Grippeimpfung: Ist sie sinnvoll und wenn ja, für wen?

Grippeimpfung

Warum muss die Grippeimpfung jährlich wiederholt werden? Wir verraten es dir. Foto: Adobe Stock; (c) Production Perig

Sie kommt jedes Jahr so sicher wie der Winter: eine Grippewelle. Dann hüten wieder unzählige Patienten mit Fieber, Husten, Gliederschmerzen und Co. das Bett. Junge, gesunde Menschen überstehen diese Infektion oft unbeschadet. Senioren und Menschen mit einer Vorerkrankung hingegen drohen bei einer Influenza Komplikationen wie z. B. eine Lungenentzündung oder ein Herzmuskelschaden etc. Für viele endet die echte Grippe sogar tödlich. Doch diese Folgen kann man vermeiden: mit der Grippeimpfung. Wie jede andere Impfung (Schutzimpfung, Vakzination, Immunisierung) hat auch die Grippeimpfung Befürworter und Gegner. Wir klären auf und beleuchten alle Vor- und Nachteile dieser Impfung.

Grippeimpfung: Warum gegen Grippe impfen?

Es gibt mehrere Gründe, sich gegen Grippeviren immunisieren zu lassen:

  • Komplikationen: Die Influenza führt unter Umständen zu schweren bis lebensbedrohlichen Komplikationen.
  • Todesfälle: Die Influenza hat bereits Millionen von Menschen das Leben gekostet (z. B. gegen Ende des Ersten Weltkrieges weltweit rund 20 Millionen).
  • Ansteckungsgefahr: Oft stecken Kinder alte und damit komplikationsgefährdete Menschen mit Grippe an, die dann einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen.
  • Herdenimmunität: Die Impfung verleiht nicht nur den Geimpften Immunität, sondern verhindert auch, dass sie die Grippe auf andere Personen (”die Kleinen schützen die Großen”) mit weniger guter Abwehr übertragen wird. Deshalb empfiehlt es sich, eine hohe Durchimpfungsrate anzustreben und somit eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen: Je mehr Personen geimpft sind, desto weniger können sich die Krankheitserreger verbreiten.

Vor Erkältungskrankheiten (grippaler Infekt), die ja nicht von Grippeviren, sondern von anderen Viren hervorgerufen werden, bietet die Grippeimpfung allerdings keinen Schutz. Auch nicht vor Pandemie-Viren wie dem Vogelgrippe -Virus Typ H5N1, wobei sich Menschen nur in seltenen Ausnahmefällen damit anstecken, denn das Vogelgrippe-Virus überträgt sich prinzipiell nur von Vogel zu Vogel.

Grippeimpfstoffe: Übersicht

Die diversen Grippe-Impfstoffe unterscheiden sich ein wenig in ihrem Aufbau. Demnach unterteilt man sie in

  • Ganzvirusimpfstoffe: besonders gut immunogenen, aber am stärksten mit Nebenwirkungen behafteten
  • Subunitimpfstoffe: besonders gut verträglichen, aber etwas weniger effektiv
  • Spaltvirusimpfstoffe: ein Mittelding aus Ganzvirusimpfstoffen und Subunitimpfstoffen
  • intranasaler Lebendimpfstoff: eignet sich am besten für Kinder ab 24 Monaten und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Nicht empfehlenswert für immunsupprimierte, an einer Immunschwäche oder Asthma leidende Personen. Weist nur eine kurze Haltbarkeit (18 Wochen) auf. Kann auf Kontaktpersonen des Impflings übertragen werden. Außerdem sind diese Grippeimpfstoffe teurer als andere.

Auch gibt es eine Neuentwicklung in Form eines Impfstoffs, der mit einer Mikrokanüle in die oberste Hautschicht (intradermal), wo viele Zellen des Immunsystems sitzen, injiziert wird. Dieser weist jedoch eine etwas erhöhte Rate an Lokalreaktionen auf im Vergleich zu intramuskulär verabreichten Grippeimpfstoffen, ist aber vorteilhaft, wenn intramuskuläre Injektionen unangebracht sind (z. B. bei Einnahme von Blutverdünnungsmitteln).

