Schlafwandeln: Symptome, Ursachen und Therapie

Schlafwandeln

Schlafwandeln: Wir klären einige Mythen auf und erklären welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Foto: Adobe Stock, (c) kurgu128

Bis heute ranken sich so manche Mythen um das Schlafwandeln. So zum Beispiel, dass Schlafwandler mit ausgestreckten Armen und geschlossenen Augen in der Wohnung umhergeistern. Mit der Realität hat das allerdings nur sehr wenig zu tun. Wir erklären euch, was es mit dem Schlafwandeln auf sich hat und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Warum schlafwandeln wir?

Schlafwandeln, in der Fachsprache Somnambulismus genannt, tritt meist im ersten Drittel der Tiefschlafphase auf, also außerhalb der Traumphasen. Die Episoden dauern einige Sekunden bis hin zu mehreren Minuten, in seltenen Fällen bis zu einer Stunde. Man vermutet, dass es von einem Weckreiz (Lärm, Harndrang, Hunger) auslöst wird, der aber nicht zu einem vollständigen Wachwerden führt. Das Gehirn befindet sich quasi in einem Zwischenmodus – manche Teile des Gehirns sind wach, während andere noch schlafen.

Wie schlafwandelt man?

Schlafwandeln bedeutet entgegen weitläufiger Meinung nicht unbedingt, dass man sein Bett verlässt. Viele Aktivitäten finden auch direkt im Bett statt. Schlafwandler gehen auch nicht mit ausgestreckten Armen umher und nur in ganz seltenen Fällen verlassen sie die Wohnung oder das Haus. Wie sich Schlafwandeln äußert, nachfolgend in einem kurzen Überblick:

  • Aktivitäten im Bett: Aufrichten, mit ausdruckslosem Gesicht umherschauen, an Polster und Bettdecke herumzupfen.
  • Aktivitäten außerhalb des Bettes: Kleidung anziehen, in der Wohnung umhergehen, zur Toilette gehen, Haushaltstätigkeiten wie Essen zubereiten oder putzen, Heißhungerattacken.
  • Mimik, Augen und Bewegung: Starre Mimik, leerer, glasiger Ausdruck der Augen, Augenkontakt zu anderen Personen wird vermieden, Bewegung erfolgt in der Regel geradeaus.
  • Reaktionsfähigkeit: Keine oder verzögerte Reaktion auf Reize von außen.
  • Geschicklichkeit: Schlechte Koordination von Bewegungsabläufen, z.B. stolpern, wanken, anstoßen.
  • Ansprechbarkeit: Langsame Reaktion auf Ansprechen und unzusammenhängende bzw. sinnlose Antworten auf Fragen, schwierig zu wecken.
  • Wahrnehmungsfähigkeit: Schlafwandler erkennen oft nahestehende Personen nicht und können auch Glas oder Tiefen nicht wahrnehmen.
  • Schmerzempfinden: Viele Schlafwandler haben in diesem Zustand zwischen Wachsein und Schlafen ein vermindertes Schmerzempfinden und bemerken den Schmerz erst nach dem Aufwachen.
  • Nach dem Aufwachen: Desorientierung und fehlende Erinnerung an die nächtlichen Aktivitäten, manchmal aber traumartige Erinnerungen oder das Gefühl, dass „irgendetwas“ in der Nacht passiert ist.

Die Augen sind beim Schlafwandeln in der Regel also offen, die Bewegungen können ruhig, aber auch sprunghaft und schnell erfolgen. Schlafwandler bewegen sich meistens geradeaus, können aber trotz offener Augen Hindernisse nicht sehen oder erkennen, wenn der Weg endet. Das führt dann zu den bekannten Unfällen, wie z. B. Treppen-, Balkon- oder Fenstersturz. Somit birgt Schlafwandeln auch gewisse Gefahren, die gar nicht so selten auch zu Verletzungen führen.

Schlafwandeln

Schlafwandeln bedeutet nicht unbedingt, dass man sich aus dem Bett bewegt. Foto: Adobe Stock, (c) Africa Studio

Darf man Schlafwandler wecken?

