grün auf, und mit einem neuerlichen wieselflinken Klick-klack geht es los, dem ganz großen Spaß entgegen.

Damit ist eigentlich schon alles über dieses großartige kleine Auto gesagt, das die Japaner für den Frühling und den Sommer gebaut haben – und das sie nun, nicht ganz 30 Jahre nach Einführung der Erstauflage, soeben neu auf die Straße brachten:

Der Mazda MX-5 ist ein sensationell cooles Go-Kart. Ein Spaßmacher für jene unter uns, die sich gerne einen Zweitwagen leisten wollen und im Leben nicht genug familiären oder sonstigen Ballast angehäuft haben, dass dieser ein Van oder ein Kombi oder jedenfalls eine alltagstaugliche Funktionskutsche sein muss. Sondern ein Fahrzeug, das man an sonnendurchfluteten Sonntagen unbeschwert aus der Garage holt, um sich damit einfach nur selbst in den ultimativst denkbaren Gutelaune-Modus zu versetzen – zum Beispiel für eine Fahrt ins Grüne, womöglich an irgendeinen See im Salzkammergut oder in Kärnten, oder vielleicht auch sogar für ein langes Wochenende ans Meer.

 

Seit Jahrzehnten gut

Mazda MX-5

Bild: Mazda

Der Mazda MX-5 also. Haken wir zunächst kurz die Fakten ab: Gebaut wird das Auto seit knapp drei Jahrzehnten, und der kleine Roadster wurde in seinen ersten drei Generationen weltweit zum Bestseller. Seit wenigen Monaten nun ist die komplette Neuauflage auf dem Markt, die alles gleich macht wie ihre Vorgänger, nur besser. Die jedoch außerdem immer noch genauso wohlfeil ist, genauso nahe am automobilen Purismus angesiedelt, genauso direkt, und auch genauso cool. Es gibt den MX-5 neu in zwei Motorisierungsvarianten (131 und 160 PS) sowie in fünf Ausstattungslinien (Emotion, Attraction, Challenge, Revolution und Revolution Top) ab 26.090,- Euro. In der besten Ausstattung – also mit eh allem – und der starken 160-PS-Motorisierung kommt der Roadster dann auf rund 35.000 Euro. Wie gesagt: Das ist nicht ungünstig für so ein Auto, und der MX-5 ist damit derzeit noch einigermaßen konkurrenzlos auf dem Markt.

„Derzeit noch“ deshalb, weil Fiat bereits sehr bald den baugleichen Spider 124 bringen wird, der ebenfalls in Hiroshima hergestellt wird, mit dem MX-5 bis auf Design-Äußerlichkeiten ident ist und damit genauso sexy auf seinen vier Rädern stehen wird. Auch preislich werden sich die zweieiigen Zwillinge wohl in die Quere kommen. Wer welche Variante kauft, wird wohl in erster Linie davon abhängen, wie italophil der Pilot oder die Pilotin ist. Und wie nahe er oder sie mit dem Roadster an dessen Geschichte dran sein möchte, die Mazda heißt und japanisch ist.

 

Die vier tollen Stärken des Mazda MX-5

Handeln wir nun Punkt für Punkt die Gimmicks dieses kleinen Spaßautos ab, wie sie im ersten Absatz bereits kurz angerissen wurden:

Klick-klack-klick-klack: Die Handschaltung im MX-5 ist schlicht sensationell – das Beste, was handschaltungsmäßig derzeit zu haben ist. Eine Automatik, von vielen Kunden immer wieder gewünscht, wäre hier völlig fehl am Platze und würde zur Setz-dich-rein-und-fahr-los-Charakteristik des Mazda überhaupt nicht passen. Kürzeste Schaltwege, der kleine Knüppel liegt taktil großartig in der Hand, es macht klick und klack und du würdest am liebsten die ganze Zeit nur mehr schalten. Genial.

Mazda MX-5

Bild: Mazda

Schnick-und-Wisch-und-Schnack: Wir sprechen hier vom Dach, das in seinen Genen der Schaltung nicht unähnlich ist. Man bedient es von Hand – aber das ist um Lichtjahre kühler, als das Dachaufmachen bei all diesen automatischen Stahldach-Cabrios funktioniert: Hand nach oben, Schnapper lösen („Schnick“), mit fließender Bewegung aus der rechten Schulter heraus das Dach fast ohne Kraftaufwand nach hinten schieben („Wisch“) und es dort einrasten lassen („Schnack“) – erledigt. Dauert nach einigen Übungsöffnungen maximal fünf Sekunden und lässt die anderen Verkehrsteilnehmer rechts und links an den Kreuzungen vor Neid mit den Augen rollen. Zurück geht es, Schnack-und-zieh-und-schnick, übrigens genauso leicht und genauso schnell. Das ist der beste Dachöffnungsmechanismus ever, und wir vom HEROLD Blog können dazu nur sagen: Glaub uns, du wirst das lieben!

