Wo bekommst du das beste Pastrami Sandwich in Wien? Ein Testbericht.

Pastrami Sandwich

Pastrami Sandwich Wien. Foto: (c) Herold

Auch beim Essen gibt es Modeerscheinungen – Verzeihung, Foodtrends. Der veganen Bewegung weht ein scharfer, geräucherter Wind entgegen: rotes Fleisch! Zuerst war es roh als Revival des Beef Tatar, dann blutig bis rare in den Steakhäusern und jetzt ist es idealerweise warm, geräuchert und liegt zwischen zwei Roggenbrotscheiben: Pastrami ist in aller Munde!

Wenn es in Wien nicht so wenige Lokale gäbe, die Pastrami Sandwich anbieten, hätte ich auf Grund dramatisch angestiegener Harnsäurewerte ziemlich sicher schon die Gicht. Aber das Angebot ist überschaubar, und so war es der pure Genuss, mich in den letzten Wochen durch Wien zu essen. Und ich werde verraten, wo es das beste Pastrami Sandwich gibt – versprochen.

Pastrami: Was ist das überhaupt?

Bis vor ein paar Jahren, also bevor ich meinen persönlichen Gott unter den Gastrokritikern auf facebook über Pastrami schwärmen las, war mir dieses ganz spezielle Sandwich kein Begriff. Aber ich lernte: Rinderbrust wird mit Gewürzen und Kräutern wie Basilikum, Majoran, Knoblauch, Kerbel, Petersilie, Oregano, Ingwer, Bohnenkraut, Liebstöckl, Thymian, Rosmarin, Lorbeer gewürzt, gepökelt und geräuchert. Nach einem langwierigen Prozess wird das Fleisch warm von Hand aufgeschnitten und in großzügiger Menge zwischen zwei Brotscheiben platziert. Das Brot ist traditionell Roggenbrot, dann kommt noch Senf hinein und Cole Slaw, also Krautsalat, dazu.

Woher kommt das Pastrami Sandwich?

Gerichte mit Geschichte! Dieser weltberühmte Snack, der sich ganz schnell zum überaus sättigenden Hauptgericht ausgeweitet hat, wurde wahrscheinlich in Rumänien erfunden und das schon Ende des 19. Jahrhunderts. Gut Ding braucht Weile. Die jüdische Community brachte es in die USA, wo es nicht nur untern den New Yorkern als Nationalgericht gilt.

Wer NYC besucht, geht sicher in eines der Delis und bestellt dort ein Reuben Sandwich, also ein Pastramisandwich inklusive Käsescheibe und Sauerkraut. Ein waschechter New Yorker, den ich kenne, macht das auch immer, wenn er länger verreist war. Er meint übrigens, dass die kleinen, unscheinbaren Delis oft das bessere Pastrami Sandwich bieten, als das berühmte Katz’s Delicatessen, das nicht zuletzt durch den Film Harry & Sally berühmt gewordenen ist. Harry isst das Sandwich, während Sally … genau. Bei Katz’s dauert die „Pastramisierung“ des Rindfleischs 30 Tage. Ein echtes Slow Food!

Wie mache ich selber ein Pastrami Sandwich?

Es geht, nichts ist unmöglich. Wer eine Woche Zeit hat, liest hier weiter. Wer nicht verhungern will, geht zum Fleischhauer und kauft ein, denn einige bieten erstklassiges Pastrami an – das Fleisch, nicht das Sandwich. Das gibt dir die Möglichkeit diese Köstlichkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort zu genießen. Es ist dann eher als Snack zu sehen, als ganz besonderes, belegtes Brot. Gutes Pastrami bekommst du zum Beispiel hier:

Wo kann ich in Wien das beste Pastrami Sandwich essen?

Ich habe mehr getestet, als in der folgenden Liste aufscheint. Aber über manches muss man einfach den Mantel des Schweigens breiten …
Hier kommt also die kurze Hitliste der Guten!

Platz 3: Unger & Klein im Hochhaus

Das kleinste Unger und Klein ist ein chicer Glaszylinder an prominenter Adresse und allein schon innenarchitektonisch und wegen des Kaffees einen Besuch wert. Das Pastrami Sandwich gibt es oft, aber nicht immer. Manchmal ist es aus verständlichen Gründen aufgegessen. Es ist ein kleines Sandwich, kalt, handlich und gut für den spontanen Hunger zwischendurch. Das Pastrami ist rund einen Zentimeter hoch geschichtet und von Salatgurkenscheiben begleitet, das Brot wirkt vollwertig, dunkel und verwöhnt mit einer knusprigen Kruste. Drinnen ist außerdem eine Art Sour Cream und süßer Senf. Insgesamt ein wohlschmeckender Snack und vermutlich die wieder auferstandene Ur-Version des Pastrami Sandwiches.
Dazu: Rhabarber Saft

Unger & Klein, 1010 Wien

Platz 2: The Brickmakers Ale & Cider House

Vor wenigen Wochen ging das Brickmakers samt Pastrami Sandwich auf der Karte in der Wiener Gastronomie Szene an den Start und ist seit dem ersten Tag immer voll. Das großes Lokal ist stylisch und gemütlich zugleich, und ohne Reservierung herzukommen ist ein ziemlich  kühnes Vorhaben. Hier kann man mit Fleisch umgehen, dass es eine Freude ist. Und das mit dem Sandwich meinen die richtig ernst: Fünf Zentimeter hoch wird das Fleisch warm zwischen die Brotscheiben geschichtet, der Deckel des Sandwiches ist getoastet. Weiter drinnen im belegten Brot ist körniger Senf, und als Begleitung gibt es ganz traditionell einen hervorragenden Red Slaw. Das Fleisch war erstaunlich mild, die Portion ist riesig – eine volle Mahlzeit für richtige Kerle.
Dazu: Craft Beer

The Brickmakers Ale & Cider House, 1070 Wien

Platz 1: Sandwich und more im Reisinger’s

Foto: (c) reisinger's

Leckeres Pastrami Sandwich. Foto: (c) reisinger’s

Platz 1. Deutlich. Mein absoluter Favorit. Das Reisinger’s macht immer wieder Küchenexperimente, und diesem Lokal auf facebook zu folgen, macht durchaus Sinn. Damit man zum Beispiel nicht versäumt, wie sich ein entspannter Haufen Menschen an einem sonnigen Vormittag am Yppenplatz voller Vorfreude für ein Pastrami Sandwich anstellt. Ich persönlich würde für dieses Sandwich noch viel mehr tun: Das Roggenbrot ist ein echtes Sandwichbrot, das Fleisch von Hand geschnitten und sechs Zentimeter hoch gestapelt, warm, so saftig, aromatisch, es zerfällt einem im Mund. Der Senf ist hausgemacht und das schmeckt man. Dazu reicht man Eingelegtes von Staud’s – eine österreichische Variante. Ausgewogen das Verhältnis Fleisch zu Brot und die Portion einer Hauptspeise würdig, aber nicht so riesig, dass man es nicht aufessen kann, ohne dass einem schlecht würde. Denn stehen lassen würde man es niemals, das beste Pastrami Sandwich der Stadt. Man kann es nicht oft genug sagen: Dieses Essen macht glücklich.
Dazu: 1/8 Weisswein, zum Beispiel Huxelrebe

Pastramizeiten: immer Di bis Do 17.00–22.00 Uhr Uhr
Tipp: first come, first served, also keine Reservierung möglich



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