Am meisten verwendet werden als intramuskuläre Injektion in den Oberarm zu verabreichende Spaltvirus- und Subunitimpfstoffe. Die Auswahl des Impfstoffs und seiner Dosis trifft der Arzt je nach Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Konstitution des Impflings. So sollte beispielsweise bei Kindern und Frauen im gebärfähigen Alter ein thiomersalfreier Impfstoff zum Einsatz kommen. Kinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr sollten die halbe Erwachsenendosis oder einen speziellen Kinderimpfstoff erhalten, Senioren einen speziellen Impfstoff für ältere Personen.

Grippeimpfung: Schutzrate – Schutzdauer

Grippeimpfstoffe werden jedes Jahr – anhand von Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) an die jeweils vorherrschenden Stämme (zwei verschiedene A- und ein oder zwei unterschiedliche B-Typen) von Grippeviren angepasst und gewähren somit eine Schutzdauer von maximal einem Jahr. Deshalb ist jeden Herbst (am besten Ende Oktober) bzw. Winter eine Einzelimpfung bzw. sind bei Personen mit einer Abwehrschwäche 2 Impfungen (z.B. im Oktober und im Februar) und bei Kindern unter 3 Jahren 2 Impfungen im Abstand von einigen Wochen angesagt, will man vor der Influenza geschützt sein.

Der Impfschutz erreicht etwa zwei bis drei Wochen nach der Impfung seine volle Wirksamkeit. Das klappt aber nicht immer, denn die Fähigkeit von Grippeimpfungen, vor der Infektion zu bewahren, liegt im Durchschnitt – je nach Impfstoff und Zielgruppe – in der Größenordnung von nur 60 bis 70%, was unter anderem daran liegt, dass die meisten Grippeimpfstoffe auf befruchteten Hühnereiern gezüchtet werden. Daran sind menschenpathogene Influenzastämme nicht adaptiert. Daher müssen Impfstoffe erst manipuliert werden, um sich in diesem Medium zu vermehren. Das hat zur Folge, dass sie sich verändern, z.B. ihre Fähigkeit, eine Immunantwort auszulösen, (teilweise) einbüßen.

Kreuzimmunität: Jährliche Impfung steigert die Schutzrate

Bedeutend besser ist es um den Schutz vor influenzabedingten Komplikationen durch eine Grippeimpfung bestellt. Zudem steigt die Schutzrate stetig, nimmt man jedes Jahr eine Grippeimpfung in Anspruch. Was auch am Phänomen der Kreuzimmunität liegen dürfte, d. h. gegen im Impfstoff befindliche Virenstämme gerichtete, körpereigene Antikörper sind sehr oft auch gegen “nahe Verwandte“ dieser Stämme gut wirksam.

Impfempfehlung: wer sich vor einer Influenza schützen sollte

Jeder, der sich die unangenehme Infektion bzw. deren mögliche Spätfolgen ersparen möchte, kann eine Impfung gegen die Grippe in Anspruch nehmen. Ausdrücklich empfohlen wird die Immunisierung jedoch aufgrund einer erhöhten Gefährdung für Komplikationen vom Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates für

  • Kinder ab dem 7. Lebensmonat bis zu 4 Jahren, da ihr Immunsystem noch nicht vollkommen ausgebildet ist.
  • Kinder ab dem 7. Lebensmonat und Jugendliche bis 18 Jahre, die dauerhaft mit Aspirin behandelt werden (Verhütung des Reye-Syndroms: Hirnschädigung nach einer Infektion der oberen Atemwege und Einnahme bestimmter Medikamente).
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit bestehenden chronischen Lungen-, Herz-, Kreislauf- oder Nierenerkrankungen, Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes, Adipositas), angeborenen oder erworbenen (z.B. HIV) Immundefekten.
  • Personen ab 60 Jahren sowie Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, weil bei Senioren die Grippe oft heftig verläuft, die Rekonvaleszenz länger dauert und sie häufig Grunderkrankungen aufweisen. Hier trägt die Impfung zur Verminderung der Zahl an Krankenhausaufenthalten und der Senkung der Sterblichkeit bei.
  • Betreuungspersonal von Risikogruppen (z.B. Kranke), also Personen, die in Spitälern, Ordinationen, und anderen Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheimen, Haushalten, Kindergärten usw. arbeiten.
  • Menschen in Berufen mit häufigen Publikumskontakten.
  • Schwangere und Frauen, die während einer Grippesaison schwanger werden wollen, denn werdende Mütter neigen zur Entwicklung gefährlicher Lungenentzündungen im Rahmen einer Grippeinfektion. Zudem schützt die Impfung die Ungeborenen, denn sie empfangen im Mutterleib einen Teil der Antikörper, die ihre Mütter entwickeln.
  • in Epidemiegebiete Reisende.

