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Zahnen: wann es beginnt – was dabei hilft

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Foto: Adobe Stock, (c) Lichtfisch

Wenn Kinder Zähne kriegen, muss das noch lange kein Kinderspiel sein. Denn brechen die ersten Beißerchen durch, kann das mit allerlei Beschwerden – vor allem Schmerzen – verbunden sein. Dann ist es gut zu wissen, wie man seinem Baby helfen kann, diese schlimme Phase gut durchzustehen. Wir haben hier ein paar Tipps, was beim Zahnen wirklich nützt. Mit gutem Rat steht natürlich auch der Kinderarzt deines Vertrauens zur Seite.

Was bedeutet Zahnen und wann fängt es an?

Die Zahnentwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Da werden – etwa ab der 7. Woche nach Befruchtung der Eizelle – im Kieferknochen die Zahnknospen (Zahnkeime) angelegt, die die Grundlage für die Milchzähne (heißen so, weil sie durchzubrechen beginnen, wenn sich Babys noch hauptsächlich von Muttermilch ernähren) bilden. Wenn die Zeit reif dafür ist, erfolgt ein Vorrücken der Zähnchen durch die nun dünnere Schleimhaut des Zahnfleischs und es kommt schubweise zu ihrem Durchbruch (Dentition, lat.: dentire = zahnen). Diesen Vorgang nennt man Zahnen (Zahnung).

Zu welchem Zeitpunkt Kinder Zähne bekommen, ist sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt lässt sich der erste Zahn ab dem sechsten Lebensmonat blicken. Meistens ist das einer der beiden unteren mittleren Schneidezähne. Doch gibt es auch Frühentwickler, die bereits im dritten Lebensmonat zu zahnen beginnen oder ganz Eilige, die sogar schon mit ein oder zwei Zähnchen (dens connati, “Hexenzähne“) zur Welt kommen. Aber ebenso Spätzünder (z.B. manche Frühchen), die sich mit der Prozedur Zeit lassen. Wobei es ratsam erscheint, einen Zahnarzt aufzusuchen, sollte sich in puncto Zahnen bis zum zwölften Monat noch gar nichts getan haben.

In welcher Reihenfolge Kinder zahnen

Bei den meisten Babys zeigen sich

  • zuerst zwischen dem 6. und 10. Monat die beiden unteren mittleren Schneidezähne.
  • danach die seitlichen Schneidezähne, die im Zeitraum vom 6. bis 14. Monat erscheinen.
  • später, d.h. zwischen dem 12. und 18. Monat, die vorderen Backenzähne
  • dann die Eckzähne, die im Alter von 16 bis 22 Monaten erscheinen.
  • zuletzt die hinteren Backenzähne, und zwar im 20. bis 30. Monat.

Somit ist im Alter von drei Jahren das Milchgebiss mit seinen 20 Zähnen (8 Schneidezähne, 4 Eckzähne, 8 Backenzähne) in der Regel komplett.

Ab dem sechsten Lebensjahr ersetzen dann die 32 bleibenden Zähne schrittweise die Milchzähne. In der ersten Etappe (6. – 9. Lebensjahr) dieses Zahnwechsels kommen – zuerst unten, dann oben – die ersten Backenzähne hinter den Milchzähnen zum Vorschein, wobei noch kein Milchzahn (dens lactatis, dens deciduus) ausfällt. Es folgt der Austausch der unteren mittleren, dann der oberen mittleren Schneidezähne, nach kurzer Pause auch der unteren seitlichen und nach etwa einem Jahr der oberen seitlichen Schneidezähne, sodass im Normalfall mit rund 8,5 Jahren alle bleibenden Schneidezähne vorhanden sind.

In der nächsten, vom 9. bis 12. Lebensjahr dauernden Phase brechen die ersten oberen kleinen Backenzähne (Prämolaren) durch, bevor die unteren Eckzähne, dann die unteren ersten Prämolaren, oberen zweiten Prämolaren, unteren zweiten Prämolaren, oberen Eckzähne und schließlich die unteren zweiten Prämolaren erneuert werden. Dann sind alle Milchzähne ausgefallen.

Nun erscheinen noch die zweiten großen Backenzähne, sodass das Gebiss mit 12,5 Jahren bis auf die Weisheitszähne, die meist zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr, manchmal auch später bis gar nicht durchbrechen, vollständig ist.

Wie sich Zähne ankündigen

Einigen Kindern macht das Zahnen zu schaffen, weil dabei das Zahnfleisch spannt, drückt, juckt und schmerzt. Bei anderen verläuft es so problemlos, dass die Umgebung nichts davon bemerkt. Wann ein Zahn sich im Anmarsch befindet, darauf können Anzeichen hinweisen wie

  • Das Baby wird schnell unruhig und quengelig. Es zieht mehr an den Ohren, weint öfter und hat weniger Appetit als sonst, verweigert vielleicht sogar die Nahrung, schläft unruhig und sucht eventuell vermehrt nach Körperkontakt oder hat ein erhöhtes Nuckel- und Saugbedürfnis.
  • Das Baby sabbert extrem, wodurch der Mund außen herum wund werden kann. Es kaut intensiv auf allem Möglichem (z.B. eigene Faust, diverse Gegenstände) herum.
  • Am Zahnfleisch sind Rötungen und Schwellungen sichtbar oder auch eine kleine Verhärtung (= durchbrechender Zahn) tastbar bzw. schimmert das kommende Zähnchen als helle Verdickung oder bläuliche Wölbung (Eruptions-/Durchbruchzyste) durch.
  • Oft gibt es auch heiße, gerötete Wangen, besonders wo sich ein neuer Zahn ankündigt.
  • Krankheitszeichen wie erhöhte Temperatur bis (auch hohes) Fieber, Mittelohrentzündung, Schnupfen, Hautausschlag, Bauchschmerzen, weicher Stuhl oder Durchfall mit rotem, wundem Po können auftreten. Sie gelten allerdings nicht als Zahnungssymptome, sondern sind vielmehr Begleiterscheinung von Infekten, für die Kinder gerade im Zeitraum des Zahnens anfälliger sind. Hinzu kommt, dass Kinder in dieser Phase alles Mögliche – auch Infektiöses – in den Mund stecken, wodurch es häufiger zu Ansteckungen kommt. Und dass die Umstellung der Ernährung von Mutter- bzw. Ersatzmilch auf feste Nahrung in diese Periode fällt.