Die Nähe zur Straße und die Enge: Ja, im MX-5 sitzt man sehr, sehr tief unten – und außerdem auf eine gerade noch akzeptable Weise beengt. Das macht das Ein- und Aussteigen ein wenig kompliziert, weil das Auto für bewegliche Menschen gebaut ist und man ab, sagen wir: Alter 50 plus, durchaus ein wenig darüber nachdenken muss, wie man das Rein- und Rauskraxeln auf elegante Weise bewältigt und sich nicht zur Lachnummer für die Passanten macht. Aber es geht schon. Das gehört einfach zu diesem Auto dazu, dass es sich an seinen Besitzer und dessen Beifahrerin – natürlich auch umgekehrt – ankuschelt. Viel Platz wurde innen drin nicht verschwendet. Und weil man wirklich lediglich 30 oder 35 Zentimeter über der Straße hockt, zieht das Leben draußen mindestens zwei oder drei Etagen höher vorbei. Radfahrer erscheinen dir als Giganten. Und rauscht ein SUV vorbei, glaubst du ohnehin, dessen Fahrer logiert ganz oben auf den Gipfeln des Himalaya. Ampeln sind schillernde Satelliten in der Umlaufbahn. Doch hat man sich einmal an das Leben direkt unten auf der Straße gewöhnt, ist das richtig, richtig gut. Go-Kart-Feeling eben. Und wir sind ja schließlich alle irgendwie doch noch kleine Buben und Mädchen, die sich gerne ans Autodromfahren von früher erinnern. Oder?

Go-Kart-Feeling: Im Mazda ist tatsächlich alles Go-Kart, und zwar auf die beste denkbare Weise. Die Lenkung? Sagenhaft direkt. Der Sound? Extrem gut designt – ein nettes kleinen Röhren, die Toningenieure in Japan haben einen super Job abgeliefert. Der Motor? Ist in der von Herold getesteten 131-PS-Variante völlig ausreichend. Weil das ganze Auto so leicht ist, fühlt man sich in Sachen Beschleunigung und Handling ohnehin permanent wie in einem Sportwagen.

 

Und dauernd wirst du angequatscht …

Mazda MX-5

Bild: Mazda

Die Ausstattung ist natürlich weit besser, als man es von einem Go-Kart erwarten würde. Bose-Soundsystem, Navi, Regensensor, Ledersitze, Tempomat, Spurwechselassistent, Lichtassistent und so weiter, alles da – wenn man es will. Ein Extra, das fix ins Auto eingebaut wurde, allerdings gar nicht auf der Aufpreisliste aufscheint und daher nicht extra bezahlt werden muss, ist der Sozialinteraktionsautomat. Es verhält sich nämlich so: Bist du mit diesem Auto unterwegs, wirst du dauernd angequatscht. Das geht natürlich vor allem dann ganz leicht, wenn du mit offenem Dach promenierst, was ohnehin die einzig adäquate Art der Fortbewegung mit dem MX-5 ist. Bist du ein Pilot, werfen dir die schönsten Frauen permanent verführerische Blicke zu. Und bist du eine Pilotin, umtanzen dich pausenlos hormongesteuerte Asphalt-Desperados. Das ist auch in Ordnung so, denn für Verheiratete mit fünf Kindern ist der MX-5 ohnehin das völlig falsche Auto.

So sieht der Alltag mit dem kleinen Mazda also aus, man wird sich mit diesem Wagen jedenfalls kaum je alleine fühlen.

 

Besonderheit: „Soul Red“

Mazda MX-5

Bild: Mazda

Ein Wort noch zu einer Besonderheit, die sich „Soul Red“ nennt: An sich gilt für geschmackvolle Menschen ja der Grundsatz, dass die Farbe ihrer Autos normalerweise das schwärzeste jeweils erhältliche Schwarz sein sollte, weil fast alle Autos eben nur in Schwarz richtig gut aussehen. Nicht so jedoch der MX-5, dem jener von Mazda erfundene, warme Rot-Ton sogar noch ein klein wenig besser steht. Dass die Japaner kühl genug waren, dieser tollen Metallic-Farbe den Namen „Soul Red“ zu geben, spricht für sie. So, wie es überhaupt für sie spricht, dass sie sich nach 27 Jahren noch einmal dazu aufgeschwungen haben, ein derart feines Fahrzeug für Menschen zu bauen, die an sich schon alles haben, aber immer noch diese brennende Sehnsucht im Herzen spüren, abseits all der perfekten Alltagsautos das Kind im Mann oder in der Frau  in einem verrückten kleinen Roadster noch ein wenig spielen zu lassen.

Danke, Mazda, dass ihr dieses Auto neu gemacht habt! Und Forza, Fiat, wenn ihr im Sommer 2016 euren Spider bringt!

 

Mazda MX-5 G130 Revolution

Preis Herold-Testwagen: EUR 31.590,-

Motor: 4 Zylinder Benziner, 6-Gang-Schaltgetriebe

Hubraum: 1.496 ccm

Leistung: 96 KW (131 PS), 150 Nm max. Drehmoment

Spitze: 204 km/h, 0 bis 100 km/h in 8,3 sec

Verbrauch Testwagen: 6,7 l /100 km/h (Eurosuper)

CO2-Verbrauch: 139 g/km

Lust auf den neuen MX-5 oder zumindest eine Testfahrt? Hier finden du den Mazda-Händler in deiner Nähe!

Klaus Puchleitner

Klaus Puchleitner ist Autor und Redaktionsmitglied des Wirtschaftsmagazins trend. Daneben betreibt er ein Blog (http://klauspuchleitner.wordpress.com) und schreibt als freier Journalist immer wieder für Medien wie "Falstaff", "bestseller" oder "Horizont" über verschiedene Themen.