Derzeit lassen sich in Österreich jedoch nur weniger als 20% der Bevölkerung impfen.

Grippeimpfung: Kosten und Impfstellen

Hierzulande finden kurz vor und während jeder Grippesaison Impfaktionen statt, bei denen rezeptpflichtige Grippeimpfstoffe zu vergünstigten Preisen angeboten werden. Das heißt, die Krankenkassen leisten einen Zuschuss in verschiedener Höhe. Die Kosten für die Impfung beim Arzt muss der Impfling aber selbst tragen. Manche Krankenkassen übernehmen bei Vorliegen bestimmter Umstände die Impfauslagen (z.B. bei gewissen chronischen Krankheiten, bei Gefährdeten), was man am besten direkt bei seiner Kasse erfährt.

Impfen lassen kann man sich:

  • an öffentlichen Impfstellen der Bundesländer wie z.B. in Bezirksgesundheitsämtern oder Gesundheitszentren der Sozialversicherung
  • bei Hausärzten bzw. Kinder bei Kinderärzten.
  • bei vielen Fachärzten für Innere Medizin

Influenza: Warum muss die Grippeimpfung jährlich wiederholt werden? 

Auslöser einer Influenza, also einer echten Grippe, sind Influenzaviren, wovon es 3 Serotypen gibt: A, B und C. Diese sehr mutationsfreudigen Mikroorganismen besitzen die Fähigkeit, bestimmte Bestandteile ihrer Hülle (Hämagglutinin & Neuraminidase), an denen unser Immunsystem sie normalerweise erkennt, so zu verändern, dass die Abwehr sie nicht sofort identifizieren und eliminieren kann. Jedes Influenzavirus wird daher nicht nur nach seinem Serotyp, sondern auch nach der Art der Komponenten seiner Hülle benannt (z. B. A H1N1 = Erreger der Spanischen Grippe). Oft ergänzt durch eine Bezeichnung, die über den Ort seines (erstmaligen) Auftretens Auskunft gibt. Wie z. B. “Hongkong“. Weil die Influenzaviren ihre Oberflächeneigenschaften in regelmäßigen Abständen verändern, muss der Impfschutz jährlich erneuert werden.

Als Infektionsquelle für Influenzaviren dienen – je nach Virus-Subtyp – damit infizierte Menschen, Schweine oder Geflügel. Wobei für die Entstehung neuer Virus-Subtypen wahrscheinlich gelegentliche “ Tierpassagen“ (Schweine, Pferde, Enten) verantwortlich zeichnen, bei denen es zu einer Vermischung von ursprünglich nur tierpathogenen (pathogen = krankheitsauslösend) Stämmen mit menschenpathogenen kommen kann, sodass daraus völlig neue Viren entstehen.

Die Übertragung der ziemlich ansteckenden Krankheitserreger erfolgt per Tröpfcheninfektion (über die Luft, z. B. durch Niesen oder Husten).

Nebenwirkungen der Grippeimpfung: Muss man sie fürchten?

Die Grippeimpfung ist im Allgemeinen gut verträglich. Kommt es doch zu Impfreaktionen, gestalten sich diese in der Regel mild und begrenzen sich auf die Stichstelle (vorübergehend: Rötung, Schwellung, Schmerz). Gelegentlich kommt es auch zu Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie einer leichten Temperaturerhöhung für wenige Stunden bis zu zwei Tagen nach der Immunisierung. Nur sehr selten (1 : 1.000.000) stellen sich Neuritiden (Guillain-Barré-Syndrom: entzündliche Nervenerkrankung) nach einer Grippeimpfung ein.