Was also tun, wenn jemand in der Nacht zum Wandeln beginnt? Zunächst sollte man wissen, dass Schlafwandler nicht unbedingt gleich wach werden, wenn man sie anspricht oder berührt. Schlafwandler befinden sich in der Tiefschlafphase – sie aufzuwecken ist meist schwierig, aber nicht gefährlich. Am besten geleitet man sie daher behutsam wieder ins Bett – möglichst ohne sie aufzuwecken, damit sie sich nicht erschrecken. Das wird auch bei gefährlichen Situationen empfohlen – ein Rufen oder gar Anschreien kann beim Aufwachen zu Schreckreaktionen führen, die erst recht zur Gefahr werden können. Hilfreich ist es auch, vorher im Schlafzimmer das Licht einzuschalten. Denn Schlafwandler folgen instinktiv dem Licht – was früher der Mond war, ist eben heute die Lampe. Dass Schlafwandeln durch den Vollmond ausgelöst wird oder zu bestimmten Mondphasen gehäuft auftritt, stimmt also nicht – Schlafwandler orientieren sich lediglich an Lichtquellen.

Wer ist von Schlafwandeln betroffen?

Somnambulismus kommt sehr häufig bei Kindern vor, wobei Kinder zwischen vier und sechs Jahren deutlich häufiger (bis zu 30 Prozent) betroffen sind als ältere Kinder (rund 17 Prozent). Häufig werden schlafwandlerische Episoden auch bei Kindern festgestellt, die unter Migräne leiden – 28 Prozent dieser Kinder schlafwandeln. Ab dem Alter von zehn Jahren nimmt die Häufigkeit zunehmend ab und verliert sich oft mit der Pubertät. Bei rund einem Prozent der betroffenen Kinder besteht die Schlafstörung bis ins Erwachsenenalter. Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es hier übrigens nicht. Tritt Schlafwandeln erst im Erwachsenenalter auf, dann wird empfohlen, einen Neurologen oder Schlafmediziner konsultieren, um die Ursache zu klären. Da in diesen Fällen in der Regel keine genetische Disposition das Schlafwandeln auslöst, sondern andere Einflussfaktoren bzw. Erkrankungen vorliegen, sollte eine Abklärung der Ursache und entsprechende Behandlung erfolgen.

Schlafwandeln

Vor allem Kinder zwischen vier und sechs Jahren sind vom Schlafwandeln betroffen. Foto: Adobe Stock, (c) ricardoferrando

Schlafwandeln Ursache und Einflussfaktoren

Die Ursachen des Schlafwandelns konnten trotz intensiver Studien in den Schlaflaboren bis zum heutigen Tag noch nicht eindeutig geklärt werden. Im wesentlichen werden folgende Faktoren in der Literatur genannt:

  • Genetische Veranlagung: Als sehr wahrscheinlich gelten genetische Veranlagungen, da man in Studien familiäre Häufungen von Betroffenen festgestellt hat. Als Grund dafür vermutet man eine erbliche Reifungsverzögerung des Zentralnervensystems, d.h. die Region des Gehirns, die für die Steuerung des Schlafes verantwortlich ist, arbeitet manchmal etwas unkoordiniert und löst auf diese Weise den Somnambulismus aus. 60 bis 80 Prozent der Schlafwandler haben Verwandte, die ebenfalls Schlafwandler sind. Wenn ein Elternteil Schlafwandler ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch dessen Kind schlafwandeln wird, bei 45 Prozent. Wenn beide Elternteile betroffen sind, liegt sie sogar bei 60 Prozent.
  • Psychische Faktoren: Sehr introvertierte Menschen bzw. Menschen, die Aggressionen unterdrücken, sind ebenfalls besonders häufig betroffen. Daher nimmt man als mögliche Ursache auch psychische Faktoren an.
  • Äußere Einflussfaktoren: Auch Stress, Schlafmangel, Fieber, Alkohol oder Beruhigungsmittel können nach herrschender Meinung zu Somnambulismus führen. Schlafwandeln im Jugendalter wird vermehrt nach Übermüdung, Stress und emotionalen Belastungen beobachtet.