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Foto: Adobe Stock, (c) Sabine Naumann

Was man gegen Zahnungsschmerzen tun kann

Babys wird das Zahnen erleichtert durch:

  • das Druckgefühl im Zahnfleisch linderndes, als angenehm empfundenes Kauen auf Hartem wie z.B. einer Brotrinde oder geschälten Karotte (unter Aufsicht, da Verschluckungsgefahr!), schadstofffreien Beißringen oder ungefährlichen Spielsachen.
  • Kauen auf einem zuvor im Kühlschrank (nicht im Gefrierfach, sonst drohen Erfrierungen) gekühlten Beißring oder aus hygienischen Gründen mehrmals ausgewechselten, feuchten (mit kühlem Kamillentee getränktem) Waschlappen, der geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch besänftigt und mögliche Entzündungen hemmt.
  • gekühlte Speisen wie z.B. Joghurt bei Babys älter als sechs Monate.
  • Zahnbürsten mit kleinen Noppen statt Borsten zum darauf Kauen und gleichzeitigem Gewöhnen ans Zähneputzen.
  • Zahnfleischmassagen mit sauberem Finger oder Baby-Zahnpflege-Fingerling, ev. mit Zahnungsöl (ein Tropfen Kamille auf einen Esslöffel Sonnenblumen- oder Rapsöl).
  • Beträufelung des gereizten Zahnfleischs mit kühlem Kamillen- oder Salbeitee.
  • beruhigendes Nuckeln am Fläschchen mit Wasser oder ungesüßtem Tee (z.B. entzündungshemmendem Kamillen- oder Salbeitee).
  • einen Schnuller, und zwar einen mit an den Gaumen angepasster Form, abgeflachtem weichem Saugteil an beiden Seiten und schmaler Auflage für die Kieferleiste und Lippen.
  • auf die Kieferleiste auftragbare, zuckerfreie Zahnungssalben oder -gele aus der Apotheke.
  • bei starken Schmerzen (kein Schlaf, Nahrungsverweigerung) und/oder hohem Fieber nach Absprache mit dem Kinderarzt schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente als Zäpfchen oder Saft.
  • intensivere körperliche Zuwendung (zusätzliche Kuscheleinheiten, häufiges Herumtragen) und Ablenkungsmanöver (z.B. zusätzliche Spieleinheiten, ausgedehnte Spaziergänge).
  • eine Fußreflexzonenmassage an den Kuppen der Babyzehen, dem Sitz der Zahnleisten-Reflexzonen.

Alternativen: Homöopathie – Schüßler Salze – Bachblüten

Natürlich gibt es auch homöopathische Mittel oder Nosoden (homöopathische Arzneien aus körpereigenen Substanzen wie z.B. der Plazenta), die das Zahnen unterstützen sollen, indem sie die Selbstheilungskräfte anregen.  Art und Dosierung der Mittel sollte ein in Homöopathie geschulter Arzt festlegen. Das gilt auch für Schüßler-Salze. Viele Kinder wirken in der Zahnungsphase sehr unruhig. Dann können ihnen Bachblüten zu mehr Ausgeglichenheit verhelfen.

Umstrittene Hausmittel: Veilchenwurzel & Bernstein

Die Veilchenwurzel soll schmerzlindernde Inhaltsstoffe abgeben, wenn auf ihr gekaut wird. Daher preist man sie gerne als Zahnungshilfe an. Das schätzen vor allem Eltern, die ihr Kind nur mit natürlichen Substanzen behandeln möchten. Doch hat das Ganze einen Haken: auf der Wurzel können sich schnell Keime bilden, wogegen regelmäßiges Auskochen auch nur begrenzt hilft.

Ebenso als Mittel gegen Zahnungsprobleme gelten – wissenschaftlich jedoch nicht belegt – Bernsteinketten, denn Bernstein enthält ätherische Öle, deren beruhigende und die Blutzirkulation anregende Wirkungen Babys beim Zahnen helfen sollen. Dem stehen einige ernstzunehmende Risiken gegenüber, etwa dass das Kind mit der Kette wo hängenbleibt, sich damit stranguliert oder beim Reißen der Kette Teile davon verschluckt. Deshalb muss bei Verwendung einer Bernsteinkette als Zahnungshilfe auf Sicherheitsmaßnahmen wie eine hohe Reißfestigkeit bzw. Sollbruchstelle (z.B. Steckverschluss), die sich bei Zug an der Kette selbstständig öffnet sowie eine zusätzliche einzelne Verknotung aller Bernsteine der Kette geachtet werden.

Bei Problemen mit dem Zahnen steht natürlich auch der Kinderarzt deines Vertrauens mit Rat und Tat zur Seite. Wenn du noch auf der Suche nach dem perfekten Kinderarzt bist, findest du hier die besten in deinem Bundesland:

 



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