Nicht möglich ist es, von einer Grippeimpfung eine Grippe zu bekommen, sodass auch eine versehentliche Vakzination in der Inkubationszeit nichts ausmacht und zu keinem schwereren Krankheitsverlauf führt. Deshalb empfehlen Experten auch, noch während einer bereits in Gang befindlichen Grippeepidemie weiter zu impfen.

Vorsicht geboten ist lediglich bei Personen mit bekannter Hühnereiweißallergie, da Grippeimpfstoffe aufgrund des Herstellungsprozesses meist geringe Mengen Hühnereiweiß enthalten. Menschen mit akuten fieberhaften Erkrankungen nehmen auch besser (vorläufig) davon Abstand, bis sie die Erkrankung überstanden haben.

Grippeimpfung

Die Zahl der Impfskeptiker wird zum Leidwesen aller immer größer. Adobe Stock, (c) Daniel Berkmann

Impfgegner: Lieber nicht impfen?

Die Grippeimpfung gilt als zumindest teilweiser Schutz vor der Infektion mit Influenzaviren, vor allem aber vor deren gefürchteten Komplikationen. Also auf jeden Fall impfen, oder? Hier haken Impfskeptiker nach und führen ins Treffen, dass

  • die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz biete, denn jeder reagiert anders auf die Impfung, d. h. bildet daraufhin mehr oder weniger starke Abwehrkräfte (z.B. Immunoseneszenz: im Alter qualitativ als auch quantitativ abnehmende Immunantwort). Auch könne man erkranken, wenn man sich kurz nach der Impfung ansteckt, weil nicht mehr genügend Zeit war, einen Impfschutz aufzubauen.
  • da es verschiedene Virenstämme gibt, es passieren kann, dass das Grippevirus, das sich gerade ausbreitet, nicht zu den Viren gehört, gegen die die Impfung schützt.
  • es bei einigen Patientengruppen (z. B. Diabetiker) bisher an genug aussagekräftigen Studiendaten zu verhinderten Komplikationen fehle.
  • es Untersuchungen gibt, die darauf hinweisen, dass die Influenza-Impfung für Risikogruppen, vor allem Ältere und Kinder, keinen Nutzen mit sich bringt, weil sich die Grippeviren laufend verändern und so immer gefährlicher und virulenter (ansteckender) werden.
  • man sich auch anders als mit Impfungen vor Infektionen schützen könne, etwa mithilfe einer ausgewogenen, vitaminreichen Ernährung, dem Führen eines gesunden Lebensstils mit ausreichend Schlaf und Bewegung sowie dem weitgehenden Verzicht auf Genussgifte, vor allem aber mit entsprechender Hygiene (häufiges Händewaschen).

Die Impfung hält also nicht, was sie verspricht, so das Fazit der Impfgegner.

Impfbefürworter: Unbedingt impfen lassen!

Impfbefürworter kontern mit Argumenten wie dass

  • auch wenn eine Grippeimpfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet, sich durch sie immerhin das Risiko an einer Influenza zu erkranken oder Folgen der Erkrankung zu erleben, mindern lässt
  • sich die Verbreitung der Grippe in der Bevölkerung durch die Impfung eindämmen lässt, sodass sie schon aus Gründen der gegenseitigen Rücksichtnahme erfolgen sollte
  • Studien zeigen, dass Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall überlebt haben oder an einer Herzschwäche leiden, wirklich einen Nutzen (geringere Sterblichkeit an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten) aus der Grippeimpfung beziehen
  • andere Studien darauf hinweisen, dass bei älteren Menschen die Impfung tatsächlich eine Grippe verhindert
  • Untersuchungen zufolge eine Grippeimpfung in der Schwangerschaft die Gesundheit des ungeborenen Kindes nicht beeinträchtigt
  • eine Grippeimpfung in der Schwangerschaft werdende Mütter und ihre Babys nach der Geburt schützt, indem sie das Erkrankungsrisiko für beide in etwa halbieren soll
  • die Nebenwirkungen der Influenza-Impfung nicht schwerwiegend sind

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