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Schulangst hat viele Gesichter

Schulangst

Foto: Adobe Stock, (c) milatas

Im Normalfall sind Kinder wissbegierig, freuen sich auf neue Erfahrungen und sehen deshalb dem Schulbesuch gespannt entgegen. Manche aber entwickeln – oft scheinbar ohne ersichtlichen Grund – eine Schulangst oder Schulphobie. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

Schulzeit – das bedeutet für Kinder Fähigkeiten erproben, Kontakte schließen und Interessantes lernen. Einige machen an diesem Ort aber unliebsame Erfahrungen, die Anlass geben können, dass sie nicht mehr gerne dorthin gehen, weil sie weitere negative Erlebnisse erwarten und deshalb eine Schulangst entwickeln. Im Gegensatz dazu steht eine Schulphobie mehr in direktem Zusammenhang mit familiären Bedingungen, sodass beim betroffenen Kind Panik vor der Trennung vom Elternhaus entsteht und es deshalb nicht in die Schule will.

In der Folge ersinnen Kinder mit Schulangst oder Schulphobie Strategien, den Schulbesuch möglichst zu umgehen und machen damit häufig die Umgebung ratlos. Denn auch wenn die Kinder am Vortag ihre Hausaufgaben gemacht, sich auf Prüfungen vorbereitet und ihre Schulsachen gepackt haben, in der Früh wollen sie sich nicht auf den Weg machen oder kehren einfach wieder um. Oder klagen davor schon über Symptome wie Übelkeit, Bauch- oder Kopfschmerzen, die rasch wieder verschwinden, wenn sie zuhause bleiben dürfen.

Schulangst: Oft entscheiden äußere Bedingungen

Die Ursachen der Schulangst sind vielfältiger Natur. Sie liegen zum Teil im zu leistungs- bzw. bewertungs- und statusorientierten Bildungs- und Gesellschaftssystem. Etwa in Form von Überforderung infolge eines zu hohen Lerntempos (z.B. “Lehrstoff durchziehen“) mit Wettbewerbscharakter (z.B. Prüfungen als Disziplinierungs- bzw. Druckmittel) oder eines übertriebenen Leistungsdenkens von Eltern, die ihre Zuneigung von Lernerfolgen abhängig machen. Mangelnde Förderung, z.B. weil eine zu große Schülerzahl pro Klasse eine individuelle Betreuung verunmöglicht oder Bildung manchen Eltern nicht wichtig genug ist, verschärft die Situation noch.

Eine besondere Rolle spielt das Schul- bzw. Klassenklima, insbesondere das Verhältnis zum Lehrpersonal, aber auch ein etwaiges Konkurrenz- oder Statusdenken unter den Schülern sowie eine inadäquate Streitkultur, die es erschwert, Konflikte konstruktiv auszutragen und stattdessen die Entstehung von Gewalt und Mobbing fördert. Zudem begünstigen Unterschiede in der ethnischen, gesellschaftlichen oder sozioökonomischen Herkunft, dass bestimmte Kinder gern zu Außenseitern abgestempelt werden.

Ein wichtiger Faktor beim Aufkommen von Schulangst sind auch so einschneidende Veränderungen wie z.B. ein Orts-, Schul- oder Schultypwechsel.

Beschwerden als maskierte Hilferufe

„Ich trau mich nicht in die Schule, weil…“, so konkret äußern Kinder ihre Schulangst kaum. Vielmehr macht sich diese meist in Form negativer Verhaltensweisen bemerkbar, die nicht so ohne Weiteres richtig zuzuordnen sind: Die SchülerInnen zeigen Unbehagen beim Thema Schule, haben schlechte Laune, sind traurig, schweigsam und ziehen sich zurück oder kämpfen mehr oder weniger vehement um Aufmerksamkeit. Auch ein Desinteresse an sozialen Kontakten oder intensives einsames Internetsurfen oder Computerspielen kann auf eine Schulangst hinweisen. Die psychischen Veränderungen reichen bis hin zu depressiven Verstimmungen, aggressiven Ausbrüchen, zwanghaften Verhaltensweisen, Sprech- (z.B. Stottern), Lern- oder Essstörungen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Schlimmstenfalls kommt es zum Suizid.

Darüber hinaus treten häufig körperliche Symptome auf, die meist nicht auf den ersten Blick eine Schulangst erkennen lassen. Dazu zählen z.B. Nervosität und Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme und fehlender Appetit, manchmal auch Bettnässen.

Schulphobie: besondere Form von Trennungsangst

Die Wurzeln dieser speziellen Form von Furcht liegen in problematischen familiären Konstellationen. So kann beispielsweise ein besonderer Umstand (z.B. ein kranker Elternteil, familiäre Gewalt) bewirken, dass ein Kind befürchtet, während seiner Abwesenheit könnte daheim etwas Schreckliches passieren. Auch elterliche Sorgen und Ängste sowie Überbehütung können zu einer krankhaften Bindung ans Elternhaus führen.

Strategien gegen Angst vor dem Schulbesuch

Wenn sich ein Kind vorm Schulbesuch drücken will und Eltern mutmaßen, es könnte eine Schulangst oder -phobie dahinter stecken, empfehlen Lernexperten z.B.:

  • Zunächst mal das Thema Schule nicht zum zentralen Thema in der Familie werden lassen. Außerdem das Kind nicht als etwas Besonderes behandeln, etwa durch elterliche Anwesenheit in der Schule während der Schulstunden. Sonst verstärken sich die Symptome.
  • Mit dem Lehrpersonal (z.B. Beratungslehrer), Schularzt und Schulpsychologen über das Problem sprechen bzw. an einer psychologischen Beratungsstelle vorstellig werden.
  • Klagt ein Kind morgens über nicht nachvollziehbare Beschwerden, sachlich bleiben und einen Arztbesuch nach der Schule ins Auge fassen, sollten sich die Beschwerden nicht bessern. Gleichzeitig sich vorsorglich vergewissern, dass die Lehrer im Fall der Notwendigkeit die elterlichen  Telefonnummern kennen. Darf das Kind aufgrund angegebener, nicht sicher als harmlos einzustufender Symptome doch zuhause bleiben, sollte kein angenehmer Zeitvertreib wie z.B. Fernsehen oder Computerspielen erlaubt sein und das Kind – wie es Krankheit eben verlangt – im Bett bleiben.
  • Das Kind konsequent trainieren, den Schulweg allein zu bewältigen oder es von jemand anderem (z.B. Nachbarin) zur Schule mitnehmen lassen.
  • Besonders wichtig ist es, das Kind zu loben, wenn es morgens problemlos zur Schule gegangen und dort verblieben ist.
  • Schwerwiegende familiäre Probleme (z.B. Gewalt) erfordern allerdings kompetente und intensive Maßnahmen, die man mit Unterstützung von Familienberatungsstellen in die Wege leiten kann. Kinder und Jugendliche finden Rat und Hilfe bei schulischen, familiären und anderen Problemen unter der kostenlosen Notrufnummer 147.

Helfen kann natürlich auch der Besuch bei einem Psychologen oder einer Psychologin. Hier findest du die besten in deinem Bundesland.

 

Weitere interessante Links zum Thema finden Sie hier:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur: Schulärztinnen und Schulärzte

Schulpsychologie – Bildungsberatung

 



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