Was kann man gegen Schlafwandeln machen?

Bei einer Häufigkeit von mindestens einmal pro Woche und spätestens, wenn es zu anhaltender Schläfrigkeit während des Tages bzw. einer Selbst- oder Fremdgefährdung kommt, sind therapeutische Maßnahmen unbedingt anzuraten. Je nach Ursache stehen verschiedene Behandlungmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Psychotherapie bzw. medizinische Behandlung: Stellt sich heraus, dass das Schlafwandeln lediglich das Symptom einer physischen oder psychischen Krankheit ist, sollte vor allem diese therapiert werden und auf das Schlafwandeln nur mit Sicherheitsvorkehrungen reagiert werden.
  • Verhaltenstherapie: Bei chronischem Schlafwandeln ist zum Beispiel eine Kombination zwischen Pharmakotherapie (Arzneimitteltherapie) und Verhaltenstherapie sinnvoll. Eine angewendete Verhaltenstechnik besteht zum Beispiel aus dem nächtlichen Wecken des Betroffenen 15 oder 20 Minuten bevor das Schlafwandeln normalerweise eintritt. Anschließend wird die Person über die Zeit, in der sich das Schlafwandeln sonst ereignet, wachgehalten.
  • Pharmakotherapie: Die Behandlung mit Medikamenten (Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva) sollte nur bei starken Episoden in Betracht gezogen werden, die das normale Leben bereits stark beeinträchtigen. Zu beachten ist hier, dass bei längerer Einnahme ein Abhängigkeitsrisiko gegeben ist.
  • Verhaltensberatung: Wichtig ist auch, dass der Betroffene und dessen Angehörige informiert sind, damit sie richtig mit der Situation umgehen und Ängste genommen werden können. Auch das Umfeld sollte in Kenntnis gesetzt werden, damit das Schlafwandeln nicht ganz überraschend kommt und man entsprechend reagieren kann.
  • Entspannung: Da Stress oder Übermüdung die Wahrscheinlichkeit des Schlafwandelns erhöhen sowie Intensität und Dauer beeinflussen, haben sich auch Stressbewältigungstrainings und Entspannungsübungen als hilfreich erwiesen (Selbsthypnose, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training).

Zusätzlich können noch folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Licht im Schlafzimmer brennen lassen: Es wird vermutet, dass sich Schlafwandler – wie bereits erwähnt – von Lichtquellen angezogen fühlen. Auch der Mond ist natürlich eine Lichtquelle, daher wurden Schlafwandler früher wohl auch Mondsüchtige genannt. Licht im Schlafzimmer kann somit nach Meinung von Experten verhindern, dass der Schlafwandler überhaupt erst losgeht.
  • Essbares bereitstellen: Heisshungerattacken während des Schlafwandelns kommen sehr häufig vor. Das wäre laut Experten therapeutisch nutzbar, indem man in der Nähe des Bettes etwas Essbares bereitstellt. Die Phase des Schlafwandelns ließe sich damit abkürzen.
  • Schutzmaßnahmen: Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel das Abschließen von Schlafzimmertür, Fenster und Balkon, das Wegräumen von Hindernissen und Entfernen von Teppichen, Treppenabsperrungen oder Schutzkappen für Möbelecken.
Schlafwandeln

Schlafwandeln: Im Schlaflabor untersucht man den Schlaf von Patienten und zeichnet die Körperfunktionen auf. Foto: Adobe Stock, (c) RioPatuca Images

An wen könnt ihr euch wenden?

Am besten wendet ihr auch an einen Neurologen, der die notwendigen neurologischen (z. B. EEG), psychotherapeutischen oder sonstigen erforderlichen Maßnahmen in die Wege leiten kann. Auch ein Psychiater oder Psychotherapeut kann natürlich eine erste ärztliche Hilfestellung geben. Anlaufstelle bei Kindern sind Kinderärzte, Kinderneurologen oder Kinderpsychiater. Eine weitere Möglichkeit sind Ambulanzen für Schlafmedizin. Einrichtungen, die sich auf Schlafmedizin spezialisiert haben, findet ihr auf der Website der Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin.

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